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»Quatuor Danel« und Pascal Moragúes glänzen bei den Traunsteiner Sommerkonzerten

Klarinettenzauber in Streicherharmonien gebettet

Großer Applaus, Bravorufe und Fußgetrampel für das Danel-Quartett und den Klarinettisten Pascal Moragúes. (Foto: Aumiller)

Wolfgang Rihm ist der »Porträtkomponist« bei den diesjährigen Sommerkonzerten in der Traunsteiner Klosterkirche. Zeitgenössische Musik war und ist stets ein zentraler Punkt bei der Programmgestaltung des seit über 30 Jahren zur Tradition gewordenen Kammermusikfestivals im September. Imke von Keisenberg setzt das geistige Erbe der verstorbenen Festivalgründerin Dorothee Ehrensberger erfolgreich fort mit der Auswahl hochkarätiger Künstler und der besonderen Kombination von Werken klassischer und zeitgenössischer Komponisten.


Das zweite Konzert konfrontierte das 1891 entstandene Quintett für Klarinette und Streichquartett h-Moll op. 115 von Johannes Brahms mit Wolfgang Rihms »4 Studien zu einem Klarinettenquintett« aus dem Jahr 2002. Rihm schrieb sein Werk für den Klarinettisten Jörg Widmann und das Minguet Quartett. Rihm habe erst durch Jörg Widmann die Klarinette für sich entdeckt, und seine »4 Studien zu einem Klarinettenquintett« nennt er selbst eines seiner schönsten Kammermusikwerke.

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Hier zeigte sich der französische Klarinettist Pascal Moragúes als virtuoser Künstler auf seinem Instrument mit makellos klarem Ansatz, lebendig warmem Ton in reichen Nuancen und großer Bandbreite im Einsatz an feingesteuerten unterschiedlichen Vibratoschwingungen. Die Streicher des Danel Quartetts mit Mark Danel als Primgeiger beeindruckten durch ihre feine Klangbalance und die Sensibilität transparenter Tonqualität im nahezu symbiotischen Miteinander mit dem Klarinettisten.

Die mehr als hundert Jahre, die zwischen den beiden Quintetten von Brahms und Rihm liegen, verbanden das Quatuor Danel und der Klarinettist Pascal Moragúes zu einer feinsinnig austarierten Klangverwandtschaft, die beide Werke gleichermaßen zum beeindruckenden Hörerlebnis werden ließen. In duftigem Feinklang, wie mit Silberstift gezeichnet, fügten die Streicher und der Klarinettist die melancholisch weichen Melodielinien im Brahms-Quintett ineinander. Bestechend war die klangliche Ausgewogenheit der fünf Instrumente, die wie ein einziger Klangkörper eine Vielfalt transparenter Farbschattierungen zum homogenen Gewebe klingender Schichtungen verschmolzen. Elegische Melodik wechselte zu ungarisch anklingendem Kolorit ebenso wie zu liedhaft schlichter Kantabilität oder rhythmisch erregter Raffinesse und auch aufblühender Kraft. Das zarte Verklingen der Klarinette gewährte im Nachhorchen dem Zauber spannenden Raum.

Ebenso empfindsam gingen die Musiker Rihms Klangfarbenpalette an. Die Klarinette stand kompositorisch im Zentrum, war das führende Element, das die Streicher beinahe liebkosend umspielten. Intensitätssteigerungen setzten ein, markiert durch präzise Akzente, deren expressive Schärfe bis hin zu pfeifenden Sirenensignalen der Eleganz verfeinerter Klanglichkeit die Rückkehr nicht hinderten. Die Stimmenverflechtung von Streichern und Klarinette nahm im letzten Satz zu, explosiv sich ergießende Markierungen zogen eine Trennungslinie zu zart fließender Grundstimmung.

Zwischendurch entstand der Eindruck einer Reihung von Melodiefragmenten im Wechselspiel. So manche orientalisch anmutende Farbe blitzte auf, die Streicher tirilierten wie Vogelgezwitscher und Klarinettenrufe tuteten wie ein Nebelhorn dazu. Köstlich! Die Violinen leisteten virtuose Bogenarbeit, bravourös brillierte der Bläser, dem auch in verhalten meditativer Kantabilität, in die sich zart die Streicher einfädelten, die ungeteilte Aufmerksamkeit gewiss war. Traumhaft war der sich in Nichts auflösende harmonisch verlöschende Schluss.

Als Zugabe schmeichelten die Musiker dem Ohr mit einem Ausschnitt aus Mozarts Klarinettenquintett. Ein Konzertabend von hoher Qualität entließ die Zuhörer mit nachhaltigem Eindruck. Elisabeth Aumiller