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»Kommet ihr Hirten«

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Drittklässler aus Bischofswiesen, die sich auf ihre Erstkommunion vorbereiten, studieren fleißig ein Krippenspiel für den Weihnachtsgottesdienst ein. (Foto: Dieter Meister)

Bischofswiesen – Das Krippenspiel ist eine traditionelle szenische Darstellung der Weihnachtsgeschichte, die von der Geburt Jesu handelt. Aufgeführt wird das Krippenspiel meist an Heiligabend in der Kirche, wobei es auch in die Christvesper eingebunden werden kann. In Regionen mit überwiegend evangelischen Christen ist es vermutlich häufiger anzutreffen, aber auch in katholischen Kirchen zu Hause. Darsteller sind in der Regel Kinder der Gemeinde. In Bischofswiesen sind es Drittklässler, die sich auf ihre Erstkommunion vorbereiten. Bis zum Heiligabend wird noch geprobt.


Heidi und Simon schreiten durch den Mittelgang der St.-Nepomuk-Kirche, übergeben gelegentlich das Mikrofon an den anderen. Ihre gesprochenen Sätze schweben mit leichtem Hall durch die fast menschenleere Kirche. Das Publikum bilden nur die anderen Mitspieler und einige Betreuerinnen vom Kindergottesdienst-Team Winkl.

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Heidi und Simon sind auf der Suche nach einer Herberge für die Nacht. Als Maria und Josef natürlich, die sie im Krippenspiel darstellen. Am Heiligabend soll es aufgeführt werden. Jetzt ist Probe. Und alle scheinen hoch konzentriert bei der Sache. Die Erstkommunionkinder von Bischofswiesen studieren ihr Krippenspiel ein, die klassische Fassung, die traditionell mit der Herbergssuche beginnt. Endlich wird dem Paar Einlass gewährt. Im spartanischen Stall vor dem Altar warten bereits Ochs und Esel auf die neuen Gäste. Seitlich davor wärmen sich die Hirten am Feuer, in Gesellschaft eines Schafes auf Stelzenbeinen. Ausgestreckt mit den Beinen zur Wärme hat es sich ein Plüschhund behaglich gemacht. Gemeindereferentin Birgit Hauber schaut auf das Probengeschehen von einem erhöhten Platz im Hintergrund. Bei dramaturgischen Höhepunkten wird sie Teil des Spiels und singt mit angenehmer Stimme.

Jetzt verkünden zwei schüchterne Engel die Geburt des Jesuskindes und gleich kommt Bewegung in die Schar der Hirten. »Fürchtet euch nicht«, ein Kind ist geboren und man will es besuchen und natürlich Geschenke mitbringen. Macht man so, hat man immer schon so gemacht.

Alle sind nun im Stall, umringen das Wunder der Weihnacht und lassen ihrer Freude freien Lauf. Die Besucher der Christmette, davon darf man ausgehen, kennen den Inhalt des Krippenspiels, aber es ist anders, vielleicht feierlicher und anheimelnder, wenn die Geschichte szenisch dargestellt wird anstatt nur mit würdevollem Ausdruck vorgelesen.

Eigentlich sitzt der Text schon gut bei allen Darstellern, bei den Engeln und den Hirten. Nur die Suche nach der richtigen Stelle, wann der wichtige Satz kommen soll, da müssen die Helferinnen noch Hilfestellung leisten und auch die Stichworte liefern für die nicht anwesenden Darsteller.

Alles auf Anfang, kurze Pause und dann wieder von vorn. Maria und Josef schreiten durch den Mittelgang, sie sind auf Herbergssuche. Aber das hatten wir schon.

Beim ersten Interview ihres jungen Darstellerlebens sind Simon und Heidi zurückhaltender als zuvor noch im Spiel. Die freundliche Frau vom Kindergottesdienst-Team eilt auch hier zur Hilfe: »Weil ihr gern Theater spielt?« Die Hauptdarsteller schweigen, nicken aber eifrig. Das ist wohl in Ordnung, man lernt nicht früh genug, sich auf das Wesentliche und Wichtige zu konzentrieren.

Dieter Meister