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Kinder retten das Märchenland

Yoyo (Cornelius Buschbeck), Schneewittchen (Anna Stijohann) und Doc Croc (Marion Müller) haben allerhand Abenteuer zu bestehen, um die böse Königin zu überlisten. (Foto: fal)

Rapunzel hat sich die Haare abgeschnitten. Der gestiefelte Kater quakt wie der Froschkönig. Und Schneewittchens Stiefmutter weiß nicht, ob sie der Großmutter Wein und Kuchen bringen oder Hänsel aufessen soll. Da ist im Märchenland offenbar einiges schief gelaufen. Aber keine Sorge, Doc Croc und Yoyo haben das mit Hilfe der Kinder im Traunreuter k1 wieder gerade gerückt.


550 große und vorwiegend kleine Gäste ließen sich vom Ensemble der Cocomico Theaterprojekte Köln ins Zauberland SimsalaGrimm entführen. Dabei hatten Doc Croc und Yoyo leichtes Spiel: Immerhin kannte die Mehrheit der Musical-Besucher den Wissenschaftler, Philosophen und Virtuosen genauso wie den größten Abenteurer seit – naja – schon immer aus dem Fernsehen. Das gab natürlich einen Sympathievorschuss. Der war aber auch gerechtfertigt – Cornelius Buschbeck als Yoyo und Marion Müller als Doc Croc gaben den Kindern von Anfang an das Gefühl, dass ohne sie ein Ausweg aus dem Märchenchaos nicht zu finden sei. Entsprechend groß – und laut – war natürlich das Engagement der Zuschauer.

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Das wäre aber auch ein trauriger 200. Geburtstag der Grimmschen Kinder- und Hausmärchen geworden, wenn das nicht gelungen wäre. Ein quakender Kater, ein Prinz, der sein Schneewittchen nicht mehr findet, eine Rapunzel, die einen Friseursalon eröffnet. Nicht auszudenken. Selbstverständlich mussten der Bücherwurm und Besserwisser Doc Croc und der verspielte Frechdachs Yoyo einschreiten.

Die Welt war nicht von allein aus den Fugen geraten. Die böse Königin hatte das Märchenland mit Hilfe ihres Spiegleins in der Hand verflucht, weil Schneewittchen und ihr Prinz sie aus Simsala verbannen wollten. Dämonisch dreinblickend und mit aller Bosheit in Stimme und Geste gelang es Christiane Reichert, die Antipathien auf sich zu versammeln, ohne dass die Kinder im Saal wirklich Angst vor Schneewittchens Stiefmutter hatten. Die waren ja die Helfer der Helden und auf der richtigen Seite.

Jedenfalls hatte die böse Königin das Land Simsala verflucht. Aber Doc Croc und Yoyo belauschten sie und ihren Spiegel dabei – und der Zauberspiegel verriet ihnen unbewusst, wie der Fluch rückgängig zu machen sei: »Wird Simsala, das Märchenland, verflucht durch Zauberkraft, so sind es Kindermund und Kinderhand, mit denen man seine Rettung schafft.« Der Bücherwurm und der größte Abenteurer seit schon immer machten sich gemeinsam mit dem mutigen gestiefelten Kater (Chris Schulz) auf den Weg, um die Königin zu besiegen.

Das war auch dringend nötig – der Fluch zeigte schon Wirkung: Rapunzel (Anna Stijohann) mit der Kurzhaarfrisur wurde ersatzweise vom Prinzen (Chris Schulz) angeschmachtet, weil der sein Schneewittchen – ebenfalls Anna Stijohann – nicht mehr fand, das inzwischen als Herold im Märchenland unterwegs war und nur noch in Reimen sprechen konnte. Hinter den sieben Bergen zogen die sieben Zwerge als Räuberbande durch die Lande und raubten das tapfere Schneiderlein aus. Und wie dumm, dass niemand wusste, wie das Rumpelstilzchen (Christiane Reichert) heißt. Noch nicht mal Rumpelstilzchen selbst. Die Märchenwelt bröckelt. Chaos. Aber ein vergnügliches, dafür haben die Regisseurin Suzan Erentok und Komponist Andy Muhlack schon gesorgt. Darum wurde mit Inbrunst gesungen – auf der Bühne und auch davor. Flott, eingängig und mit meist leicht verständlichen Worten kamen die Lieder daher. Was die Königin meinte, als sie sich als »nonchalant« bezeichnete, dürfte zwar den meisten Kindern unverständlich geblieben sein, aber der Kontext war klar: Sie ist ein Biest.

Ein unkluges Biest. Weil ihr entgangen war, dass sie als Simsalanerin ebenfalls vom Fluch betroffen sein würde. Die Mächtigste im Zauberland wollte sie sein. Stattdessen hüpfte sie fröhlich quäkend, ein rotes Tuch um den Kopf geschlungen, durch den Wald. Wenn sie nicht gerade Hänsel mästete. Schizoid, die Gute. Da kamen ihr die vereinten Helden mit Hilfe der Kinder schnell auf die Schliche. Mit vereinten Kräften wurde der Zauber aufgehoben, die Königin entmachtet, der Kater miaute wieder und der Prinz bekam sein Schneewittchen zurück. Ende gut, alles gut? Bedingt. »Nächstes Mal mache ich es besser.« Die böse Königin hat noch nicht aufgegeben. fal