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Kesse Lieder und schwarzer Humor

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Der Chor mit einer seiner gewohnt komödiantischen Einlagen. (Foto: Heel)

Mit Musik geht bekanntlich alles besser. Auch das Abmurksen eines treulosen Ehemanns. So geschehen, mit freundlicher Unterstützung des Theatervereins Siegsdorf, bei zwei Auftritten des Chors Giovedi Vocale in der jeweils ausverkauften Traunsteiner Kulturfabrik NUTS.


Da kriegt Monika, eine der Sängerinnen, von ihrem geliebten Paul nebenbei mitgeteilt, dass er eine andere hat. Für Monika bricht eine Welt zusammen. Wutentbrannt stürmt sie in die Küche, holt einen gefrorenen Rehschlegel aus der Tiefkühltruhe und schlägt ihn Paul über den Kopf. Mit durchschlagendem Erfolg. Anschließend steckt sie den Schlegel in den Ofen und eilt zur Chorprobe. Und trällert brav mit, wenn es gleich in einem Lied heißt: »Hau ab, du Idiot«.

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Tochter Melanie findet derweil den Toten und alarmiert die Polizei. Die kommt auch sofort und stellt scharfsinnig fest: Der Mann wurde erschlagen. Und zwar mit einem schweren Gegenstand. Aber wo könnte der sein? »Frag doch einfach Dr. Sommer«, singt der Chor frech dazu, um gleich darauf mit dem Song »The Night We Called It a Day« eins draufzusetzen. Eigentlich ein wunderschönes, zutiefst melancholisches Liebeslied, aber auch eine Anspielung auf den brillanten Videoclip, den Bob Dylan zu seiner Coverversion des Titels anfertigen ließ, ein dreiminütiger, in schwarzweiß gedrehter Film Noir um eine mörderische Dreiecksaffäre.

Wieder daheim, gibt sich Monika natürlich schockiert und tut so, als habe sie null Ahnung, von wem oder womit ihr Gatte erschlagen wurde. Dabei wäre es so einfach, denn »hat man die Mordwaffe«, so einer der Beamten, »hat man auch den Mörder.« Stattdessen bietet sie den Herrschaften von der Polizei ihren angeblich für ihren Mann zubereiteten Rehbraten an, was nach kurzem Sträuben auch angenommen wird. Während des Mahls sagt dann einer der Beamten, er glaube, dass die Waffe noch im Haus oder Garten sei. Worauf ein anderer scherzhaft meint: »Wahrscheinlich genau vor unserer Nase, was?«

Nur logisch also, dass Monika nach der Pause weiter singen durfte und der Chor unter der bewährten Leitung von Stephan Hadulla das Publikum noch fast eine Stunde lang mit spritzigen Texten aus eigener Feder erfreute, raffiniert arrangiert, glänzend vorgetragen und verknüpft mit kleinen, witzigen Spielszenen, wie sie zum Markenzeichen des Chors gehören. Etwa mit »Nur für dich«, einem kessen Abgesang auf eine Beziehung, oder dem spöttischen Lied »Da muass i doch lacha«, in dem die Frauen des Ensembles klarstellten, dass sie selbst am besten wissen, welche Männer zu ihnen passen. Sehr gut gefiel auch das Lied über Beziehungen zweiter Wahl, und welcher Mann, der von Heldentaten träumt, hat nicht schon gehört, kaum zuhause angekommen: »Zieh die Schuh aus, bring den Müll runter, pass aufs Kind auf.«

Mit einem zehnminütigen Singspiel aus seiner Rubrik »kurz und schmerzlos«, in dem der Chor mit eher bescheidenen Mitteln, aber sehr fantasievoll den Untergang der Titanic nachstellte, neigte sich das begeistert aufgenommene Konzert dann dem Ende zu. Die Vorlage zum »Mordfall« stammte übrigens von dem britischen Autor Roald Dahl (1912 bis 1990) und trägt im Original den schlichten Titel »Lammkeule«. Wolfgang Schweiger

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