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Klingende Miniaturen

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16 Stücke vom Hochbarock bis zur Gegenwart umfasst die neue CD der Traunsteiner Harfenistin Silke Aichhorn.

Der Begriff »Miniatur« stammt ursprünglich aus dem Bereich der Malerei und meint Auszierungen alter Handschriften, auch zierliche, bis ins letzte Detail sorgfältig ausgeführte Kleinmalereien. Doch auch in der Musik hat sich dieser Begriff eingebürgert für präzise strukturierte, oft nur Sekunden bis wenige Minuten andauernde Petitessen, die gerade wegen ihrer Kürze und Brillanz besondere Zuwendung erfordern.


Und mit eben dieser Einstellung geht die Traunsteiner Harfenistin Silke Aichhorn an die 16 Stücke (nur fünf davon sind länger als vier Minuten) ihrer neuen CD »Miniaturen 3« heran, die sie Anfang Juni im Tonstudio Digiton (Toningenieur Jürgen Hagen) eingespielt hat. Die Kompositionen auf dieser Scheibe decken den Zeitraum vom Hochbarock bis zur Gegenwart ab – für spannende Abwechslung ist also gesorgt.

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Die CD beginnt klangprächtig mit einer Fantasie über ein Thema von Joseph Haydn von Marcel Grandjany (1891-1975). Die Themamelodie des 2. Satzes ist hier die Vorlage. Auch die zweite Melodie stammt aus Wien. Der Belgier Félix Godefroid (1818-1897) ließ sich von Franz Schuberts Lied »Nur wer die Sehnsucht kennt« (D 877) zu einer »École mélodique« darüber inspirieren.

Von Schubert wiederum gibt es keine originale Komposition für Harfe. Silke Aichhorn aber hat sein Impromptu Nr. 2 Es-Dur flüssig und sehr wirkungsvoll für die ihre arrangiert. Der in Böhmen geborene Johann Ladislaus Dussek (1760-1812) siedelte sich nach rastloser Konzerttätigkeit in ganz Europa in London an. Im 2. Satz seiner dort entstandenen Sonate in F orientierte er sich an dem damals berühmten Song »The Lass of Richmond Hill«, einem Lieblingslied von King George III.

Es folgt eine Komposition sozusagen »im Dreierpack«, von J. S. Bach als Präludium C-Dur zu seinem Zyklus »Das Wohltemperierte Klavier« – von Charles Gounod mit einer raffiniert erfundenen Melodie unterlegt und als »das Ave Maria« bekannt gemacht sowie von dem in München geborenen Karl (Charles) Oberthür gekonnt für Harfe solo arrangiert – für Silke Aichhorn eine dankbare Aufgabe in vollgriffiger Interpretation.

Mit einer beschwingten Allemande von Jean Baptiste Loeillet (1653-1728) und dem Präludium VIII BWV 853 von J. S. Bach (1685-1750) verlässt die CD die Epochen des Barock und der Wiener Klassik. Die Romantiker Alphonse Hasselmans (1845-1912) mit einer eindringlich erzählten »Ballade« und Gabriel Verdalle (um 1847-1915) mit seiner luftigen »Air de Ballet« leiten über zu Musik des 20. und 21. Jahrhunderts: Der Pianist, Klavierlehrer und Komponist Moisés Moleiro (1904-1979) aus Venezuela widmete seine »Tocata en Do Mayor« dem berühmten Harfenisten Nicanor Zabaleta. Sie klingt auf Silke Aichhorns Harfe weitaus freundlicher als auf dem Flügel. Der für den Harfenwettbewerb »Concours Martine Géliot« 2002 komponierte »Tango« von Jean-Michel Damase (1928-2013) verbindet strikten Rhythmus mit einem markanten musikalischen Tempo.

»River flows in you« bietet eher ohrenfreundlichen »Classic Pop« in »Easy Listening«. Der südkoreanische Pianist Yiruma (geboren 1978 als Lee Ru-ma) hat sich damit 2011 in die deutschen Pop-Charts gespielt.

Anspruchsvoller geht Silke Aichhorn bei »Alla Turca Jazz op. 5b« zu Werke. Der in Traunstein bestens renommierte Pianist Fazil Say (geboren 1970) hat dieses Paradestück aus W. A. Mozarts 3. Satz der Klaviersonate KV 331 entwickelt und wirkungsvoll verjazzt. Silke Aichhorn hat es kongenial auf ihr Instrument umgesetzt. Von der Multi-Künstlerin Deborah Henson-Conant (geboren 1953) stammt die gefällige Pop-Ballade »The Nightingale« und zum Abschluss bekennt sich Silke Aichhorn zu den Chiemgauer Wurzeln ihrer Musikalität: »Staad werd'n« von Karin Schroll ist ein sanfter, friedvoller Abschluss ihrer neuen CD.

Die Scheibe mit ihrem attraktiven Titelfoto und dem sehr informativen Booklet ist erhältlich (»physisch als auch digital«) bei allen gängigen Internetanbietern, aber auch unter www.silkeaichhorn/de/shop oder in Traunstein bei Obst- und Gemüse Weininger. Engelbert Kaiser

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