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Unmutsäußerungen bei der Jahresversammlung der ARTS-Kulturfördervereinigung über unsichere Zukunft

»Klosterkirche ist ein ungeliebtes Kind des Stadtrats«

Traunstein – Der Umbau der Klosterkirche und ihres Umfelds war beherrschendes Thema bei der Mitgliederversammlung der ARTS-Kulturfördervereinigung im Parkhotel in Traunstein.

Die wiedergewählte Vorstandschaft der ARTS-Kulturfördervereinigung ist (von links) der neu gewählte Kassenwart Dr. Ernst Schraube, die Vorsitzende Sigrid Ackermann, ihre Stellvertreterin Imke von Keisenberg, Schriftführer Dr. Alfred Spiegelberg und zweiter stellvertretender Vorsitzender Thomas Pensler. (Foto: Giesen)

Vorsitzende Sigrid Ackermann sprach über die Arbeit im vergangenen Jahr, besonders über ihre Sorge darüber, dass es noch viele offene Fragen zur künftigen Nutzung der Klosterkirche gebe. »Bei den Planungen zur Traunsteiner Stadtentwicklung der nächsten Jahre fühlen sich die Klosterkirchenfreunde etwas bedrängt.«

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Deutlicher wurde Dr. Birgit Löffler, Leiterin des Museums DASMAXIMUM in Traunreut, die im Auftrag von ARTS und der Stadt Traunstein zusammen mit Robert Mühlbacher ein Nutzungskonzept für das neue Kulturareal ausgearbeitet hatte. Danach könnte ein Name für das Kulturensemble »Ludwigforum« sein. Das Nutzungskonzept umfasst nicht nur die Klosterkirche mit künftiger Kellernutzung und mobiler Bühne, sondern auch die Städtische Galerie und den Außenbereich, der kulturell genutzt werden könne.

Werbung und Außenwirkung jetzt nötig

Die Klosterkirche werde außerdem ein großzügiges Foyer, Treppenhaus und einen Lift bis in die Kellerräume bekommen, sagte Löffler. Das ausgearbeitete Konzept habe schließlich im Januar im Stadtrat vorgestellt werden können, erst in der öffentlichen Sitzung, anschließend in einer geschlossenen. Seither sei aber keinerlei Rückmeldung von Seiten der Stadt mehr erfolgt, so Löffler. Aber Werbung und Außenwirkung müssten dringend jetzt losgehen, dafür brauche es aber die Entscheidungen des Stadtrats. Um renommierte Künstler zu engagieren, sei üblicherweise ein Vorlauf von einem bis eineinhalb Jahren notwendig.

Sigrid Ackermann betonte, dass die Akustik der Klosterkirche ein »ganz großes Anliegen« sei, damit die Konzerte künftig möglichst schön gestaltet werden könnten. Musiker aus der ganzen Welt seien immer wieder gerne in die Klosterkirche gekommen, wobei bisher wegen der besseren Akustik vom Bauhof Vorhänge aufgehängt worden seien und danach wieder abgehängt. Es sei möglich, dass die von ARTS gesammelten Spendengelder von über 265 000 Euro für die Veränderung der Klosterkirche für akustische Maßnahmen ausgegeben werden könnten, stellte die Vorsitzende in Aussicht. Dass es bei der Akustik nicht nur um Konzerte gehe, sondern auch darum, dass Redebeiträge, zum Beispiel bei Vernissagen, im gesamten Raum verstanden werden könnten, ergänzte Friederike Plikat.

Bisher habe die Kulturfördervereinigung lediglich einen Brief von der Stadt mit dem Auflösungsvertrag als Mieterin der Klosterkirche bekommen. Wolfgang Giese, Gründungsmitglied von ARTS und Berater bei Rechtsfragen, sagte, ARTS sei von Anfang an, das heißt, seit 26 Jahren, Mieter der Klosterkirche gewesen, sodass nicht einfach auf einer DIN-A-4 Seite ein simpler Auflösungsvertrag ausreiche. Der Stadtrat müsse nun endlich eine Entscheidung treffen.

Auf Nachfrage unserer Zeitung sagte Oberbürgermeister Christian Kegel, dass der Stadtrat im Juni darüber entscheiden werde, ob künftig die Stadt oder ein möglicher Fremdbetreiber die Klosterkirche und das gesamte Areal weiter betreiben werde. Dafür würden derzeit die Vorlagen für den Stadtrat ausgearbeitet.

Auf die Vorwürfe, dass viele Fragen im Stadtrat noch nicht behandelt worden seien, verteidigte die einzige anwesende Stadträtin und Kulturbeauftragte der Stadt Ursula Lay den Stadtrat. Der könne ja nur entscheiden, was ihm von der Verwaltung vorgelegt werde. Ackermann resümierte, dass sie den Eindruck habe, die »Klosterkirche ist ein ungeliebtes Kind im Stadtrat« und »alles, was wir machen, fällt in ein schwarzes Loch«.

Schon in der Maisitzung werde der Stadtrat auch über die Namensgebung des Kulturensembles entscheiden, eventuell mit einer Umfrage innerhalb der Bevölkerung, ergänzte Kegel auf Nachfrage unserer Zeitung. Nach wie vor seien die Umbauarbeiten im Zeitplan, sodass die Baumaßnahmen an der Klosterkirche und dem Schulhof Ende 2018 beendet seien. Im Juli werde der Vorplatz vor dem Kulturzentrum gerichtet. Die Arbeiten an der Ludwigstraße könnten etwa ein halbes Jahr länger dauern, aber die Sommerkonzerte 2019 könnten auf jeden Fall in der Klosterkirche stattfinden so Kegel.

Zur Frage der Akustik erklärte Kegel, dass im Arbeitskreis für die Klosterkirche, dem auch Sigrid Ackermann angehört, schon 2015 ein Akustikkonzept beschlossen worden sei. Bei einer Akustikmessung durch Fachleute habe sich herausgestellt, dass die Akustik sehr gut sein könne, wenn ein Holzboden schwimmend verlegt werde. Das werde auch gemacht. Die Fachleute seien sich einig gewesen, dass Akustikrollos keinen Vorteil brächten.

Insgesamt wünscht Kegel sich, dass die Mitglieder von ARTS der Stadt »deutlich mehr Vertrauen entgegenbringen« sollten. Die Verwaltung habe Hunderte von Themen abzuarbeiten, sodass eben nicht immer alles in ein paar Wochen vonstatten gehen könne. »Wir kriegen ein supertolles Projekt«, war der Oberbürgermeister überzeugt, aber das gehe eben nicht in ein bis zwei Wochen.

Bei den Grußworten würdigte die stellvertretende Landrätin Resi Schmidhuber im Namen des Landkreises die engagierte Arbeit Kulturfördervereinigung ARTS und ihre außergewöhnlich hochkarätigen Veranstaltungen. Damit seien Kunst und Kultur ein wesentliches Merkmal der Stadt Traunstein. Dem schloss sich auch Kulturreferentin Ursula Lay als Vertreterin der Stadt an.

Dr. Ernst Schraube neuer Kassenwart

Bei den turnusgemäßen Neuwahlen unter Leitung von Altoberbürgermeister Fritz Stahl wurde die Vorsitzende Sigrid Ackermann einstimmig in ihrem Amt bestätigt, ebenso ihre beiden Stellvertreter Imke von Keisenberg und Thomas Pensler. Neuer Kassenwart ist Dr. Ernst Schraube, da sein Vorgänger Volkmar Niedergesäß aus arbeitstechnischen Gründen nicht mehr zur Wahl antrat. Schriftführer bleibt Dr. Alfred Spiegelberg.

Bestätigt wurden auch die beiden Kassenprüfer Heinz Georg Plikat und Miguel Moritz. Dem Vorstand gehört weiterhin Patrick Pföß als Beirat an. Nach dem Kassenbericht von Volkmar Niedergesäß und dem Kassenprüfbericht durch Heinz Georg Plikat wurde die Vorstandschaft einstimmig entlastet. gi