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Kleine Oper, ganz groß

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Magd Vespetta (Justyna Ilnicka) findet ihren neuen, und wie sie hofft, heiratswilligen, reichen Herrn Pimpinone (Thomas Ruf) im Internet. (Foto: Benekam)

Unter der musikalischen Leitung von Alexander Krins hat das Jugendstreichorchester »Capella cantabile« im Traunreuter k1-Saal ein unterhaltsames Opern-Intermezzo auf die Bühne gebracht: »Pimpinone oder die ungleiche Heirat«, 1725 uraufgeführt, wird als Georg Philipp Telemanns größter Bühnenerfolg gehandelt.


Das Traunreuter Publikum zeigte sich angetan von der Idee, einmal – wenn auch im Kleinformat – Opernluft im k1 zu schnuppern. Im Orchestergraben vor großer Bühne ein Jugendstreichorchester in satter Besetzung sowie ein kunstvolles Cembalo, an dem Anton Gansberger für die genau richtige Untermalung sorgte. Traunreut könnte also Oper, wenn es wollte.

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Das lustige Kammerspiel aus Übertreibung und Tändelei, sonst gerne im Stil der italienischen Commedia dell’Arte angelegt, wurde in Regisseur Kurt Köllers Inszenierung in die Neuzeit übertragen. Telemann sieht für seine Oper nur zwei Protagonisten vor: Magd Vespetta (Justyna Ilnicka, Sopran) sucht ihren neuen, und wie sie hofft, heiratswilligen reichen Herrn Pimpinone (Thomas Ruf, Bariton) im Internet, verabredet sich übers Handy und reist gleich schon mal mit drei fetten Koffern an.

Der wohlhabende Pimpinone ist sofort von Vespettas Charme und ihrer scheinbaren Bescheidenheit hingerissen. Sie wiederum scheint eher von seinem Reichtum begeistert und wirft sogleich die Angel aus, ködert den Liebesverwirrten in hinterlistigem Feldzug. Pimpinone, wie könnte es anders sein, beißt an und sich in der folgenden Geschichte die Zähne an Vespettas Gerissenheit aus. Er wird zum ergebenen Diener im eigenen Hause und macht sich zum Deppen.

Justyna Ilnicka als Vespetta erfüllte die typischen Kammermädchenklischees von Verschlagenheit über motzig bis verführerisch-kokett. Thomas Ruf als Pimpinone hingegen schien innerlich wie äußerlich aus dem Lot geraten, schwankte zwischen verzweifelter Entrüstung und bubenhaftem Anhimmeln eines Schwarms, der einfach nicht seine Hausnummer ist. Und genau da setzt eigentlich der Hebel der Komik an.

Stimmlich ließen beide keine Wünsche offen: Sehr schöne Duette – ein zauberhaftes Liebesduett, ein Streitduett –, effektvolle Musik, die allein schon Darstellung ist und die das »Capella cantabile« mit den genau passenden Akzenten, in wunderbar dicht und konzentriertem Spiel interpretierte.

Alexander Krins forderte seine Nachwuchsmusiker aufs Äußerste, leitete in intensiv zugewandtem Dirigat, ohne dabei zu viel Druck auszuüben. Ob es in dieser Inszenierung so viele Smartphone-Einsätze, Selfies und Laptops gebraucht hätte? Geschmackssache. Birgt doch das Spielchen zwischen älterem Mann und raffiniertem Mädchen allein schon haufenweise Situationskomik, die darstellerisch mit einfachsten Mitteln zündet. Schade auch, dass oft die gesungenen Texte nur schwer zu verstehen waren und somit vorhandener Sprachwitz auf der Strecke blieb.

Trotzdem kam die »ungleiche Heirat« im k1 bestens an und wurde, wie auch die virtuosen Solokonzerte von Antonio Vivaldi, die das Opernintermezzo umrahmten, mit einem riesigen Applaus und Bravorufen belohnt. Besonders lobenswert waren die solistischen Einsätze von Anna-Lena Mayer (Violine) und Laura Dziewior (Violoncello), die sich für ihre Leistung einen Extra-Applaus verdienten. Kirsten Benekam

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