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»Kinder werden ihr meistens einfach vor die Tür gestellt«

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Andrea Mühlthaler (rechts) wird von den Kindern der Aankura-Schule begrüßt. Der Verein »Namaste – Hilfe für Nepal« hat dort ein Schulhaus gebaut. Mit im Bild ist Andreas Mutter Gabi Mühlthaler. Auch sie engagiert sich in Nepal.

Siegsdorf – Die Menschen in Nepal liegen Andrea Mühlthaler (36) am Herzen. Die Siegsdorferin opfert dafür fast ihre gesamte Freizeit. Doch die Heilerziehungspflegerin empfindet die Arbeit nicht als Opfer. Sie hilft gerne und aus voller Überzeugung.


Mit ihrem Verein »Namaste – Hilfe für Nepal« unterstützt sie drei Schulen, ein Frauenhaus und eine Krankenstation in dem schwer zugänglichen Bergdorf Tatopani. Nun möchten Andrea Mühlthaler und ihre Mitstreiter auch einem Waisenhaus in Kathmandu helfen.

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Das Waisenhaus »Buddhas helping hands« in der Hauptstadt Nepals wird von der Nonne Ani Nima geführt. Sie nahm vor 16 Jahren ein Mädchen auf, mittlerweile hat sie 26 Kinder zu betreuen. »Die werden ihr meistens einfach vor die Tür gestellt. Es hat sich herumgesprochen, dass es bei ihr ein sicheres Zuhause gibt«, sagt Andrea Mühlthaler.

Das sei in Nepal in einem Waisenhaus nicht immer garantiert. Die 36-Jährige berichtet von Menschenhändlern, die in Bergdörfer fahren und Eltern oder Verwandte davon überzeugen, ihnen die Kinder anzuvertrauen. Sie versprechen ihnen Bildung und eine medizinische Versorgung, die sie sich selbst oft nicht leisten können. »Mit einer Unterschrift geht die Fürsorgepflicht an diese Leute über. Sie bringen die Kinder dann in ein Waisenhaus, das wiederum von Hilfsorganisationen aus dem Ausland unterstützt wird.« Dabei komme es immer wieder vor, dass Kinder einfach verschwinden würden, sagt Andrea Mühlthaler. »Die verschwundenen Kinder landen im Puff oder werden für Organspenden genommen. Das ist ein perfides Geschäft.«

Strukturen sind oft undurchsichtig

Deshalb hat sie sich auch lange überlegt, ob ihr Verein überhaupt ein Waisenhaus unterstützen soll. Denn die Strukturen sind oft undurchsichtig. Doch der buddhistischen Nonne Ani Nima vertraut die Siegsdorferin. Sie hat sie bei ihrer letzten Reise Ende März/Anfang April auch besucht. Trotzdem wird ein Schritt nun sein, einiges zu prüfen und Profile von den Kindern anzulegen. »Vor allem wollen wir schauen, welche Kinder wirklich Waisenkinder sind und wie es mit der Bedürftigkeit der Familien aussieht. Wir haben da eine große Verantwortung unseren Spendern gegenüber. Ich kann ja niemandem mit gutem Gewissen sagen, der – sagen wir – zwei Jahre das Schulgeld für ein Waisenkind übernommen hat, 'jetzt sind die Eltern wieder da'. Das geht überhaupt nicht.«

Das wird eine der Aufgaben von Maria Staff sein. Die Heilerziehungspflegerin von der Stiftung Attl ist am Sonntag für neun Monate nach Nepal aufgebrochen. Sie wird in dem Waisenhaus in Kathmandu arbeiten und die Familien der 26 Kinder besuchen, um ihre Lebensumstände zu erfahren. Für Andrea Mühlthaler ist es wichtig, dass die Helfer nicht nur für einen Monat bleiben. »Die Kinder haben oft traumatische Erlebnisse hinter sich. Sie brauchen Bezugspersonen. Wenn es einen ständigen Wechsel gibt, dann schadet das den Kindern mehr, als es ihnen hilft«, betont die Heilerziehungspflegerin. »Sie sind extrem anhänglich. Immer wieder erfahren zu müssen, dass sie verlassen werden, ist schrecklich für sie.«

Schlimm ist auch noch immer die Lage vieler Menschen – vor allem in abgelegenen Bergdörfern. Ein schweres Erdbeben zerstörte 2015 Tausende von Häusern und Straßen. Viele Nepali leben bis heute in Wellblechhütten und Zelten, weil sie kein Geld für den Wiederaufbau haben. Vor allem im ländlichen Nepal haben die Kinder oft einen langen Weg zur Schule.

Bildung kostet Geld in Nepal

Ein weiteres Problem ist, dass Bildung in dem Land Geld kostet – von der Grundschule an bis zum Studium. Deshalb sucht Andrea Mühlthaler für die Kinder des Waisenhauses Schulpaten. Außerdem benötigt der Verein Spenden für Schulgeld und Schulmaterial wie Stifte, Hefte und Bücher.

Im November wird Andrea Mühlthaler auf eigene Kosten nach Nepal fliegen, um die Shree-Bhumiraj-Schule zu eröffnen. Nach dem Erdbeben war von den ursprünglich drei Gebäuden nicht mehr viel übrig. Mit Hilfe des Vereins wurde die Schule wieder aufgebaut – ein schwieriges Projekt, weil das Bergdorf nur in einem stundenlangen Fußmarsch zu erreichen ist. Viele Baumateralien mussten mit Lastenträgern nach Bokchen an die Grenze zu Tibet gebracht werden. »Umso schöner ist es, dass wir das jetzt geschafft haben.«

Wer die Arbeit der Siegsdorferin unterstützen möchte, kann dem Förderverein »Namaste – Hilfe für Nepal e.V.« beitreten oder den Verein mit einer Spende unterstützen: Kreissparkasse Traunstein – Trostberg, IBAN: DE55 7105 2050 0040 4166 79, Stichwort »Namaste«. KR

 

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