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Klare Mehrheit für Boardinghäuser

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Eine Augenweide ist das Grundstück am Keplerweg in Traunreut, auf dem jetzt Boarding-häuser gebaut werden sollen, im Moment nicht. Im vergangenen Frühjahr wurde auf dem Grundstück nachträglich eine Altlastensanierung durchgeführt, die sichtbare Spuren hinterlassen hat. (Foto: Rasch)

Traunreut – Obwohl die Kritiker nichts unversucht ließen, den Stadtrat doch noch davon zu überzeugen, dass das Grundstück am Keplerweg der falsche Standort für Boardinghäuser ist, wurde die Änderung des Bebauungsplans zugunsten des Antragstellers mehrheitlich mit 20:7 Stimmen angenommen. Dagegen haben die Bürgerliste sowie Günther Dzial (SPD) und Martin Czepan gestimmt. Mit diesem Beschluss wurde jetzt das Baurecht geschaffen. Der Forderung einer detaillierten Betriebsbeschreibung (Betreiber-Konzept) muss der Antragsteller aber im Rahmen einer Baugenehmigung noch nachkommen.


Wie berichtet, hat der Standort für das Boardinghaus-Projekt bei den Anliegern massive Proteste ausgelöst. Sie befürchten, dass durch die vier geplanten Häuser mit zusammen 20 Appartements und 32 Stellplätzen – davon 24 in einer Tiefgarage – der Siedlungscharakter mit einer gewachsenen Struktur gestört werden könnte. Besonders befürchten sie ein erhöhtes Verkehrsaufkommen in der ohnehin schon sehr beengten Straße ohne Gehweg.

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Im Rahmen des Verfahrens hatten die Anlieger ihre Bedenken bekräftigt. Zahlreiche Einsprüche mit mehrseitigen Erläuterungen unmittelbarer und angrenzender Anlieger waren in der Stadtverwaltung eingegangen. Einige Familien ließen sich auch juristisch vertreten.

Die rechtlichen und praktischen Argumente der Bedenkenträger wurden jedoch mit Ausnahme einer noch zu liefernden detaillierten Betriebsbeschreibung von der Verwaltung widerlegt. Die Stellungnahmen der Träger öffentlicher Belange und die Einwände der Anlieger wurden bereits im Bauausschuss, der die Änderung des Bebauungsplans mehrheitlich mitgetragen hatte, diskutiert.

Im Stadtrat entflammte eine erneute Diskussion darüber, ob der Standort der richtige für so ein Projekt ist oder nicht. Seitens der Verwaltung wurde mehrfach erklärt: »Wir haben nur über das Baurecht zu befinden, respektive über andere Baukörper. Sie stimmen nur einem geänderten Bauraum zu«, erklärte Stadtbaumeister Thomas Gätzschmann wiederholt. Auf Nachfrage, wie das Projekt aus städtebaulicher Sicht zu werten sei, erklärte er, dass die geplanten Würfelhäuser durchaus in das Gebiet passen würden. Dass in Traunreut Boardinghäuser benötigt werden, habe eine Abfrage in den Betrieben ergeben. Insofern müsse man auch davon ausgehen, dass Boardinghäuser gewünscht seien, sagte er.

Günther Dzial (SPD) wiederholte seine Aussagen von der Bauausschusssitzung: »Ich finde, die Boardinghäuser passen da nicht rein«, sagte Dzial. Bauen und Verdichtung in der Innenstadt ja, aber nicht um jeden Preis. Das Totschlaginstrument »Wir brauchen Wohnraum« ziehe bei ihm nicht, weil damit auch große Verkehrsprobleme verbunden seien. »Wir werden diese Probleme in Zukunft verstärkt kriegen.« Deshalb müsse man sich auch in die Lage der Anwohner des geplanten Boardinghauses am Keplerweg versetzen, wo es jetzt schon große Verkehrsprobleme gebe.

Auch Roger Gorzel (Bürgerliste) mahnte an, dass durch den zunehmenden Verkehr ein Chaos vorprogrammiert sei. Der Verkehr würde sich gegenüber einer normalen Wohnbebauung um ein Vielfaches erhöhen, sagte Gorzel: »Wir schaffen damit ein Sonderrecht für den Verkehr«, warnte er.

Bürgermeister Klaus Ritter versuchte zu beschwichtigen: »Die Leute fahren in der Früh weg und kommen abends wieder heim.« Bei einem »normalen Wohnen« hingegen sei davon auszugehen, dass auch tagsüber mit ständigem Verkehr zu rechnen sei.

Auch Sepp Winkler (Bürgerliste) schlug sich auf die Seite der Anlieger. Man müsse sich in die Lage der Anwohner versetzen und sich fragen, »Möchte ich das ständige Kommen und Gehen?« Das Grundstück könne seiner Meinung nach auch anderweitig verwertet werden. Weiter fragte Winkler, was es mit dem Grundstück bei der Jugendsiedlung an der Adalbert-Stifter-Straße auf sich hat, das die Anlieger als Alternative für ein Boardinghaus vorgeschlagen hätten.

Laut Gätzschmann gebe es dafür bis dato keine Anfragen. »Mir ist nichts bekannt von einer Alternative.« Ritter sagte dazu, dass er jüngst bei einem Besuch in der Jugendsiedlung darauf angesprochen worden sei, dass dort bauliche Strukturen vorhanden wären.

»Gebaut wird so und so«, sagte Alfred Wildmann (FW). Er empfinde eine Tiefgarage als die bessere Lösung als oberirdische Stellplätze, die bei einer normalen Bebauung zum Tragen kommen würden. »Deshalb entscheide ich mich für Boardinghäuser.« ga