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Klassische Musik, die beseelt

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Thomas Gould (Violine), Razvan Popovici (Viola), Diana Ketler (Klavier) und Bernhard Naoki Hedenborg (Violoncello) (v.l.) begeisterten die Zuhörer unter anderem mit Wolfgang Amadeus Mozarts Sonate für Klavier und Violine in B-Dur. (Foto: Benekam)

»Lustig und Traurig« war das Motto des achten Konzerts des 12. Chiemgauer Musikfrühlings, das im gut besuchten Festsaal des Klosters Seeon stattfand. Auf dem Programm standen ausgesuchte Werke Mozarts, Beethovens und Brahms, die die Zuhörer mit großem Genuss aufnahmen.


Im medialen Zeitalter ist die Klassische Musik ein willkommener Ausgleich zu den allgegenwärtigen akustischen Attacken von Handys und unfreiwilliger Musikbeschallung in Kaufhäusern oder in der Warteschleife am Telefon. Ganz im Gegensatz dazu steht ein großartiges Erbe dieser Weltklassekomponisten. Ihre Musik übermittelt Geschichten in Noten, Emotionen, reißt den empathischen Zuhörer mit und beseelt. Damals wie heute. Die Musiker, die für diese Konzertreihe gewonnen werden konnten, konzertieren mit großem Erfolg rund um den Globus an namhaften Spielstätten.

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Mit Wolfgang Amadeus Mozarts Sonate für Klavier und Violine in B-Dur eröffneten Diana Ketler am Klavier und Thomas Gould an der Violine das Konzert. Dieses Werk, im Jahr 1784 prima vista, also ohne vorherige Probe uraufgeführt, beginnt mit langsamer Einleitung, klangvoll und raumgreifend. Doppelgriffe der Geige und kraftvolle Klavierakkorde eröffnen den Satz, tastende Klavierakkorde in tiefer Lage bereiten den Boden für eine empfindsame Geigenmelodie. Im folgenden Allegro liefern sich Pianistin und Violinist einen gekonnten Schlagabtausch in Staccato-Achteln und Sechzehntel-Läufen, während gegen Ende der Sonate im Zusammenspiel humorvolle Dialoge zwischen den Instrumenten Mozarts bubenhafte Verspieltheit hörbar wurde.

Lustig eingestimmt ging es dann etwas dramatischer mit Ludwig van Beethovens Klavierquartett in Es-Dur weiter, das ursprünglich für Bläser komponiert wurde. Zu Ketler und Gould kamen nun Razvan Popovici an der Bratsche und Bernhard Hedenborg am Violoncello hinzu. Nach langsamer Einleitung setzt Beethoven im Allegro Sforzati, überraschende Modulationen und krasse Dynamikwechsel. Anders als Mozarts frühromanisch-schwärmerischer Ton, kündigt sich in diesem Werk Beethovens bereits der werdende Sinfoniker an.

Kontrastreich, mal spannungsgeladen, mal durchzogen von munter-lustigen Passagen, kann man dieses Stück wie eine spannende Geschichte mit gutem Ende empfinden. Die Intensität und das hochprofessionelle Spiel der Musiker machte Beethovens Werk alle Ehre und wurde mit verdientem Applaus belohnt.

Dem unvergleichlich meisterhaften Klarinettenspiel Richard Mühlfelds ist es zu verdanken, dass der arbeitsmüde Johannes Brahms im Jahr 1891 doch noch einmal zur Feder griff. Inspiriert von Mühlfelds musikalischer Genialität, komponierte er ein Klarinettentrio in A-Moll. Thorsten Johanns begeisterte, sicher ähnlich wie damals Ende des 18. Jahrhunderts Mühlfeld, mit seiner Virtuosität die Zuhörer. Zusammen mit Andrei Ionita am Violoncello, dessen Cellospiel an Leidenschaft und Exzellenz kaum zu überbieten ist, und Ketlers ausdrucksstarkem Klavierspiel, wurde auch hier in Seeon Brahms Werk zu einem unvergesslichen Hörgenuss. Mit großem Applaus und Bravorufen dankten die Zuhörer den hervorragenden Musikern für einen beseelenden Konzertabend. Kirsten Benekam