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Kirchensonaten in feiner Auswahl und kluger Abfolge

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Die Sopranistin Sibylla Rubens mit dem ganzen Kammerensemble Alexander Janiczek. (Foto: Kaiser)

Im ehrwürdigen Sakralraum auf der Fraueninsel ereignete sich ein Ausnahmekonzert mit sensationellen Instrumentalisten und einer begnadeten Sängerin, das die Zuhörer in geradezu euphorische Stimmung versetzte. Kurz, rund und kräftig, in herbem g-Moll stellte Tomaso Albinoni den klassisch viersätzigen Typus »Sonata da Chiesa« vor, zart und doch bestimmt gefühlt von Alexander Janiczek (Violine), David Watkin (Violoncello) und Florian Birsak am Cembalo. Yuki Kasai gesellte sich als zweite Violinistin dazu, und es folgte die Kirchensonate A-Dur von Arcangelo Corelli, dem »Erfinder« dieser Musikgattung. Seine Sonate ist reicher und auch für die Continuospieler anspruchsvoller formuliert als die schlanke des »venezianischen Hobby-Geigers« Albinoni, fünfsätzig und mit feinen Tempiwechseln in einzelnen Sätzen. Die Musiker spielten in eng verzahntem, sich aneiferndem Zusammenwirken, das in seiner Intensität auch beim Zusehen große Freude vermittelte.


Dann wurde aus den Triomusikern ein Kammerorchester, bei dem alle Streicher (außer den Celli) und die Bläser (je zwei Barockoboen, Naturtrompeten, Naturhörner und ein Fagott) im Stehen spielten, was sehr natürlich wirkte. Zusammen mit der unerhörten Sopransolistin Sibylla Rubens und dem Kammerchor der KlangVerwaltung mit 16 noch recht jungen Mitgliedern sang sie das »Laudate Pueri«, eins der Großwerke von Giovanni Battista Pergolesi, gab den Laudate-Impuls überzeugend an den Chor weiter und pries mit ihm die Ehre des Herrn und seine Unvergleichlichkeit, dankte ihm für seine Taten an seinem Volk. In ihrer Körpersprache wirkte sie ganz frei und ungezwungen, ehrlich und ungekünstelt im Strömen ihres Gesangs. Ohne Ansatzprobleme stimmte sie das »Gloria Patri« an, ebenso souverän antwortete der Chor mit »Sicut erat«.

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Einen weiteren Schritt in der Musikentwicklung des 18. Jahrhunderts stellte Joseph Haydns Sakralsinfonie »Lamentatione« in d-Moll Nr. 26 vor. Geschrieben um 1768 für die Karwoche in Esterháza, verwendet sie im 1. Satz ein Thema aus einem alten Passionschoral, im 2. Satz die gregorianische Melodie »Incipit lamentatio«, der elegische Menuett-Satz schließt nach seinem Trioteil mit raffinierten Betonungen leise verklingend ab. Ein Prachtstück im »italienischen Stil« des jungen Haydn schloss sich an, das »Ave Regina coelorum« aus dem Jahr 1755 für Sopran, Chor und Orchester. Es gab Sibylla Rubens Anlass für herrlich ausgesungene Koloraturen, über deren Gelingen sie sich selber freute; Freude empfand auch der Chor über sein Mitwirken im »Gaude Virgo«.

Über Haydn gelangte man in die Epoche W. A. Mozarts. Zwischen 1772 und 1780 schrieb er 17 Kirchensonaten für Gottesdienste im Salzburger Dom; die Sonate C-Dur KV 329 ist die üppigste davon, mit »Pauken und Trompeten«, mit Oboen und Hörnern. Sie erklang unter »Alexander Janiczek and his Chamber Ensemble« festlich-forsch und schon beinahe unverschämt frech, wenn man an »ihren Ort« zwischen Lesung und Evangelium denkt... .

Der Höhepunkt stand, wie es sich gehört, am Ende des Abends, Mozarts (leider) allgegenwärtiges, allzuoft missbrauchtes »Exultate, jubilate« für Sopran und Orchester KV 165 aus dem Jahr 1779. Souverän und kraftvoll in sich ruhend lauschte Sibylla Rubens den Einleitungstakten, dann legte sie los, unangestrengt, unprätentiös, dafür mit einem grenzenlosen Einsatz ihres Könnens und ihrer Intelligenz, mit einem Freudengesang, wie man ihn wohl noch selten gehört hat; der Berichterstatter jedenfalls noch nie! Ganz verhalten begann sie das »Alleluja«, spürte allen Wendungen und Intervallen gründlich und sauber nach; den gefürchteten Spitzenton meisterte sie wie nebenbei – so lieferte sie mit ihren Musikpartnern ein Gesamtkunstwerk ab. Danke! Engelbert Kaiser