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Kümmert sich um die Belange der Schüler an der Mittelschule Unterwössen: Sozialpäda-gogin Katharina Königbauer. (Foto: Flug)

Kinder und Jugendliche fördern und unterstützen: Sozialpädagogin Katharina Königbauer kümmert sich um Schüler der Mittelschule

Unterwössen – Sozialpädagogin Katharina Königbauer ist Ansprechpartnerin für Lehrer, Schüler und Eltern an der Grund- und Mittelschule Unterwössen. Die Schule hat rund 200 Schüler. Königbauer unterstützt in Einzelfällen, plant Projektarbeiten und leistet die Netzwerkarbeit zwischen Schule und Behörden wie den Jugendhilfeinstitutionen. Die gebürtige Niederbayerin ist Angestellte der Diakonie Rosenheim. Mit ihr arbeitet erstmals eine fest angestellte Sozialarbeiterin an der Schule. Den Dienst nahm sie zum Schuljahr 2019/2020 auf. Das Traunsteiner Tagblatt sprach mit Katharina Königbauer über ihre Arbeit.


Wo sehen Sie Ihre Aufgaben, Frau Königbauer?

Als Jugendsozialarbeiterin an einer Schule richtet sich mein Augenmerk auf Kinder und Jugendliche. Ich helfe Schülern bei Konflikten in der Familie, im Freundeskreis, bei persönlichen Problemen und bei Schwierigkeiten in der Schule.

Ich gebe Eltern Unterstützung in Erziehungsfragen, helfe mit Kontakten in außerschulische Einrichtungen und Beratungsstellen und vermittle zwischen Elternhaus und Schule. Lehrer unterstütze ich in sozialer Gruppenarbeit, in Einzelfällen und bei der Vernetzung und Kooperation mit anderen Institutionen. Die Inhalte der Gespräche werden vertraulich behandelt und die Beratung ist kostenlos.

Wie gefällt Ihnen die Arbeit an der Schule mit wie vielen Schülern? Was macht den Reiz an der Unterwössner Schule aus? Wo sehen Sie die spannendsten Aufgaben?

Ich liebe meine Arbeit und könnte mir derzeit keinen schöneren Arbeitsplatz vorstellen. In der Schulfamilie, bestehend aus Schülern, Lehrern und Eltern, bei meinem Arbeitgeber, der Diakonie Rosenheim, und in meinem Team fühle ich mich sehr wohl. Wir unterstützen uns in produktivem Austausch.

Mein Hauptarbeitsbereich umfasst die etwa hundert Schüler der Mittelschule. Ungefähr 25 Schüler nehmen regelmäßige Beratungen in Anspruch. Um die Grundschulkinder einzubeziehen, stellten wir einen Antrag auf Erhöhung meiner Arbeitsstunden. Er wird hoffentlich bald genehmigt.

Mein Hauptarbeitsbereich ist die Einzelfallarbeit. Besonders reizvoll ist, dass jeder Fall ganz individuell ist. Neben sozialen Konflikten sind vorwiegend psychische Belastungen das Hauptthema.

An der Volksschule in Unterwössen ist die Integration und Begleitung der Kinder und Jugendlichen der Inobhutnahmestelle Litzelau in Oberwössen und des Forsthauses in Reit im Winkl anspruchsvoll. Beide Einrichtungen nehmen übergangsweise Kinder und Jugendliche auf, die in ihrem bisherigen Umfeld gefährdet sind. Zur Sicherheit kommen sie wenige Monate in diesen Einrichtungen unter, bis sich eine andere Lösung findet.

Wir versuchen, diesen Schülern eine geborgene Schulatmosphäre zu bieten. Wir stärken unsere Schüler in ihren sozialen Kompetenzen und versuchen, ihren Bedürfnissen gerecht zu werden.

Ein weiterer fordernder Arbeitsbereich ist die Integration neuer Schüler mit Fluchthintergrund. Diese Schüler kommen in der Regel ohne sprachliche Vorkenntnisse, teils sogar ohne Beschulung und Alphabetisierung.

Unser bayerisches Schulsystem bietet für diese Herausforderung leider geringe Unterstützungskapazitäten. In den letzten zwei Jahren gingen mit der Corona-Pandemie Veränderungen in Arbeitsbedingungen und -inhalten einher.

Sie waren vorher an einer größeren Schule, was macht den Unterschied, mehr Freizeit, weil weniger Klienten?

Von mehr Freizeit kann sicher nicht gesprochen werden. Meine Arbeit richtet sich nach meinen Arbeitsstunden. Sie ist in vollem Umfang sinnvoll angewandt und richtet sich vornehmlich an die Schülerinnen und Schüler. Ein schöner Aspekt an einer kleinen Schule ist, dass ich meinen Klienten, Fällen und Projekten mit der nötigen Aufmerksamkeit und Vorbereitung begegnen kann. Das ermöglicht, den Schülern in ihren Anliegen besser gerecht zu werden.

Aktuell steht die Arbeit überall unter dem Druck von Corona. Was macht das mit ihrer Klientel, was mit ihrem Aufgabengebiet?

Corona hat das Schulleben geprägt. Arbeitsabläufe haben sich verändert, Bedürfnisse der Schüler zugenommen. Es zeigt sich eine steigende Tendenz zu Rückzugsverhalten, Schulangst, Schulverweigerung. Aber auch die belastenden Verhältnisse, die in Familien entstehen, und ein erhöhter Druck und Aufgabenzuwachs bei den Lehrern, wirkt sich auf das psychische und physische Wohl der Schüler aus. Da gilt für mich ein besonderer Anspruch, jeden Schüler zu sehen, für jeden ein offenes Ohr zu haben, Hilfen anzubieten, zu stützen und zu begleiten.

Wo liegen abseits von Corona die Herausforderungen ihrer Arbeit, verändert sich da etwas, gibt es besondere Entwicklungen im Positiven wie im Negativen?

Der Lauf der Dinge geht seinen Weg. Generationen verändern ihre Lebensweisen, Tugenden und Weltanschauungen. Daraus resultiert die ständige Herausforderung, mit diesem Wandel Schritt zu halten.

Es gilt dabei etwa, Neuerungen, wie zum Beispiel die im Bereich der Digitalisierung, nicht zu verteufeln, sondern ihre positiven Aspekte zu verstärken und zu fördern. Ich kläre über Gefahren und schädliche Einflüsse auf und helfe, sie zu hemmen. Es gibt keinen besseren Ort dafür als die Schule. Schüler sind gerade in diesen Bereichen äußerst offen, interessiert und meist verständig.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft in ihrer Arbeit?

So kann's weitergehen!

Ich habe einmal gelernt, ein Sozialarbeiter erspart neben anderen Erfolgen seiner Arbeit zwei Heimerziehungsplätze im Jahr. Kann man das heute noch so sagen?

Wissenschaftlich fundiert ist, dass Präventionsarbeit deutlich sinnvoller ist, als im Nachhinein mit drastischen und teuren Maßnahmen zu versuchen, den Kindern zu helfen.

Ludwig Flug