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»Kind des Roßfelds« 36 Jahre in der Kommunal- und Landkreis-Politik

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Der langjährige Bürgermeister des Marktes Berchtesgaden und ehemalige stellvertretende Landrat, Rudi Schaupp, blickt auf eine erfolgreiche Laufbahn zurück. (Foto: Christian Wechslinger)

Berchtesgaden – Rudi Schaupp aus der Oberau hat 36 Jahre lang politische Ämter besetzt. Nun verabschiedete er sich endgültig von der großen Bühne der Kommunal- und Landkreispolitik. Bei einem Gespräch mit dem »Berchtesgadener Anzeiger« blickt er auf seine facettenreiche Laufbahn – politisch, sportlich und persönlich – zurück.


In jungen Jahren galt Rudi Schaupp als große Skihoffnung. Schließlich war er ein »Kind des Roßfelds«, wo sein Vater bereits im Geburtsjahr von Rudi Schaupp 1948 den ersten Skilift betrieben hat und die Skifahrer aus nah und fern ihrer flotten Sportart frönten. So lag es nahe, dass der junge Rudi nicht nur seine Studien betrieb, sondern dual auch im Skisport bis in die Nationalmannschaft aufstieg.

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Ein Beinbruch beendete allerdings die hoffnungsvolle Sportlerkarriere und so setzte Schaupp seine Lebensmaxime zunächst in der Industrie und später als Berufspolitiker fort. 18 Jahre lang leitete Schaupp als Erster Bürgermeister die Geschicke des Marktes Berchtesgaden. Ferner war er von 1992 bis 2020 stellvertretender Landrat und bekleidete mehrere weitere Ämter.

Alles begann an der Grundschule Oberau

Nach den Grundschuljahren in der Oberau wechselte Rudi Schaupp in die Realschule nach Salzburg und begann 16-jährig an der Höheren Technischen Lehranstalt in Salzburg ein Maschinenbaustudium, das er 1969 als Diplom-Ingenieur (FH) abschloss.

Nach seinem Dienst beim Bundesgrenzschutz in Ströbing/Bad Endorf war Schaupp zunächst von 1971 von 1973 in der Entwicklung für Krananlagen in München tätig, ehe er 1973 Projektingenieur für die Entwicklung von Thermo-Formmaschinen in Freilassing wurde.

Bis 1990 arbeitete Rudi Schaupp in Freilassing in leitender Funktion. Bereits in dieser Zeit wählten die Bürger den damals 36-jährigen, aufstrebenden jungen Mann 1984 in den Gemeinderat des Marktes Berchtesgaden. »Ich habe in den sechs Jahren als Gemeinderat entscheidende Einblicke in die Kommunalpolitik bekommen, die mir später als Erster Bürgermeister von Berchtesgaden sehr geholfen haben«, so Schaupp im Gespräch mit dem »Berchtesgadener Anzeiger«.

Als Fraktionssprecher der »Parteilosen Gruppe Berchtesgaden« lag es bei den Neuwahlen 1990 nahe, dass Schaupp den damaligen Bürgermeister Anton Plenk beerben würde. Plenk hatte sich seinerzeit nach dem plötzlichen Ableben von Martin Beer 1980 gegen Heinz Babel durchgesetzt und die Bürgermeistergeschäfte über zehn Jahre lang geführt. Mit der Wahl zum Berchtesgadener Gemeindeoberhaupt wurde Schaupp auch in den Kreistag des Berchtesgadener Landes gewählt, was für Berchtesgaden natürlich wichtig war. Die Liste von weiteren Aufgaben im Naturschutz, dem Deutschen Städtetag, im Tourismus, der Wirtschaft, dem Verkehr, als Schatzmeister des Bayerischen Städtetages, als Mitglied im Bayerischen Sparkassenverband, als Kreisvorsitzender im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge und als großer Förderer des Sports ist lang und war stets mit viel Arbeit verbunden.

Mit berechtigtem Stolz verweist Rudi Schaupp auf Errungenschaften Berchtesgadens in seiner Amtszeit als Bürgermeister. So nahm er 1992 aus den Händen von Umweltminister Peter Gauweiler die Bayerische Umweltmedaille entgegen. Dies ist die höchste Auszeichnung des Freistaates Bayern für Verdienste im Umweltschutz.

Auszeichnung für Projekt »Autofreier Kurort«

Diese Auszeichnung erfolgte aufgrund des Pilotprojektes »Autofreie Kur- und Fremdenverkehrsorte«. Bereits vor knapp 30 Jahren wurden im Marktbereich Elektrobusse eingeführt. »Leider ist einer der beiden Busse genau vor dem ehemaligen Gymnasium in der Salzburger Straße in Flammen aufgegangen«, erinnert sich Schaupp. Als Berchtesgadens Prädikat »Heilklimatischer Kurort« in Gefahr geraten ist, fand man ebenfalls Lösungen, die zum Erhalt führten. In seinem Rückblick an die 18-jährige Tätigkeit als Erster Bürgermeister der Marktgemeinde Berchtesgaden erinnert Schaupp an mehrere Höhepunkte. Zum Beispiel an den Neubau des Feuerwehrhauses, die Vergrößerung der Fußgängerzone, den Neubau der Watzmann Therme, die Errichtung der Dokumentation Obersalzberg, das Hotel »Intercontinental«, heute »Kempinski Hotel Berchtesgaden«, und an den Neubau des Gymnasiums Berchtesgaden. Ferner unterstützte Schaupp die Idee des Schülerforschungszentrums im alten Gymnasium maßgeblich. Auch um die Erhaltung der Kreisklinik Berchtesgaden kämpfte er.

Im Jahr 1992 wurde Schaupp zum stellvertretenden Landrat gewählt. Dieses Amt führte er bis zum politischen Ruhestand Ende April aus. Aufgrund seiner vorbildlichen Zusammenarbeit mit dem ebenfalls scheidenden Landrat Georg Grabner erhält Schaupp demnächst von der Bayerischen Staatsregierung eine hohe Auszeichnung.

Skifahren mit künstlichem Kniegelenk

Vor drei Jahren schloss sich Rudi Schaupps Reigen zum Skisport. Denn 1967 beim ersten Weltcuprennen der Skigeschichte am Jenner war er als junger Rennläufer am Start. 50 Jahre später meisterte er zusammen mit Wilfried Däuber trotz kaputtem Knie den Jenner bei schwierigen Verhältnissen und informierte den Fernsehsender »Servus TV« über den Startschuss des alpinen Weltcups.

Im letzten Jahr wurde ihm in der Kreisklinik Berchtesgaden ein künstliches Kniegelenk implantiert: »Die OP ist sehr gut verlaufen. Ich fahre bei guten Verhältnissen wieder Ski«, so Schaupp, der mit seiner Familie und mehreren Angestellten das Familien-Skiparadies am Roßfeld leitet.

Christian Wechslinger