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Farbenreicher Volksmusik-Abend mit CD-Vorstellung der Stoaberg-Sängerinnen zugunsten der Kinderkrebshilfe in Unterstein

Kirta-Frohsinn und herbstliche Wehmut

Schönau am Königssee – Die prächtigen Farben des Herbstes, die Wehmut des ausklingenden Almsommers, die Liebe, die Landschaften der Heimat, die Fröhlichkeit der Kirchweih: Das und noch viel mehr spiegelte sich in den Liedern und Stücken der 37 Mitwirkenden eines ganz besonderen Benefiz-Volksmusikabends. Die Stoaberg-Sängerinnen hatten zur Vorstellung ihrer ersten CD in das Gasthaus »Unterstein« eingeladen. Die über begeisterten 400 Gäste unterstützten mit ihren Eintrittsgeldern und Spenden die Kinderkrebshilfe Berchtesgadener Land-Traunstein.

Die Stoaberg-Sängerinnen mit (v.l.) Eva Angerer, Christa Graßl und Ursula Eder beeindruckten mit ihren glasklaren, fein harmonierenden schwingenden Stimmen. (Fotos: Mergenthal)
Kinderkrebshilfe-Vorsitzende Rosmarie Baumgartner stellte die Arbeit ihres Vereins vor.

»Wenn ma Kinder 's Lacha wieder ins G'sicht bringt, is' 's Herz am rechten Fleck«, lobte Sprecher Siegi Götze aus Marquartstein das soziale Engagement der Sängerinnen. Er führte mit teils humorvollen, teils philosophischen Gedanken durch den Abend und stellte die sieben Gruppen vor.

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Die Stoaberg-Sängerinnen gründeten sich vor 17 Jahren aus einer Faschingslaune heraus. Annemarie Vogl, diesmal im Publikum, sang bis 2010 die dritte Stimme und »übergab« dann an Ursula Eder aus Piding. Christa Graßl singt die erste Stimme und Eva Angerer die Mittelstimme. Da der Dreigesang inzwischen einen Fundus von 30 Liedern aus eigener Feder hat, wurden elf davon zusammen mit Stücken von Musikantenfreunden, die nun auch live zu erleben waren, auf CD herausgebracht.

Viel Gefühl

Die drei Frauen beeindruckten mit glockenklaren, schwingenden Stimmen, fein intonierten Akkorden und viel Gefühl. Sie ließen, von verschiedenen Musikanten eingespielt und begleitet, die Stimmungen der Titel wie »Da Summa schickt an letzten Gruaß« oder »Des Dianei, was zum Tanzen geht« lebendig werden.

Das männliche Pendant, der auch schon 15 Jahre bestehende Haushamer Bergwachtg'sang, der 2005 in der zweiten Stimme klangschöne Verstärkung durch die jüngere Generation in Gestalt von Andreas Leidgschwendner erhalten hatte, zeichnete sich durch zauberhafte, ganz unterschiedliche Jodler, tiefe Harmonie und andächtigem Ausdruck aus. Bei ihren Liedern, wie »A Lüfterl, a kalts«, »Da Summa is umma« oder »Bei da Lindn«, begleitet von Maria Holzer (Zither) und Heiner Oberhorner (Gitarre), herrschte im Publikum andächtiges Schweigen.

Dieselbe Freude an der Sache war auch bei den Musikanten zu spüren. Bis aus dem Ennspongau war die »Tannkoppnmusi« angereist, eine Tanzlmusi mit Leib und Seele in reizvoller Besetzung mit einem kernigen Klang. Die drei Klarinettisten brillierten in Stückln wie »Klarinetten-Klamauk« oder »Verspielte Klarinetten«, getragen von Harmonika, Harfe, Kontrabass und Posaune. Fein und mit viel Schmelz gezupfte Kerschensteiner Zithern und eine Kontragitarre machen den typischen Klang der legendären, seit 1979 in der heutigen Besetzung bestehenden »Weinberg Zithermusi« aus Bad Aibling und dem Ebersberger Raum aus. Sie brachte unter anderem einen »Gruß aus Kirchseeon« oder den gemütlichen »Berblinger Landler« mit.

Die anderen Gruppen kamen aus Berchtesgaden und Umgebung. Die Antonibergmusi spielt nach 25 Jahren immer noch sehr gern zusammen – mit Paul Hallinger an der Gitarre und Stefan Hollrieder an der Zither. Ihrem langjährigen musikalischen Weggefährten von der »Königsseer Fleitl- und Gitarrenmusik«, dem 2012 verstorbenen Georg Eder, widmeten sie den »Königsseer Fleitllandler«, in dem auch Hackbrettspielerin Vroni Hallinger zur Flöte griff. Wundervoll war auch das ruhige Stück »Da Oberseer«, von virtuosen, klangvollen Gitarren (auch Christine Oeggl) und dem diesmal gestrichenen Bass von Angelika Neudecker geprägt. Die »VogelAnger Familienmusik« mit Eva Angerer am Hackbrett, ihrem Mann Adolf am Stehbass, Bariton und Bassflügelhorn und den Kindern an Ziach, Flügelhorn, Gitarre und Harfe machte mit facettenreichen Klangfarben durch die reizvolle Besetzung auf sich aufmerksam, wie beim verträumt-versonnenen »Karin-Boarischen«.

»Der Berg ruft«

Viel Schmiss, Gemüt sowie warme Flügelhorn- und Posaunenklänge zur rassigen rhythmischen Basis von Hackbrett, diatonischer Ziach, Gitarre und Bass steuerte die Klausbachmusi bei, zum Beispiel mit einem Bassflügelhorn-Walzer oder dem lautmalerischen, dramatischen Marsch »Der Berg ruft«. Zum Ausklang lud Götze alle Mitwirkenden und Zuhörer ein, miteinander den Alperer-Jodler zu singen. Die Klausbachmusi ließ es sich nicht nehmen, den Faden aufzugreifen und den Alperer im Stil des traditionellen Weisenblasens noch mal auf andere Weise vorzutragen. Veronika Mergenthal