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Keine Scheu vor exotischen Stationen: Arie Haan wird 65

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Arie Haan
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Arie Haan 2008 bei einem Training mit Albaniens Nationalmannschaft. Foto: Armando Babani Foto: dpa

Stuttgart (dpa) - Als Nationalspieler und Größe von Ajax Amsterdam hat Arie Haan bleibenden Eindruck hinterlassen. Einen Namen machte er sich aber vor allem als Trainer des VfB Stuttgart. Am Samstag feiert Haan seinen 65. Geburtstag.


Solch eine überwältigende Resonanz war Arie Haan von seinen früheren Bundesliga-Stationen überhaupt nicht gewohnt. Als der ehemalige Trainer des VfB Stuttgart und des 1. FC Nürnberg im Jahr 2004 mit China in einem dramatischen Finish vorzeitig die Qualifikation für die Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland verpasste, hielten rund 400 Millionen Fans aus dem Reich der Mitte vor den TV-Geräten den Atem an.

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Haans Mannschaft deklassierte Hongkong mit 7:0, zog wegen der weniger geschossenen Tore gegenüber Kuwait aber den Kürzeren. Eine der bittersten Niederlagen in der langen Karriere des Niederländers, der sich vor allem Ende der 80er beim VfB einen Namen als Coach gemacht hatte.

In der Rückschau auf sein bewegtes Leben wird deutlich: Dieser Mann hat sich vor exotischen Expeditionen nicht gescheut. Vor allem nicht als Trainer. So coachte der 35-malige frühere Nationalspieler in Belgien, Griechenland, den Niederlanden, Österreich, Kamerun, Albanien, dem Iran und natürlich China. Einen Namen machte sich Haan aber vor allem während seiner Zeit beim VfB Stuttgart.

Im Sommer 1987 heuerte der Mann aus Finsterwolde in der Provinz Groningen bei den Schwaben an. Und der «Erfinder der guten Laune», wie ihn einst Max Merkel nannte, machte den VfB flott. Unvergessen die unglückliche Niederlage im UEFA-Pokal-Endspiel 1989 gegen Diego Maradona und den SSC Neapel. Im März 1990 war dann Schluss bei den Stuttgartern; die Etappe 1. FC Nürnberg war schließlich nicht mehr als ein Intermezzo für Haan. In arger Abstiegsnot musste er 1991 beim «Club» gehen.

Seine großen Erfolge als Spieler sind untrennbar mit Ajax Amsterdam verbunden. An der Seite von Lichtgestalt Johan Cruyff gewann er dreimal (1971, 1972, 1973) den Europapokal der Landesmeister. Zwei Vize-Weltmeisterschaften mit Oranje 1974 und 1978 folgten. Gar nicht schlecht für einen Hauptschullehrer.

Arend Haan, der jedoch nur Arie gerufen wird, war die Erweiterung des Horizonts stets wichtig. Damit lassen sich auch Trainer-Stationen wie jene als Nationaltrainer in China oder als Clubcoach im Iran erklären. «Ich habe den Spielern gesagt, schießt, schießt, auch wenn ihr den Ball aus dem Stadion rausschießt. Wer nicht schießt, kann kein Tor machen», beschrieb Haan einmal in der «Frankfurter Allgemeine Zeitung» seine ersten Ratschläge an die Auswahlkicker Chinas, kurz nachdem er dort 2003 Nationaltrainer geworden war.

Die verpasste WM 2006 quittierte der Verfechter von Disziplin mit seinem Abschied aus China. Eine konsequente Entscheidung. Mit einem ganz großen Erfolg als Trainer hat es für Haan auch danach nicht geklappt. Aber dafür ist er richtig viel rumgekommen.