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Kober mit Kugel-Gold - Basketball-Rollis im Finale

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Birgit Kober stößt die Kugel auf Weltrekordweite. Foto: Kerim Okten Foto: dpa

London (dpa) - Paralympics-Debütantin Birgit Kober hat mit einem Weltrekord im Kugelstoßen das 14. deutsche Gold geholt. Schon der erste Versuch saß: Mit 10,25 Metern verbesserte die Münchnerin ihre eigene Bestmarke und konnte den Wettkampf vor 80 000 Zuschauern danach lachend genießen.


Schon im Speerwurf hatte die 31 Jahre alte Rollstuhl-Fahrerin mit den Koordinationsstörungen eine neue Bestmarke gesetzt und triumphiert. «Ich hatte mir das schon ein bisschen gewünscht», meinte die Sportlerin zu ihrem Doppel-Coup und meinte mit einem breiten Grinsen: «Ganz großes Kino!»

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Dritte über 200 Meter wurde am Donnerstagabend im Olympiastadion Sprinterin Katrin Green aus Leverkusen. Die Arena zum Beben brachte Lokalmatador Jonnie Peacock, der den 100-Meter-Sprint gewann und dabei auch Superstar Oscar Pistorius schlug. Der Südafrikaner, der sich über die kurze Strecke wenig Chancen ausgerechnet hatte, verpasste bei seinem dritten Start als Vierter sogar eine Medaille.

Eine große Party gab es beim Basketball: Vier Jahre nach Silber in Peking greifen die deutschen Frauen nach Gold. Mit einem fulminanten Schlussspurt setzte sich das Team von Trainer Holger Glinicki 49:46 gegen die Niederlande durch. Die deutsche Fangruppe in der North Greenwich Arena feierte lautstark. An diesem Freitag (22.00 Uhr) treffen die Deutschen auf Australien. «Silber nervt!», sagte Marina Mohnen und gab damit die Marschrichtung für das Finale aus.

«Wir sind leichter Favorit», meinte Basketball-Coach Glinicki, «unsere Chancen stehen 60:40.» Australien liege dem deutschen Spiel, meinte er. Vor allem die Press-Verteidigung sei «eigentlich eine Einladung», fand er. In der Offensive seien die Australierinnen nicht so stark, was Glinicki zur einfachen Formel brachte: «Wenn wir mehr als 50 Punkte machen, gewinnen wir das Match.»

Zuvor hatte es am achten Wettkampftag vier Silbermedaillen für das deutsche Team in der britischen Hauptstadt gegeben. Die Radsportler Steffen Warias und Denise Schindler sorgten für die Medaillen acht und neun in den Straßenwettbewerben. «Ich bin überglücklich und möchte mich vor allem bei meinem Team bedanken, das mich so toll unterstützt hat», sagte der 27-Jährige, der bei seiner Premiere seine erste Medaille gewann. Im Sprint nach 64 Kilometern musste er sich nur dem Italiener Roberto Bargna geschlagen geben. Vorjahresweltmeisterin Schindler musste nach 48 Kilometern nur der Chinesin Zeng Sini den Vortritt lassen.

Die Segler Heiko Kröger und Jens Kroker wurden in ihren Disziplinen ebenfalls Zweite. Wegen Flaute wurde am Donnerstag die elfte Wettfahrt gestrichen. «Ich habe gehofft und gedacht, dass diese Medaille möglich ist. Wir haben es in den letzten Wochen auf den Punkt gebracht und hatten einen sehr guten Plan. Der ist voll aufgegangen», sagte der 46 Jahre alte Kröger aus Jersbek in Schleswig-Holstein der Nachrichtenagentur dpa.

Dem Paralympics-Sieger von 2000 fehlt ein Unterarm. Während Kröger im 2.4mR-Kielboot unterwegs ist, wurde der an der Hand gehandicapte Berliner Kroker im Drei-Mann-Boot Sonar mit seiner Crew Siegmund Mainka und Robert Prem Zweiter. Vor vier Jahren hatte er in Peking gewonnen.

Der neue Paralympics-Star Alessandro Zanardi wirkte auch Stunden nach seinem Erfolg im Handbike noch sehr gerührt. In der ARD berichtete der Italiener - neben insgesamt 909 erhaltenen Glückwunsch-SMS - vom Anruf seines 13-jährigen Sohnes. «Kinder sind ja anders, er interessiert sich nicht immer dafür, wenn ich im Fernsehen bin. Aber dieses Mal hat er mir genau erklärt, wie ich das Rennen gefahren bin und wollte mir damit sagen: Ich bin stolz auf dich, weil du mein Vater bist und nicht, weil du Gold gewonnen hast». Noch beim Erzählen bekam der Ex-Formel-1-Pilot eine Gänsehaut.

Wenig erfolgreich verlief der Tag für Schützin Manuela Schmermund. Sie landete mit dem Gewehr nur auf Rang fünf. Rollstuhl-Tennisspielerin Sabine Ellerbrock verpasste durch ein 2:6, 6:7 (6:8) im kleinen Finale gegen Jiske Griffioen aus den Niederlanden Bronze. Die Sitzvolleyballer spielen nach der glatten 0:3-Niederlage am Samstag gegen Bosnien-Herzegowina um Bronze.