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»Klarheit« in Malerei und Skulpturen

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Fotografien von Herbert Stahl, die im Museum DASMAXIMUM in Traunreut entstanden sind, sind in Seebruck zu sehen. (Foto: Giesen)

Eine spannende Ausstellung unter dem Titel »Klarheit« ist bis 8. November in den Räumen der »CHIEMSEEBRUCKgalerie« in Seebruck zu sehen. Dabei gehen die beiden Künstler Rudl Endriß und Herbert Stahl das gewählte Thema ganz unterschiedlich an.


Vielfältige Arbeiten, vor allem Skulpturen und Readymades, sind von dem bekannten Holzbildhauer Rudl Endriß aus Schwabering bei Prutting zu sehen. Ein Blickfang der Ausstellung ist seine Installation mit vielen Glasleuchtern auf einem Tisch, die ein bunt gewandetes Mädchen hingerissen, gleichsam »verklärt«, betrachtet. Dies ist jedoch der einzige farbige Punkt bei seinen Exponaten. Alle seine Skulpturen und Readymades sind weiß besprüht oder bemalt. Ganz normale Alltagsgegenstände wie ein Einkaufswagen, Besteck, Schusterleisten werden so aus ihrem gewohnten Rahmen gelöst und in einen neuen Zusammenhang gesetzt.

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Rudl Endriß gibt seinen Werken eine neue Realität

Endriß streicht sie weiß, um ihnen die Subjektivität zu nehmen, »Klarheit« zu erreichen. Durch die weiße Farbe kommt auch die Rindenstruktur des Holzes hervorragend zur Geltung, so bei den in Teilen zersägten Holzstämmen. Endriß setzt sie stückhaft wieder zusammen und gibt ihnen damit eine neue Realität. Das gilt auch für seine dreidimensionalen Bilder – in einem Rahmen werden zum Beispiel Fischernetze, rechteckige Pappteller oder Holzspanstücke von Obstkisten strukturiert präsentiert und so zu einem Bild »erhoben«.

Im Gegensatz dazu versucht Herbert Stahl, »Klarheit« durch starke Farbkontraste zu erreichen. Neben Malen und Zeichnen befasste er sich in den vergangenen 15 Jahren verstärkt mit der Fotografie, wobei eines seiner Themen die Kunstbetrachtung ist. Den Schwerpunkt Stahls in dieser Ausstellung bildet die faszinierende Serie abstrakter Fotografien, die alle im Traunreuter Museum DASMAXIMUM entstanden sind. Sie zeigen Ausschnitte aus Dan Flavins Rauminstallation mit extrem farbigen Leuchtstoffröhren mit fluoreszierender Flüssigkeit und verschiedenfarbigen lackierten Rahmen. Die einzelnen Fotos, nebeneinander gehängt, wirken wie farbige Strichcodes. Ohne den erklärenden Titel käme niemand darauf, dass es sich um fotografierte Leuchtstoffröhren und deren Rahmen handelt. Aus bestehender Kunst wird ein neues Kunstwerk geschaffen.

Sieben Stillleben von Herbert Stahl

Ergänzt werden diese Fotografien durch sieben abstrahierte Stillleben von Herbert Stahl, die während seiner jährlichen Malwochen in Frankreich entstanden sind. Auch sie gehören thematisch zusammen. Stahl faszinieren die scheinbaren Nebensächlichkeiten wie ein gedeckter Frühstückstisch, den er erst fotografiert, dann naturgetreu zeichnet, bis sich, wie in diesem Fall, eine ganze Serie abstrakter Bilder entwickelt.

Auf den in den Grundfarben gehaltenen Malereien auf Papier lassen sich erst mal nur mehr oder weniger genaue geometrische Formen entdecken. In ihrer bunten Farbigkeit erinnern sie ein wenig an die italienischen Millefiori-Steine. Ein dominantes Blau ist in beinahe allen diesen Arbeiten der »klärende« Hintergrund. Wenn der Betrachter versucht, definierbare Formen zu finden, kann er tatsächlich einen Frühstückstisch mit Schalen, Tellern oder Besteck erkennen.

Bei der sehr gut besuchten Vernissage führte die Künstlerin und Betreiberin der Galerie Monika Rackl in die Ausstellung ein und stellte die beiden Künstler vor. Beide kennen sich schon seit ihrem kunstpädagogischen Studium 1972 in München, gingen aber beruflich ganz verschiedene Wege. Während Herbert Stahl, Jahrgang 1947, 39 Jahre als Kunsterzieher tätig war – 36 davon an der Reiffenstuel-Realschule in Traunstein –, war Rudl Endriß, Jahrgang 1944, vor allem in der Erwachsenenbildung tätig, so an der pädagogischen Fachschule für Erzieher und der Fachhochschule für Holztechnik in Rosenheim. Wie schon bei der Kunstvermittlung ist beiden bei ihrem künstlerischen Schaffen die Offenheit gegenüber Neuem, Ungewohntem wichtig und ein kritisches Hinterfragen der »normalen« Gegebenheiten.

Die sehenswerte Ausstellung ist bis Sonntag, 8. November, montags bis freitags von 14 bis 17 Uhr und am Samstag und Sonntag von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Christiane Giesen