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Kinder im Internet – Zappen, Surfen, Spielen

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Der richtige Umgang muss erlernt werden: Medienpädagoge klärt Eltern und Lehrer über Risiken und Möglichkeiten im Netz auf. Auf dem Bild zu sehen sind (v.l.): Schulsozialarbeiterin Jennifer Busch, Rektorin Annette Ritter, Medienpädagoge Oliver Arnold, Schulsozialarbeiterin Martina Wimmer und Rektor Hans Metzenleitner. (Foto: privat)

Bischofswiesen – Was macht mein Kind im Netz? Wie surft mein Kind sicher? Wie vermeide ich Datenmissbrauch? Tauschbörsen oder Streaming – wann macht sich mein Kind strafbar? Antworten auf diese Fragen gab der Medienpädagoge Oliver Arnold den Eltern und Lehrkräften der Mittelschulen Berchtesgaden und Bischofswiesen auf dem Elternabend.


Immer mehr Kinder und Jugendliche surfen in ihrer Freizeit viele Stunden durch virtuelle Welten. Das stellt Eltern, Lehrer und Erzieher oft vor die pädagogische Herausforderung, verantwortungsbewusst zu handeln. »Es gibt keine Patentrezepte«, sagt der Fachmann von der Stiftung Medienpädagogik Bayern, Oliver Arnold. »Aber es gibt mittlerweile genügend Hilfen für einen vernünftigen Umgang mit Computer, Tablets und Smartphones.«

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Auf Einladung der beiden Schulsozialarbeiterinnen, Martina Wimmer und Jennifer Busch, referierte Arnold über Chancen und Gefahren im Umgang mit digitalen Medien. Lag bis vor wenigen Jahren der Schwerpunkt noch auf dem Surfen mit dem Laptop, so verlagert sich dieser mehr und mehr auf das Smartphone. Die Kinder würden in die virtuelle Anonymität flüchten. Eine Kontrolle sei nur schwer möglich. Arnold bezeichnet die Kinder und Jugendlichen als »Generation Selfie«, denn sie seien stark auf Bilder und sich selbst fixiert. Über das Handy haben sie einen uneingeschränkten Zugriff, ohne die Möglichkeit, über Unverstandenes, Unzumutbares oder Gefährliches mit vertrauten Personen reden zu können.

Kinder verbringen viel Zeit online

Studien zufolge würden 12- bis 13-Jährige durchschnittlich 165 Minuten pro Tag im Internet verbringen, 14- bis 15- Jährige 212 Minuten, also dreieinhalb Stunden, Tendenz steigend. Neben dem Surfen sind es vor allem actionhaltige Spiele, Soziale Netzwerke und Streamingdienste, die die Freizeit der Kinder und Jugendlichen bestimmen.

Der Medienfachmann wies aber auch darauf hin, die heutige Medienwelt nicht einfach zu verteufeln. Es gehe vielmehr darum, den Kindern einen zeitlich angemessenen und verantwortungsbewussten Umgang mit Smartphones und digitalen Medien zu vermitteln. Dies lasse sich aber nur durch die Vorbildwirkung der Eltern erreichen. Wer als Erwachsener selbst am Essenstisch ständig auf das Piepsen seines Handys reagieren würde, weil er es als dringend notwendig ansehe, der brauche sich nicht wundern, wenn die Kinder es ihnen gleichtun würden.

Arnold betonte mehrfach die Bedeutung angemessenen Erzieherverhaltens. Neben der positiven Vorbildwirkung der Eltern sei es ebenso wichtig, dass Eltern mit ihren Kindern im Gespräch bleiben und gemeinsam Regeln im Umgang mit den Medien vereinbaren. »Regeln, die den Kindern von oben aufgedrückt werden, reizen zur Übertretung«, so der Medienexperte. »Stellen sie dagegen Vereinbarungen selbst mit auf, wächst die Mitverantwortung.«

Eine Frage des Vertrauens

Oftmals werde er auch gefragt, ab wann Kinder ein Handy bekommen sollten. Aus seiner Sicht gebe es hier keine allgemeingültige Regel, da der richtige Zeitpunkt sehr stark vom jeweiligen Entwicklungs- und Reifestand des Kindes abhängen würde. »Schauen Sie Ihrem Kind tief in die Augen und entscheiden Sie dann, was Sie ihm zutrauen und wie sie ihm vertrauen.«

Trotz guter Kommunikation mit dem Kind sollten aber bestimmte technische Sicherungsmaßnahmen ergriffen werden. Denn mit wenigen Klicks könne der Zehnjährige auf Pornografieseiten, gewaltverherrlichenden oder extremistischen Webseiten gelangen. Und da die Neugierde grundsätzlich stärker ist, als die gut gemeinten elterlichen Vorgaben, rate Arnold zu technischen Schutzvorkehrungen, wie Jugendschutzfilter. Es handle sich dabei um Teilsperrungen im Internet, die sowohl eine zeitliche als auch eine inhaltliche Kontrolle ermöglichen.

Kinderkonten einrichten

Anleitungen dazu gebe es auf verschiedenen Homepages wie www.klicksafe.de oder www.internet-abc.de. Auch über den Router lasse sich recht einfach ein Kinderkonto mit entsprechender Schutzfunktion einrichten.

Illegale Downloads können viel Geld kosten

Eindringlich warnte der Medienpädagoge auch vor illegalen Downloads: »Informieren Sie Ihre Kinder rechtzeitig, ehe Sie von spezialisierten Anwaltskanzleien mit horrenden Geldstrafenandrohungen konfrontiert werden«. Auch sollten die Kinder frühzeitig dazu angehalten werden, möglichst wenige Daten, Bilder und Kommentare in den Chats oder auf verschiedenen sozialen Plattformen zu hinterlassen. Abschließend erinnerte Arnold die Eltern nochmals an deren erzieherische Verantwortung: »Medienkompetenz anzubahnen ist Familiensache«. Zu bestimmten Zeiten auch als Erwachsener auf Medien zu verzichten, gemeinsame Regeln aufzustellen, eine kritische Betrachtungsweise zu fördern, über digitale Themen zu reden und auch Grenzen zu setzen, das seien gute Voraussetzungen für einen konstruktiven Gebrauch moderner Medien im digitalen Zeitalter. fb