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Klamme Finger für eine südpolare Musik

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Der Salzburger Bachchor in Vor-Pandemie-Zeiten. (Foto: Hechenberger)

Anstatt dreißig Auftritte nur fünf (und davon zwei im Stream): Das ist die bescheidene Aktivitäts-Bilanz des Salzburger Bachchores für 2020. Unter solchen Prämissen gewinnt das Thema des ersten Termins in der Konzertreihe »Chorage« leitmotivische Bedeutung: Mut und Aufbruch.

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Dieses erste Konzert heuer soll – so Gott, die Bundesregierung und die kleinen runden Viren es wollen – am 27. April in der Großen Aula in Salzburg stattfinden. Konzipieren und leiten wird es der australische Komponist und Chordirigent Gordon Hamilton, der aus diesem Anlass auch ein eigenes Werk zur Uraufführung bringen wird. Es heißt Antarktis und er habe es tatsächlich dort komponiert, auf einem Eisbrecher, erzählt er. Von seiner australischen Heimat aus ist es nicht so furchtbar weit dorthin, aber das macht die Sache nicht wärmer: »Ohne Handschuhe« habe er das Mikrofon gehalten, um die Geräusche von berstendem Eis und Vögeln aufzunehmen, die neben den Chorstimmen in dieses Stück einfließen. Man kann sich mit Neuer Musik also nicht nur die Finger verbrennen, sondern auch kalte Finger holen...

Mut und Aufbruch wird dieser erste von drei »Chorage«-Terminen heißen. Das sind Eigenveranstaltungen des Bachchors. Es ist dann noch ein Wandelkonzert im Museum der Moderne vorgesehen und (im Herbst) ein Konzert in der Kollegienkirche, für das Howard Arman ans Pult jenes Chors zurückkehrt, den er einst gegründet hat. Einen künstlerischen Leiter gibt es ja nach der unsanften Trennung von Alois Glaßner nicht. »Wir wollen mit unterschiedlichen Leuten zusammenarbeiten«, sagte Johannes Feigl, der Vorstand des Bachchors, in einem Online-Pressegespräch.

Könnte Gordon Hamilton gar neuer Leiter des Bachchors werden? Da gab's keine eindeutige Antwort. »Ich bin in Deutschland gefangen und kann nicht nach Australien zurück«, so der junge Chordirigent. Er sei in einer »komischen Situation«: »Ich wohne jetzt in Deutschland, obwohl ich nur wenige Monate aus meiner Heimat weg wollte.« Was für ihn die Zukunft bringe, sei ungewiss, er sei »für alles offen«.

Standbein des Bachchores Salzburg sind Einladungen anderer Veranstalter. »Chorischer Nahversorger westlich von Wien« sagt Vereinsvorstand Johannes Feigl nicht ohne Selbstbewusstsein. Bei den Osterfestspielen hätte man in Puccinis Turandot mitgewirkt, aber Opernproduktion gibt’s heuer ja keine. Immerhin aber das Mozart-Requiem unter Christian Thielemann. Bei den Pfingstfestspielen ist der Bachchor für Mozarts Titus engagiert, zur »Ouvertüre spirituelle« der Festspiele steuert man im Sommer Pax von Ciacinto Scelsi und Haydns Paukenmesse bei. Auch ein interessanter Termin: Beim Gustav Mahler Festival in St. Georgen am Attersee wird man Mahlers Zweite Symphonie in einer Fassung für zwei Klavier kennenlernen dürfen.

Corona-bedingt eine überlange Chorpause? »Wir haben geprobt«, erklärt der Geschäftsführer des Bachchores, Gregor Faistauer. Manche Termine im Vorjahr wurden ja so kurzfristig abgesagt, dass man schon dafür geprobt hat. Im übrigen habe man gezeigt, »wie es funktionieren kann«. Für eine Aufführung des Deutschen Requiems von Brahms (ein Beitrag zum Linzer Brucknerfest 2020) habe man eigens die Aula einer Schule angemietet, um bei siebzig Sängerinnen und Sängern die nötigen Abstände zu gewährleisten.

Reinhard Kriechbaum

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