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Kinga ist jetzt im Himmel

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Ein Filmstar blickt hinab auf seine Heimat: Der Geier Kinga ist kürzlich auf dem Obersalzberg an Altersschwäche gestorben. Foto: privat

Berchtesgaden – Sie hat mit den ganz Großen gedreht. Mit Sielmann, Rütting und Fierek. Kinga war berühmt, ein Filmstar mit einer langen und beeindruckenden Karriere. Ihr Leben war ein einziger Höhenflug. Dennoch ist die Geierdame hin und wieder auf dem Boden geblieben. Jetzt ist Kinga im Himmel. Sie starb kürzlich im Alter von etwa 70 Jahren in ihrer Heimat. Im Gehege von Falkner Wolfgang Czech auf dem Obersalzberg.


Wolfgang Czech kannte die noble Geierdame seit seiner Kindheit. »Sie dürfte in den Kriegsjahren geboren sein. Mein Vater kaufte den Vogel im Jahr 1950«, erinnert sich der Falkner. Wie zwei weitere Filmgeier stammte Kinga von der Adlerwarte Berlebeck bei Detmold. Aufgrund ihres hohen Alters hat sie Czech »Jopie Heesters der Geier« genannt. Denn mit ihren sieben Lebensjahrzehnten hat Kinga die durchschnittliche Lebenserwartung von Geiern um 20 Jahre übertroffen.

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Mit der Filmkarriere des fotogenen Vogels ging es 1956 steil bergauf. Kinga spielte in der »Geierwally« neben Hauptdarstellerin Barbara Rütting. Auch für Dokumentationsfilme wie »Dach der Alpen – Kampfzone des Lebens« von Tierfilmer Heinz Sielmann engagierte man den Geier aus dem Adlergehege vom Obersalzberg. Später war der Filmgeier auch bei »Tierarzt Dr. Engel« und im »Forsthaus Falkenau« im Einsatz.

Die Lieblingsspeise des knapp sieben Kilogramm schweren Aasfressers war im Gehege stets Schweinefleisch. Starallüren waren Kinga fremd. Eine Marotte hatte sie aber. Sie war eine Wadenbeißerin. Immer wieder hatten es ihr die nackten Waden von Besuchern angetan, in die sie schon einmal hineinzwickte, wenn jemand zu nahe kam.

Das musste auch ein Zöllner zu Zeiten der geschlossenen Grenze am Übergang Hangendenstein erkennen. Kinga war ausgerückt und hatte sich im Salzburger Zoo zu ihren Artgenossen gesellt. Doch weil sich der Geier dort nicht wohl fühlte, holten Vater und Sohn Czech den Greifvogel mit dem Auto wieder aus Hellbrunn ab. Man packte sie in den Kofferraum, den ein Grenzer inspizieren wollte. »Da sitzt ein Geier drin«, warnte Czech Senior noch den Zöllner. Doch der Beamte glaubte ihm nicht und musste wenig später nach einem Biss in seine Uniform seinen Irrtum feststellen.

Ein anderes Mal saßen Urlauber auf dem Landeplatz des Raubvogels und ignorierten Czechs Warnung. Ein böser Fehler: Kinga hackte einem von ihnen heftig in den Rücken. cw/cfs