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Klassische Musik für Freunde des Akkordeons

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»Amici Fisarmonica« nahmen ihr Publikum in der Evangelischen Auferstehungskirche mit auf eine faszinierende Reise zwischen Händel, Haydn und Vivaldi, Filmmusik, Pop und Volkslied. (Foto: M. Heel)

Mit seinem 1979 gegründeten »Chiemgauer Akkordeonorchester« hat der Traunsteiner Musiker Ulrich Membré über drei Jahrzehnte hinweg das kulturelle Leben in unserer Region bereichert. Aber auch im Ausland war das Orchester erfolgreich: Auftritte bei Orchesterwettbewerben wurden mit ersten Plätzen belohnt, Konzertreisen führten unter anderem nach Dublin, Barcelona und nach Denver/USA. Dabei war es Ulrich Membré und seinem Orchester auch immer ein Bedürfnis, sich für soziale Zwecke einzusetzen, etwa mit fünf Konzerten für die Lebenshilfe Traunstein. Ein Engagement, das ihm zahlreiche Ehrungen einbrachte.


Im November 2011, nach 32 Jahren des unentgeltlichen Probenarbeitens, Dirigierens und Organisierens, beendete Ulrich Membré seine Tätigkeit, mit ihm endete auch die Ära des »Chiemgauer Akkordeonorchesters«. Doch schon 2013 kamen einige ehemalige Spieler wieder zusammen, um zwanglos zu musizieren und auf Zuruf zu proben. Auch für dieses Ensemble, das sich »Amici Fisarmonica« (Freunde des Akkordeons) nannte, übernahm Ulrich Membré die Leitung. Und wie könnte es anders sein, war auch das erste Konzert des Ensembles, das in der Evangelischen Auferstehungskirche Traunstein stattfand, wieder ein Benefizkonzert, und zwar zu Gunsten des Traunsteiner Netzes (Betreuung und Integration von Asylbewerbern).

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Begleitet vom Gospelchor der Evangelischen Auferstehungskirche unter der Leitung von Ulrike Ruf und bestens aufeinander eingespielt, nahmen Birgit Schultheiß, Sebastian Egger, Thomas Egger, Martin Ploch, Martin Pfannstiel und Ulrich Membré ihr Publikum dabei auf eine faszinierende Reise zwischen Händel, Haydn und Vivaldi, Filmmusik, Pop und Volkslied mit, bei der als Gast die Sängerin Gloria Benker (Sopran) mitwirkte.

Moderiert wurde das Konzert von Robert Huber, der mit knappen Anmerkungen die jeweiligen Komponisten und deren Werke vorstellte und dazu Martin Luther zitierte, für den Musik ein Geschenk Gottes gewesen sei, das den Teufel vertreibe.

So konnte man nach der Begrüßung durch Pfarrer Sebastian Stahl erfreut miterleben, wie vorzüglich mit dem Akkordeon alte und neue Musik interpretiert werden kann bzw. wie vielseitig das Instrument einsetzbar ist, zumal das Ensemble auch und gerade dem spirituellen Charakter der aufgeführten Kompositionen gerecht wurde, elegant, vital und mit großer Klangfülle. Ein Verdienst auch von Georg Schwenk, der allein sechs der an diesem Abend gespielten Stücke für das Akkordeon bearbeitet hat, etwa die mit meisterhafter Leichtigkeit interpretierten »7 Stücke aus der Flötenuhr« von Haydn, und der auch persönlich anwesend war. Sehr gut in das klassisch dominierte Programm fügte sich auch die bewegend vorgetragene Titelmelodie aus dem Film »Schindlers Liste« (John Williams) ein, die Hymne »The Londonderry Air/Danny Boy« verströmte irische Melancholie, und Vivaldis »Winter« (aus den 4 Jahreszeiten) entfaltete auch hier seinen ganzen Zauber. Nicht zu vergessen Gloria Benker, die mit einigen Liedbeiträgen wie »Ave Maria« (G. Caccini) als Solistin beeindruckte.

Zwischen den vier Akkordeon-Sets stimmte der Gospelchor drei Lieder an, zunächst »The voice of heaven« (Michael Small), gefolgt von »I’ve got a reason (to praise the Lord)« (Jacques Berthier) und »Now at the name of Jesus« (Lorenz Mayerhofer). Drei schwungvolle Songs, die so freudig wie überzeugend vom tiefen Glauben an den Erlöser kündeten.

Zum großen Finale traten dann Akkordeonensemble, Chor und Gloria Benker gemeinsam an, um eine umwerfend stimmungsvolle Version von »Yesterday« (John Lennon/Paul McCartney) darzubieten, bei der Ulrich Membré noch mit einem Mundharmonika-Solo glänzte. Wolfgang Schweiger