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Klopps gruselige Inventur: Irgendwann hatte ich Angst

Stuttgart (dpa) - Die Bestandsaufnahme seines Lazaretts schockte Jürgen Klopp. Nach dem Gastspiel in seiner Geburtsstadt zählte der Coach von Borussia Dortmund Beulen, Risswunden und Prellungen auf, die die medizinische Abteilung an seinen Spielern festgestellt hatte.

Prellung
Marco Reus schaut nach einem Zweikampf auf den Bluterguss an seinem Bauch. Foto: Franziska Kraufmann Foto: dpa

«Es war ständig so wahnsinnig intensiv, dass es mir einfach zu viel war und ich irgendwann Angst hatte, dass noch mehr passiert», meinte Klopp nach dem 2:1 beim VfB Stuttgart am Samstag. «Das passiert mir beim Fußball nicht allzu oft, aber heute war es so.»

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Klopp muss sich ein gruseliger Anblick in der Kabine geboten haben. Wie der Doublesieger nach 90 hitzigen Minuten am Neckar mitteilte, kühlte Felipe Santana seinen lädierten Kopf mit einem Eisbeutel, Marco Reus kämpfte mit einem Schlag in die Rippen und Kevin Großkreutz sowie Sven Bender plagten sich jeweils mit einer Prellung auf dem Spann herum. «Das war überhart», meinte Klopp.

Das traurige Gesicht des Gastspiels war aus BVB-Sicht jedoch Marcel Schmelzer. Blutüberströmt musste der Linksverteidiger in der 24. Minute ausgewechselt werden. Martin Harnik hatte den 25-Jährigen unglücklich am Kopf getroffen und ihm dadurch die Nase gebrochen. «Sie stand in alle Himmelsrichtungen», diagnostizierte Klopp sauer.

Wie auch bei den restlichen angeschlagenen Kandidaten sollten weitere Untersuchungen Aufschluss darüber geben, ob sie im Viertelfinal-Hinspiel in der Champions League beim FC Málaga wieder dabei sein können. Schmelzer jedenfalls war via Facebook schon rasch zuversichtlich, mit einer Spezialmaske aufzulaufen.

Die Kritik an ihrer angeblich zu ruppigen Gangart konnten die Schwaben nicht verstehen. «Sicher war es ein hartes Spiel, aber nicht überhart. Die Aktionen gingen immer gegen den Ball», sagte Kapitän Christian Gentner. «Fußball ist ein Männersport, da geht es auch mal zur Sache», meinte Keeper Sven Ulreich. Und auch Coach Bruno Labbadia sah ein «sehr intensives Spiel mit vielen Zweikämpfen».

Bei all der Diskussion über die Härte im Spiel rückte die verschobene Meisterparty des FC Bayern München gewaltig in den Hintergrund. Dank des ersten Siegs gegen den VfB Stuttgart nach mehr als zwei Jahren hatte sich der BVB zumindest eine Woche Aufschub erarbeitet, ehe der deutsche Fußball-Rekordmeister Titel Nummer 23 bei Eintracht Frankfurt perfekt machen kann.

Von der furiosen Show des FC Bayern am Abend jedenfalls bekam der BVB-Tross in der Mercedes-Benz-Arena ansetzungsbedingt nichts mit. Als die Elf von Jupp Heynckes den Hamburger SV mit 9:2 auseinandernahm, war der BVB-Tross schon auf dem Weg in die Heimat. An die nur noch rechnerische Chance im Titelkampf glaubt im Ruhrpott wohl niemand mehr, Sicherung von Platz zwei steht im Fokus.

Dabei halfen der Borussia am Neckar der für Schmelzer eingewechselte Lukasz Piszczek (29. Minute) und Dauertorjäger Robert Lewandowski (82.) mit seinem 20. Saisontreffer. Tapfer kämpfende Stuttgarter hatten durch Alexandru Maxim (63.) zwar zwischenzeitlich ausgeglichen, doch nach Gelb-Rot wegen wiederholten Foulspiels gegen Georg Niedermeier (69.) fehlte der VfB-Verlegenheitself die Kraft.

Für Klopp steht nun die Regeneration im Vordergrund. Schließlich muss Dortmund wieder am Mittwoch in Spanien ran. Dem teils hektischen Duell in Stuttgart konnte der 45-Jährige mit Blick auf die Begegnung in der Königsklasse aber doch noch Positives abgewinnen. «Das war eine gute Vorbereitung auf das Champions-League-Spiel in Malaga, denn die fliegen ähnlich intensiv in die Zweikämpfe», bilanzierte Klopp süffisant.