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Am Freitag beginnt in Bad Reichenhall das Alpenklassik-Festival mit Meisterkursen und Konzerten

Klassische Musik und die Magie des Ortes

Wen-Sinn Yang ist künstlerischer Leiter der International Summer School und erklärt die Besonderheiten der Festwoche Alpenklassik in Bad Reichenhall, die vom 26. August bis zum 3. September wieder bei Meisterkursen und Konzerten viel Musik in die Kurstadt bringt.

Der künstlerische Leiter Wen-Sinn Yang freut sich auf die Festivalwoche in Bad Reichenhall und die »Magie des Ortes«, die das Festival so besonders macht. (Foto: Aumiller)

Herr Yang, was ist heuer neu und anders im Vergleich zum Vorjahr?

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Wen-Sinn Yang: Neu sind heuer die Blasinstrumente Flöte und Fagott, die zum Klavier und den Streichern – Violine, Viola und Cello – eine andere Farbe beisteuern. Als Dozenten konnten wir erstmals die Flötistin Andrea Lieberknecht und den norwegischen Fagottisten Dag Jensen gewinnen. Für 2017 sind dann als Novität die Klarinette mit Sabine Meyer und das Horn mit Marie-Luise Neunecker geplant.

Sie haben kürzlich in München die Zuhörer mit einem wunderbaren Brahms-Doppelkonzert begeistert. Darf sich Bad Reichenhall auch auf ein solches Konzerterlebnis freuen?

Ja, im Eröffnungskonzert haben wir das Programm geändert: Der Geiger Ulf Wallin möchte anstelle der geplanten schottischen Fantasie von Max Bruch lieber das Doppelkonzert für Violine und Violoncello von Johannes Brahms anbieten und es wird mir eine Freude sein, dabei wieder den Cellopart zu übernehmen. Die Meisterklasse für Violoncello überlasse ich hingegen beim Festival Jens Peter Maintz, werde also nicht selbst unterrichten. Aber ich werde zusätzlich ein Kurkonzert spielen, ein Überraschungskonzert, das sich ganz im Sinne der Kurkonzertcharakteristik als ein gehobenes Unterhaltungsprogramm versteht.

Was schätzen sie besonders an der International Summer School in Bad Reichenhall?

Die Magie des Ortes ist ein wichtiger Bestandteil, die Festival-Atmosphäre wirkt stimulierend. Das Konzept mit dem Orchester, das es den jungen Musikern ermöglicht, als Solisten mit Orchester aufzutreten, ist ebenso attraktiv wie Möglichkeit, acht Konzerte in einer Woche zu spielen sowie die räumliche Konzentration des Unterrichts im Alten Kurhaus.

Welchen Stellenwert hat für Sie der öffentliche Zugang zum Unterricht?

Für ein interessiertes Musikpublikum ist das Zuhören beim Unterricht sehr reizvoll, weil es lernt, zuzuhören und die Unterschiede wahrzunehmen. In der Klasse wird der Zuhörer in Details eingeweiht, die er im Konzert nicht mitbekommt. Der Musikunterricht ist eine Schule des Hörens. Der Student muss lernen, wie er sich ausdrücken muss, damit sein Spiel beim Zuhörer bestmöglich ankommt.

Haben die jungen Musiker bereits eine klare Zielvorstellung ihres künftigen Weges?

Die meisten sind sich darüber nicht so klar. Sie haben von Jugend an den Umgang mit dem Instrument gelernt, haben dann da und dort Erfolgserlebnisse, wie zum Beispiel bei »Jugend musiziert«. Das sind Motivationselemente und heutzutage werden sie so gecastet, dass der Starrummel immer wichtiger wird, dass das Berühmtwerden zum vorherrschenden Ziel wird. Eine Garantie für den Karriereerfolg kann vom Lehrer aber nicht gegeben werden. Die Lehrkraft kann in ihrer Verantwortung für die jungen Musiker bestenfalls nur von einer gewissen Chance sprechen, um im Konkurrenzkampf Aussicht auf Erfolg zu haben. Die instrumentale Technik muss Hand in Hand gehen mit der Interpretation. Am wichtigsten ist, dass die Studierenden die Musik lernen, das Repertoire, die Stilsicherheit, den Ausdruck, die künstlerischen Elemente. Aber jede Zeit hat andere Sichtweisen, andere Moden sozusagen. Heute wird viel Wert auf wissenschaftlichen Urtext gelegt, das ist absolut dominierend, ist aber auch nur ein Teil der Wahrheit.

Wie groß ist der Zulauf bei den Jungmusikern zu den Meisterkursen?

Es gibt mehr Anmeldungen als Plätze. Zum Vorteil der Studierenden gibt es einen Fonds für den Studienbeitrag, der etwa 20 Teilnehmer subventioniert. Die Auswahl für die Teilnahme obliegt den Dozenten. Jedenfalls freuen sich Kursteilnehmer wie Dozenten auf die Festivalwoche.

Das Interview führte: Elisabeth Aumiller