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Klassik-Stars von morgen

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Aleen Kötter (l.) riss mit ihrem Empfangs-Popsong »Mercy« das Publikum mit, und Gesine Hadulla geigte F. Kreislers »Syncopation« souverän. (Fotos: Hans Gärtner)
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Ein Jakob, ein Martin, ein Nikolaus – das war's dann schon an Buben als Regional-Preisträger in der Kategorie »Instrumentales« mit der Berechtigung zur Teilnahme am Landeswettbewerb »Jugend musiziert« 2013. Eindeutig in der Mehrzahl: Dirndln, Madln, junge Frauen. Das Konzert der 1. Preisträger beim 50. Regionalwettbewerb Südostbayern (Stadt RO, Landkreise AÖ, BGL, MÜ, RO, TS), in bewährter Weise gut organisiert von Ellen Kaufmann (mit einer kurzen Einleitung) und Edith Schopf (geehrt wegen ihrer Verdienste), gesponsert unter anderem vom Bezirk Oberbayern, von Stadt Waldkraiburg und Sparkasse Altötting-Mühldorf, war also stark weiblich-lastig.


Was nicht nur Waldkraiburgs Zweiten Bürgermeister Harald Jungbauer entzückte, sondern das im Haus der Kultur gespannt sitzende Publikum. »Da geh ich schon immer hin, ich mag die jungen Leut', die sind so natürlich und können schon so viel«, kommentierte eine ältere treue Besucherin. Und sprach dem Berichterstatter aus dem Herzen. Denn was zwei volle Stunden zu hören und zu sehen war, verdient Beachtung. In den Altersgruppen II, III, IV und V (Geburtenjahrgänge 2001 bis 1996) zeigte sich ein musikalisches Potenzial, das eine ansehnliche Bilanz auch der örtlichen Musikschulen publiziert. Diese standen mit ihren Lehrkräften den Klassik-Stars von morgen bei ihren (meist Debüt-)Auftritten hilfreich zur Seite.

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Die Überraschung: Aleen Kötter sagte mit Chuzpe »Mercy« durchs Mikro – ihr vollendet gebrachter Pop-Song ließ alle Aufregung der Teilnehmenden schwinden und machte den Zuhörersaal locker. Den Namen der nonchalanten jungen Dame sollte man sich merken. Weitere Namen werden vermutlich bald auf den Konzert-Programmzetteln auftauchen, etwa die der Cellistin Sabine Veronika Libera, der geigenden Schweinberger-Zwillinge Anna K. und Paula P., der Violinistinnen Gesine Hadulla, Marita Hörberg und Theresa Seeholzer, der Kontrabassistin Antonia Hadulla, des Geigers Martin Sedlak und des Pianisten Nikolaus Fedorak. Dass Nikolaus nicht Klavier, sondern Physik zu studieren gedenkt, ist bemerkenswert. Anschlag, musikalisches Empfinden und Technik (bewiesen an Felix Mendelssohn Bartholdys 1. Satz aus dem d-Moll-Klaviertrio op. 49) sind zu schade, um nicht beruflich genutzt zu werden.

Bei der Stücke-Wahl der insgesamt gut vorbereiteten und ohne Star-Allüren Auftretenden dominierte zwar (mit Sperger, Lalo, Fauré, Tschaikowsky, Paganini, Reinecke und Mendelssohn) das 19., doch wurden auch Werke von Komponisten des 20./21. Jahrhunderts gespielt – Schäfer, Jardany, Habicht, Hindemith, Schostakowitsch und Ellis, die hohe technische Anforderungen stellen. Jakob Hölzl am Klavier und Cellistin Sabine Veronika Libera gelang zum Beispiel eine verträumte Elegie von G. Fauré, und Valerie Schatz brachte ihren Kontrabass-Part aus der Sonata op. 42 von D. Ellis mit erstaunlicher Ernsthaftigkeit rüber.

Auf einen Wermutstropfen von »Jugend musiziert« wies allerdings Regionalausschuss-Vorsitzende Ellen Kaufmann am Rande des Preisträgerkonzerts hin: Die Teilnehmerzahl rutschte von 220 Anmeldungen im vorigen auf 110 in diesem Jahr. Doch hat – davon konnte man sich in Waldkraiburg überzeugen – die Qualität nicht ab-, eher zugenommen. Hans Gärtner