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Kinder stellten die Weihnachtsgeschichte dar

Waging am See. Ein gar nicht mehr geheimer Geheimtipp ist die Stadelweihnacht in Otting. Das Ambiente um den Pfarrhof und den Pfarrstadel ist idealer Schauplatz für einen kleinen, aber feinen Adventsmarkt. Das i-Tüpfelchen ist die Aufführung eines Krippenspiels »Ein Licht über Bethlehem« im Pfarrstadel samt Schafen und Esel.

Der Herold verkündet den Bürgern von Nazareth, dass sie sich wegen einer Volkszählung alle in ihre Herkunftsorte begeben müssen. (Foto: H. Eder)

Um die 30 teilweise noch ganz kleine Kinder hatten viele Proben im mitunter eiskalten Stadel auf sich genommen, organisiert und angeleitet von den Verantwortlichen des Ottinger Theatervereins. »Die Generalprobe war bei minus zehn Grad«, schilderte Theaterleiter Sepp Thaler. Die Mühen haben sich gelohnt: Herausgekommen ist ein ansprechendes Stück vor einer mediterranen Kulisse, mit vielen eifrig agierenden Kindern und einem Text, der weniger weihnachtliche Romantik als vielmehr die Not des heiligen Paars und die sozialen Ungerechtigkeiten der Zeit zum Inhalt hat.

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Gleichwohl aber fehlt es nicht an dem gewohnten Ambiente. Die Schaferl in ihrem kleinen Pferch am Rande des Stadels schauen etwas verwirrt, zucken ein bisschen zusammen, wenn geklatscht wird. Von Kindern dargestellte Sterne »leuchten« am »Himmel« und tauschen so ihre Eindrücke untereinander aus. Ein geduldiger Esel ist ein wichtiger Mitspieler beim Geschehen, auch wenn er nicht jedes Mal dabei sein konnte. Und natürlich trägt auch die passende Musik zum adventlichen Rahmen bei, vorgetragen von einem Damen-Trio mit Hackbrett, Gitarre und Harfe.

Vier kleine, in weiß gekleidete Engerl läuten das Spiel ein und sorgen dazwischen auch für die zeitliche Gliederung in die adventlichen vier Abschnitte. Den Anfang macht Mariä Verkündigung, als Maria vom Engel erfährt, dass sie einen Sohn zur Welt bringen soll, noch dazu den Sohn Gottes. Ihre naheliegende Sorge: Was wird wohl ihr Mann Josef dazu sagen? Der aber ist ein braver Mann und tut auch alles, um es seiner Frau so leicht wie möglich zu machen, als sie wegen der Volkszählung den 150 Kilometer langen Weg von Nazareth nach Bethlehem antreten müssen. Er besorgt einen Esel, damit die hochschwangere Maria es ein bisschen leichter hat.

Derweil schimpfen die Bürger von Nazareth ganz ordentlich, dass sie sich – wohl nur wieder wegen höherer Steuern – zur Volkszählung aufmachen müssen, und das bei der Kälte! Den Gastronomen in Bethlehem kommt dies dagegen sehr recht. Ihre Geschäfte blühen, die Herbergen sind voll. Von daher haben sie nur Hohn und Spott übrig für die spätabends ankommenden Wanderer aus Galiläa, die sich noch dazu einbilden, ein Quartier zu bekommen, obwohl sie kein bisschen Geld dabei haben. »Wir sind ein Hotel, kein Armenhaus«, müssen diese sich da anhören. Nur die Kinder haben Mitleid mit den Wanderern: »Die müssen ja schon Blasen an den Füßen haben.«

Gottergeben stellt Josef resignierend fest: »Geld regiert eben die Welt.« Zum Glück aber gibt es doch einen verständnisvollen Menschen, der ihnen den Weg zu einem Stall weist, wo sie wenigstens ein Dach über dem Kopf haben. Derweil haben die Hirten vom Engel erfahren, dass sich da ganz in der Nähe in dem alten Stall Großes abspielt. Sie brechen auf und bringen dem inzwischen geborenen Kind das wenige dar, das sie selber besitzen. Und sie verstehen, was Gott mit diesem Geschehen in so armseliger Umgebung begreiflich machen möchte: »Gott ist für alle da, für reich oder arm. Deshalb ist das Kind im Stall zur Welt gekommen, nicht in einem Palast.«

Das verwirrt natürlich auch die drei Weisen aus dem Morgenland, die auch eher einen Palast am Ziel ihrer mehrjährigen Reise, dem Stern folgend, erwartet hätten. Aber auch sie stellen sich darauf ein und überbringen ihre wertvollen Geschenke. Und am Schluss bekommen die Besucher noch die Botschaft mit: »Wenn nicht in uns selbst eine Kerze brennt, bleibt es dunkel, auch im Advent.«

Für dieses nette Stück gab's am Schluss viel Applaus. Theaterleiter Thaler nutzte die Gelegenheit, sich bei allen zu bedanken, die zum Gelingen des Theaters beigetragen haben. Der Erlös von Theater und Adventsmarkt kommt der Kinderkrebshilfe Traunstein-Berchtesgadener Land zugute. he