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Klangvolle Vokal- und Orchestermusik aus dem Barock

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Countertenor Andras Pehl war einer der Solisten des Konzertabends in Bad Reichenhall. (Foto: Bauregger)

Im Rahmen der Konzertreihe »Philharmonische Weihnacht« präsentierte die Bad Reichenhaller Philharmonie, vornehmlich in Streicherbesetzung, unter Leitung von Matthias Roth Kompositionen der Komponisten aus dem Hoch- und Spätbarock.


Zu Gehör kamen Werke von Arcangelo Corelli, Antonio Vivaldi, Georg Friedrich Händel und Giuseppe Torelli. Mit Konzertwerken, Arien, Sonaten, Suiten oder einer Psalminterpretation verstanden es die Musikerinnen und Musiker des Orchesters, zusammen mit dem Countertenor Andras Pehl und dem Trompeter Rudolf Matajsz Hörer und Musiker zu einen und inneren Frieden mit nach Hause zu nehmen. Insbesondere mit der Auswahl der Vortragsstücke sorgten die Verantwortlichen dafür, dass markante musikalische Merkmale der Barockmusik (etwa 1610 bis 1750) zum Ausdruck gebracht werden konnten, etwa die Entwicklung des Dur-Moll-Systems, das fortan für die klassische Musik wesentlich war oder neu entstandene Werkformen wie Oratorien und Opern.

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Eine typisch barocke Klangnote im Vokalbereich lieferte zudem der Countertenor Andreas Pehl. Countertenöre sangen mit der Entstehung der Oper Ende des 16. Jahrhunderts männliche Kastratenrollen im hohen Stimmbereich, verloren aber in nachbarocker Zeit an Bedeutung. Durch eine Wiederentdeckung der Barockoper im 20. Jahrhundert und die Schaffung von entsprechenden Werken sind Countertenöre wieder gefragt.

Das Konzert wurde mit dem Concerto grosso g-Moll op.6/8, dem »Weihnachtskonzert« von Corelli eröffnet. Für drei Werke von Händel wurde das Orchester um Oboe und Fagott erweitert. Mit seiner klaren, sehr wendigen, in allen Stimmlagen homogen ausgeprägten, scheinbar mühelos intonierten, hohen Tenorstimme überzeugte Andreas Pehl bereits bei der Arie Venti turbini aus der Oper »Rinaldo« HWV 7 oder der Arie Ombra mai fu aus der Oper »erxes« HWV 40, durch eine stimmige, einfühlsame Körpersprache, eine bestechende Synchronität mit dem Orchester und besonders markant mit dem Fagott. Das fachkundige Publikum quittierte dies mit starkem Applaus. Das Orchester glänzte weiter durch einen harmonischen, lieblichen Gesamtklang bei der Pastorale aus dem Oratorium »Der Messias« HWV 56, die wenig konträr angelegte Passagen in den Registern vorweist. Auch der zweite Solist des Abends, Rudolf Matajsz auf der hohen Trompete, wusste sich in der Sonate für Trompete und Orchester D-Dur von Torelli und der Suite für Trompete und Orchester D-Dur HWV 341 von Händel wirkungsvoll in Szene zu setzen und seine Soloparts mit einem klaren, prägnanten und strahlenden, aber keinesfalls aufdringlichen Ton zu blasen. In einem harmonisch ausgeprägten Vortrag mit dem Orchester erklangen die einzelnen Sätze einmal beschwingt fröhlich, festlich brillant oder in kongenialer Verschmelzung mit der ersten Geige.

In Vivaldis Nisi Dominus Psalm 126 Nr. 4 Cum dederit, Arie RV 608 füllte And-reas Pehl den Konzertraum des Königlichen Kurhauses erneut mit einer virtuosen Gesangsleistung, an das sich das Konzert für Streicher g-Moll RV 157 »Il giardino Armonico« des gleichen Komponisten, von den Musikerinnen und Musikern wohlklingend und engagiert vorgetragen, anschloss.

Den festlichen Schlusspunkt setzte das um Trompeter und Pauke erweiterte Orchester zusammen mit den beiden Solisten mit der Arie aus der Oper »Rinaldo«, Or la tromba von Händel. Insbesondere der barocke Trompetenglanz kam hier zum Ausdruck. Genial war auch der spannend aufgebaute Konsens zwischen dem Trompetensatz und dem Sänger. Mit einem tosenden Schlussapplaus bedankten sich die Konzertbesucher. Werner Bauregger