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Dr. Peter Ramsauer kommt zu spät und hat Probleme beim Fassanstich im »Brenner Bräu«

Keine verkehrstechnischen Probleme im Talkessel

Bischofswiesen – Zu den regionalen Themen, die die Besucher am Freitag beim Starkbieranstich im Bischofswieser »Brenner Bräu« am meisten interessierten, äußerte sich Dr. Peter Ramsauer erst ganz am Ende. Dabei schien sein ehemaliges Amt deutlich durch: Der Ex-Bundesverkehrsminister forderte »ganz klar« den Kirchholztunnel in Bad Reichenhall, die schon etwas »eingeschlafene«, aber »benötigte« Durchführungsverordnung bezüglich des Salzburger Flughafens für Freilassing (»Ich bleibe dran, versprochen«) und »endlich« eine Lösung für den A8-Ausbau in Piding – wobei der Traunwalchener mit beiden Varianten leben könne. Eines wurde also auch klar: Das alles sind »draustige« Probleme, im inneren Landkreis gibt es aktuell offenbar keine dringend zu lösenden verkehrstechnischen Themen.

Der Anstich des ersten Starkbier-Fasses war eine spritzige Angelegenheit für Ex-Bundesverkehrsminister Dr. Peter Ramsauer. Skeptisch beobachtete auch Braumeister Bernhard Löw die Arbeit des Bundestagsabgeordneten. (Foto: Bittner)

Bischofswiesen ist anders: Hier steigt der politische Aschermittwoch an einem Freitag. Traditionell ist der große Gastraum des »Brenner Bräus« dabei stets bis auf den letzten Platz gefüllt, das besitzt Usus-Charakter. Und der stellvertretende CSU-Vorsitzende schlägt nicht zum ersten Mal, unterstützt und wortreich eingeleitet von Brauerei-Geschäftsführer Ernst Riedner, das erste Fass des Wieninger-Lagerbiers mit 18 Prozent Stammwürze an: Diesmal mit vier energischen Ramsauer-Schlägen, schon nach dem ersten entlud sich der Druck im Inneren und ließ eine mittelprächtige Fontäne waagrecht aus der vorgesehenen Öffnung schießen. Der goldene Zapfhahn saß allerdings nicht richtig, zunächst half noch Braumeister Bernhard Löw mit zwei weiteren Schlägen, später der Vorstand des Freiwilligen Feuerwehrvereins Bischofswiesen, Uwe Horstmann, mit sage und schreibe neun zusätzlichen Schlegel-Hieben – ehe der Zapfhahn endlich korrekt saß und »Brenner  Bräu«-Wirt Andreas Aschauer zügig ausschenken konnte. Der Durst der Gäste war schließlich nicht unerheblich.

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Die Anstich-Schwierigkeiten waren jedoch kein Hindernis für einen gelungenen Abend. Bischofswiesens Bürgermeister Thomas Weber und der stellvertretende CSU-Ortsvorsitzende Josef Pletzer begrüßten die gut gelaunten Gäste, die sich das frische Gebräu »mit starker Wirkung«, so Riedner, schmecken ließen. Dr. Wolfgang Krämer vertrat als stellvertretender CSU-Kreisvorsitzender die Landtagsabgeordnete Michaela Kaniber, Landrat Georg Grabner weilte noch im Skiurlaub. Dafür kamen Bezirksrat Georg Wetzelsperger sowie die Bürgermeister Franz Rasp (Berchtesgaden), Josef Flatscher (Freilassing), Dr. Herbert Lackner (Bad Reichenhall) und der Bischofswieser Bürgermeister-Stellvertreter Bernhard Öggl samt zahlreichen Gemeinderäten.

Von TTIP Lichtjahre entfernt

Mit Verspätung trudelte Peter Ramsauer ein, er war von einer falschen Zeit ausgegangen, die Bischofswieser Musi überbrückte gekonnt die Wartezeit. Ehe er sein kühles Blondes genießen durfte, erwarteten die Gäste eine typische politische Rede, doch seine Gattin Susanne hatte ihm »Schreien« verboten. Der vor knapp zwei Wochen 61 Jahre alt gewordene Ramsauer wurde dennoch hie und da laut, schwadronierte über das Freihandelsabkommen TTIP, welches nichts Neues sei und wovon »wir noch Lichtjahre entfernt« seien. Ramsauer redete sich über die Probleme mit Griechenland und dessen »falsch verstandene Solidarität« unsererseits fast in Rage und streifte die Anschläge von Paris, die uns deutlich aufzeigten, wie sehr Respekt gegenüber jeglichen Glaubensrichtungen nötig sei.

Der »Unsinn, Stromleitungen einmal längs durch die ganze Republik mit Gaswerken verhindern zu wollen«, durfte nicht fehlen: »Hier befinde ich mich auf einem Konfliktkurs mit meinem eigenen Ministerpräsidenten«, so Ramsauer. »Die großen Stromparks entstehen nun mal im Norden und der Strom muss irgendwie zu uns – am besten nicht via teurerer Variante über Tschechien und Österreich.«

Piding kommt als Letztes dran

Ramsauer will sich, solange er könne, die Freiheit rausnehmen, den Mund aufzumachen: »Das lass ich mir von niemandem nehmen.« Und er lässt sich auch nicht einreden, Deutschland zu schwächen, damit »andere gleicher werden«. Darauf würden die »Schwachbruststaaten mit sozialistischem Schlendrian aus dem Mittelmeerraum doch nur warten und sich darauf berufen – würden wir im Umgang mit Griechenland einknicken und schwach werden«. Szenenapplaus des begeisterten Publikums. Ramsauer weiter: »Lassen wir es nicht zu, unseren Vorsprung zu verfrühstücken«, rief er der Runde zu, dank schwachem Euro und niedrigem Ölpreis würde uns doch eine »Gesundung der Wirtschaft« geradezu zufliegen. Deutschland sei die führende politische Nation in Europa, die »finanzielle Lokomotive der EU«, so der 1. Vorsitzende des Wirtschafts- und Energieausschusses im Bundestag.

Interessantes zum sechsspurigen Autobahn-Ausbau hatte der Ex-Minister auch noch in petto: »In zwei Jahren werden wir am Inntal-Dreieck beginnen und uns zügig Richtung Bernauer Berg vorarbeiten. Sonst sind wir ja 2030 immer noch nicht fertig.« Für Piding sieht er – »weil sich die Bürgermeister, Gemeinderäte und letztlich auch die Bürger nicht einig sind und letztlich nicht wissen, was sie eigentlich wollen« – keine rasche Lösung in Sicht: »Das wird so oder so der letzte Abschnitt und somit auch der letzte, der fertig wird.« Bis 2030 soll das alles dann aber doch über die Bühne gegangen sein. In Anbetracht der Probleme, die nahezu Woche für Woche auf den Tisch kommen, eine recht optimistische Prognose zum Abschluss. Hans-Joachim Bittner