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Klimawandel beeinflusst auch die Almwirtschaft

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Ein ungewöhnlicher Veranstaltungsort: Auf der Roßfeldalm erklärte Siegfried Steinberger von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft das Almweidekonzept. (Fotos: privat)
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Auch die Almwirtschaft ist vom Klimawandel betroffen.

Berchtesgaden – Die Biosphärenregion Berchtesgadener Land hatte für Sonntag zu einem Alm- und Bergerlebnistag am Roßfeld eingeladen, um Wanderer sowie Besucher mit Aktionen und Führungen für die Region zu begeistern – mit vollem Erfolg. Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft stellte dort zusammen mit den Bayerischen Staatsforsten das Almweidekonzept vor.


Die Beweidung der Almen und Alpen sichert die von Menschenhand geschaffene Kulturlandschaft in den Bergen. Ohne Weidetiere verbuscht die Landschaft und der Wald verdrängt die offenen Bergflächen. Die offene Landschaft dieser einmaligen Alm- und Bergweiden zieht Touristen und Wanderer an und die Offenhaltung der Wiesen durch Weidetiere wird durch staatliche Fördermaßnahmen unterstützt. Mussten in früheren Jahrhunderten die Weideflächen mittels Weideregeln und -rechten vor einer Übernutzung geschützt werden, so ist seit einigen Jahrzehnten auf vielen Almen/Alpen das Gegenteil zu beobachten. Auf solchen Flächen gewinnt beispielsweise der gefürchtete Bürstling (Borstgras) die Oberhand, die Weiden verunkrauten und junge Bäume breiten sich aus. Diese Entwicklungen laufen langsam über Jahrzehnte ab und werden daher oft erst zu spät wahrgenommen.

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Das Interesse der Besucher beim Alm- und Bergerlebnistag am Roßfeld war groß. Man informierte sich über das Almleben und die nachhaltige Tierhaltung auf den Weiden. Die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) stellte das Almweideprojekt vor, das sich mit den geänderten Bedingungen der Alm- und Alpwirtschaft befasst und diese den Almbauern vor Augen führt.

Der allgemeine Klimawandel ist auch in Bergregionen spürbar, im Alpenraum werden die Sommerniederschläge mehr und die Winter trockener. Diese Kombination führt dazu, dass die Futtererträge in den Höhenlagen zunehmen. Dies bedeutet für die Almbewirtschaftung, dass im Vergleich zu den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts deutlich mehr Futter und dieses vor allem auch früher zur Verfügung steht.

Als zweiter Aspekt des Klimawandels wirkt die Verschiebung der sogenannten phänologischen Jahreszeiten. Dabei werden Naturerscheinungen wie Blüte, Reife und Blattveränderung verschiedener Baum- beziehungsweise Straucharten zur Beschreibung der Jahreszeiten dokumentiert. Der Frühling beginnt um etwa zwei bis drei Wochen früher, ebenso kann ein früherer Sommerbeginn, gemessen an der Holunderblüte, nachgewiesen werden. Der Spätsommer hingegen verkürzt sich, das heißt, es erfolgt ein direkter Übergang vom Hochsommer in den Frühherbst.

Für den Almbauern bedeutet dies, dass auf den Almen/Alpen heutzutage das Graswachstum um etwa drei Wochen früher einsetzt als in den 1960er Jahren. Auf vielen Almen/Alpen ist der Almauftrieb seit Jahrhunderten festgelegt und erfolgt traditionell an bestimmten Tagen. Heute finden die Weidetiere beim Auftrieb bereits einen entsprechenden höheren Weidebestand als in früheren Jahrzehnten vor. Auf den Almen steht somit bei gleichbleibender Weidefläche mehr Futter zur Verfügung. Beide Entwicklungen erfordern einen früheren Weidebeginn je nach Vegetation und mehr Weidetiere. Letztendlich muss sich die Almwirtschaft aufgrund des Klimawandels im Sinne des aktiven Umweltschutzes verändern. In dem vorgestellten LfL-Projekt konnten die positiven Auswirkungen einer entsprechend angepassten Almwirtschaft auf die Weidequalität nachgewiesen werden. Durch solche Maßnahmen wird das Kulturgut Almen und Alpen für die Zukunft erhalten. fb