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Bronzearbeiten und Zementgüsse von Marianne Lüdicke sind im Heimatmuseum in Prien zu sehen

Kleiner Einblick in ein großes Werk

»Zwei Frauen im Wind«: Marianne Lüdickes Kunst hat sehr viel Menschliches. (Foto: Morgenroth)

Die Bildhauerin Marianne Lüdicke (1919 bis 2012) ist weit über die Grenzen des Chiemgaus und Bayerns hinaus bekannt. Die Marktgemeinde Prien verwaltet seit ihrem Tod das künstlerische Erbe der Bildhauerin und zeigt jetzt zu ihrem 95. Geburtstag Bronzearbeiten und die einmaligen Zementgüsse der Bildhauerin. Die ständige Dokumentation ist in einem kleinen, intimen Ausstellungskabinett im obersten Stockwerk des Priener Heimatmuseums zu sehen.


Marianne Lüdicke war 1919 in Frankfurt am Main geboren worden. Von 1939 bis 1944 studierte sie an der Akademie der Bildenden Künste in München. 1945 flüchtete sie aus den Bombennächten der zerstörten Großstadt nach Weisham bei Bernau. Dort lebte und arbeitete sie über 60 Jahre als freischaffende Bildhauerin. Im Jahre 2012 ist Lüdicke in Marquartstein verstorben.

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Weil ihre Plastiken sehr viel Menschliches ausdrücken, haben viele Sammler zwischen Paris und Rom, Köln und Berlin Bronzearbeiten von Marianne Lüdicke als Gefährten in ihr Zuhause und in das eigene Leben aufgenommen. Die Erfahrung mit der Natur, der Tierwelt und der bäuerlichen Menschen prägte ihre Kunst stärker als es vielleicht Akademien je vermochten. Bescheiden und in aller Zurückgezogenheit entstand ein wuchtiges Oeuvre, von dem man einen kleinen Einblick im Studiokabinett in Prien erhält.

Zwei Themen stellte Marianne Lüdicke in den Mittelpunkt ihres künstlerischen Schaffens: Menschen und Tiere, wobei in ihrem umfangreichen Oeuvre die Darstellung der menschlichen Gestalt das zentrale Motiv ist. Ein Thema bei ihr ist es auch, den Menschen in seinen Grundhaltungen – Stehen, Sitzen und Liegen – darzustellen. In ihren Arbeiten ist ein klarer tektonischer und strenger Aufbau sichtbar.

Marianne Lüdicke schafft in ihren Werken eine realistische Ausdruckskraft, die mit großer Schärfe menschliche und zwischenmenschliche Zustände widerspiegelt. Oftmals umschließen schwere Mäntel ihre Figuren unter Verzicht auf fast jede Detaillierung und setzen sich kompositorisch nach unten fort, ohne dass die geschlossene Grundstruktur aufgebrochen wird. Durch die »Bekleidung« der Figuren schafft sie sich formalen Freiraum, kann so mit Formen spielen, Flächen gegen Kanten und Rundungen setzen und damit mehr Ausdrucksmöglichkeiten realisieren.

Als Bildhauerin ist sich über viele Jahre selbst treu geblieben, sie ist ihren eigenen Weg gegangen, ohne sich den Trends unterzuordnen. Marianne Lüdicke, die »Grande Dame«, wie sie die eingeweihten Priener nennen, denn eine solche ist sie gewesen. Sie sagte einmal selbst: »Jeder Einzelne kann auf seine Weise Freude geben: dem Betrachter, dem Kunstverständigen eine Welt von Fantasie, von Schönheit und Formerfindungen vermitteln. Ohne das wäre das Leben arm und eng«. Der exzellenten Bildhauerin Marianne Lüdicke ist dieses über viele Jahrzehnte auf hervorragende Weise gelungen.

Die nunmehr ständige Präsenz ihrer Kleinplastiken im eigens dafür eingerichteten Studiokabinett im Heimatmuseum wird ihrem Künstlerleben, ihrem künstlerischen Wirken und Engagement in ausgezeichneter Weise gerecht.

Die Ausstellung im Heimatmuseum Prien ist zunächst bis 31. Oktober von Dienstag bis Sonntag von 14 bis 17 Uhr zu sehen. Im November ist die Schau dann geschlossen. Gabriele Morgenroth