weather-image
19°

Knapp 11 Millionen Euro: Schäden am Dach der Klosterkirche machen Sanierung teurer

0.0
0.0
Bildtext einblenden
(Foto: Artes)

Traunstein – Wie zuvor der Kultur- und Sportausschuss, so war auch der Stadtrat am Ende der Meinung, dass letztlich das Gremium und nicht die Bürgerschaft über den Namen des Kulturzentrums Klosterkirche entscheiden soll. Der Stadtrat entschied nach einer lebhaften Diskussion aber, die Bürgerschaft in die Namensfindung mit einzubeziehen.


Dass man die Traunsteiner Bürger bei der Namensgebung mitsprechen lassen will, darüber waren sich die Stadträte schnell einig. Burgi Mörtl-Körner (Grüne) betonte, dass Mitsprache »die Identifikation der Bürgerschaft mit dem Kulturzentrum erhöhen« wird. Auch Dr. Christian Hümmer (CSU) empfahl, »den Einfallsreichtum der Bürger zu nutzen«. Zudem ist er »froh, dass wir dieses Mal kein Büro einschalten, sondern selber unserer Hirne nutzen«.

Anzeige

Entscheidung über Namen im Juni treffen

Isabelle Thaler (CSU) erinnerte an die zwei gescheiterten Bürgerentscheide und mahnte aus dieser Erfahrung heraus eine Bürgerbeteiligung an. Schließlich einigte sich das Gremium darauf, dass die Entscheidung über den Namen im Juni im Stadtrat getroffen werden soll, die Bürger aber Vorschläge machen können. Über das genaue Prozedere werde noch informiert. Als möglichen Namen empfahl der Stadtrat für die Juni-Sitzung »kapuzinum«.

Lebhaft war die anschließende Diskussion über die Kostenentwicklung der Sanierung. Der Verwaltung zufolge kostet das Ganze am Ende 10,8 Millionen Euro, von denen die Stadt Traunstein 5,1 Millionen Euro übernehmen muss. Wesentliche Gründe dafür seien Baukostensteigerungen, Unvorhersehbares wie Schadstoffe, Versäumnisse in der Vergangenheit oder unvollständige Unterlagen aus früheren Umbauten.

Vor allem der Dachstuhl, der in einem wesentlich schlechteren Zustand als angenommen war, habe zur erneuten Kostensteigerung geführt. Zugleich sind aber auch die Fördermittel von 4,7 auf 5,7 Millionen Euro gestiegen – und könnten sich noch weiter erhöhen.

Unverständlich war für Grünen-Stadtrat Wilfried Schott die Kostensteigerung von 9,4 Millionen Euro im März dieses Jahres auf 10,8 Millionen Euro im Mai: »Ich fühle mich schon hintergangen, es muss doch im März schon klar gewesen sein, dass die neun Millionen Euro unrealistisch sind«.

Oberbürgermeister Christian Kegel (SPD) gab zu bedenken, dass bei einer historischen Bausubstanz, wie sie die Klosterkirche ist, »keiner die Endkosten voraussagen kann«. Auch wenn die Kostensteigerung nicht erfreulich ist, müsse man »den großartigen Wert der Klosterkirche« am Ende sehen. Stadtbaumeister Klaus Hechfellner ergänzte: »Auch die Zimmerer waren erschrocken von dem, was sie gesehen haben. Aber wir sind mit der Baustelle in besten Händen bei dem Architekturbüro Färbinger«. Die Kostenaufstellung sei sehr detailliert.

»Wahnsinnig komplexe Baustelle«

»Klar wird das immer teurer, aber wir hätten auch nicht anders entschieden, wenn wir das von Anfang an gewusst hätten«, gab zweiter Bürgermeister Hans Zillner (CSU) zu bedenken. »Das ist einfach eine wahnsinnig komplexe Baustelle«, ergänzte Kegel.

»Wir hatten Glück, dass uns das Kirchendach nicht davon geflogen ist«, sagte er. Zillner wiederum machte deutlich, dass die dringend notwendige Dachsanierung ja der Einstieg in die letztlich beschlossene Sanierung war.

Dr. Christian Hümmer mahnte, man habe bei der Kostenentwicklung »die Fahnenstange erreicht« und brachte eine Kostendeckelung ins Spiel. Kegel verteidigte das Architekturbüro: »Detailreicher können Anlagen nicht sein. Aber ich kann den Zustand eines Dachs nicht einschätzen, bevor ich's aufmache und reingehe.« Und Gerhard Spiegelsberger ergänzte. »Es wusste auch niemand, wie die Vorgänger entgegen der Vorgaben gearbeitet haben.«

»Kultur kostet Geld, nicht nur in Traunstein«, sagte dritte Bürgermeisterin Waltraud Wiesholler-Niederlöhner und kritisierte, dass »immer nur das Negative an der Klosterkirche gesehen und immer nur gejammert wird«.

Das Architekturbüro empfahl, die Cateringküche zum Preis von 16 100 Euro an die Firma Jobst Wohnwelt aus Traunreut zu vergeben – dem folgten Finanzausschuss und letztlich auch der Stadtrat. Ein Nachtrag von 107 900 Euro sei begründet mit der Begradigung unebener Fundamente. Aufgrund der schlechten Bausubstanz mussten die Wände des Südflügels zusätzlich verspannt werden. Eine denkmalgeschützte Mauer musste abgetragen und wieder aufgebaut werden. Der Sims ist baufällig und teilweise sofort eingestürzt; die Schwellen wurden gesichert und werden neu aufgebaut.

Nachtragsforderung abgelehnt

Abgelehnt wurde dagegen die Nachtragsforderung einer Firma über 59 500 Euro. Die Firma sei stets auf mögliche Verzögerungen hingewiesen worden. Zugestimmt wurde dagegen dem Nachtrag von 31 700 Euro wegen der Standzeitverlängerung des Krans für die Arbeiten auf dem Kirchendach voraussichtlich bis November. Auch der Nachtragsforderung der Zimmerei über 92 570 Euro stimmten Finanzausschuss und Stadtrat zu.

Erst bei Offenlegung des Westdachs stellte das Ingenieurbüro Brandl den Gesamtschaden fest. Die Kostensteigerung sei bereits nach Öffnung des Kirchendachs Ost vorangemeldet worden, da bereits auf der wetterabgewandten Seite nicht vorab zu kalkulierende Schäden dokumentiert wurden, hieß es.

Mit 21:3 Stimmen gab der Stadtrat – wie bereits zuvor schon der Finanzausschuss – schließlich grünes Licht für die beantragten Nachträge.

Verschiedene Gewerke vergeben

Wie zuvor der Finanzausschuss stimmte auch der Stadtrat der Vergabe der Pflanzarbeiten für 30 900 Euro an die Firma Sporn aus Grabenstätt, der Schlosserarbeiten (Geländer, Zäune) für 35 400 Euro an die Firma Haistracher aus Traunstein und des Gartenhauses für 16 700 Euro an die Firma Holzbau Wernberger, Traunstein, zu.

Das Gewerk Freianlagen Tiefbau sei wegen überhöhter Preise aufgehoben worden. Derzeit werde die erneute EU-weite Ausschreibung vorbereitet. Dennoch sei die Fertigstellung der Außenanlagen im August 2019 einzuhalten. coho/vew