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»Kommt die Zeit, geh ich doch wieder mit«

Zum 61. Mal richtete die Trachtenmusikkapelle Maria Alm seit der Wiederbelebung der alten Tradition 1951 diese beliebte Veranstaltung aus. Ihre Wurzeln reichen bis in die Pestzeit in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts zurück. Nach dem Aufbruch frühmorgens in Maria Alm feierten die Wallfahrer beim Riemann-Haus mit Dechant Roland Grasser aus Saalfelden eine Bergmesse. An der früheren Grenze bat nach altem Brauch der Maria Almer Bürgermeister Alois Gadenstätter um Einlass ins »Boarische Land«. Der frühere Polizei-Pressesprecher Franz Sommerauer, nun Vize-Polizeichef in Berchtesgaden, gewährte diesen erstmals in Vertretung von Günther Adolph. Später tischte er mit seinen Kollegen der Kapelle Würstel auf und dirigierte am Kärlinger Haus seinen ersten Ehrenmarsch. »Die Musikanten haben gesagt, der kann’s ja fast besser als unser Dirigent«, scherzte Dieter Hillebrand. Der ehemalige Leiter des Polizeipräsidiums Oberbayern war schon neun Mal dabei, »weil mir das da oben so gut gefällt, die Feierlichkeiten, die Kameradschaft und die Tradition«.

Nach dem langen Abstieg über die »Saugasse« genossen viele am Königssee-Kiesstrand ein erfrischendes Bad im gefühlt gut 20 Grad warmen Wasser. Das Boot der »Holzknechte« des Nationalparks Berchtesgaden mit Musikanten und einem Fass Bier an Bord legte an, und Nationalparkleiter Dr. Michael Vogel schenkte den Wallfahrern die ersten Halben ein.

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Nun war genug Zeit, vor der Abendandacht in der Wallfahrtskapelle St. Bartholomä ein bisschen zu ratschen. Schon seit fünf Jahren mitgehen wollte Theresa Obermaier (20) aus Bad Feilnbach. »Ich war total motiviert«, verriet sie. Nun hatte es endlich geklappt. Ein bisschen ging ihr das gemeinsame Beten ab. »Ich gehe immer mit den Oberlandlern von Rosenheim nach Altötting. Da wird durchgebetet«, erzählte sie. Am meisten Spaß machte ihr das unentwegte Singen mit ihrer Freundin in der Saugasse. Die Bergmesse und das »ganze Drumrum«, das Steinerne Meer und die vielen Gleichgesinnten fanden Matthias Parzinger (17) aus Bergen und sein Freund Georg Huber (20) aus Bad Feilnbach »bärig«.

Schon von weitem fiel der Münchner Johann (56) auf, der ein schweres Kreuz mit einer Christusfigur mit unzähligen Wundmalen mittrug. »Das ist ein mystisches Kreuz von einem Osttiroler Apostolat«, erklärte er. Es steht für ihn für unendliche Barmherzigkeit. »Es ist wirklich schön, dass diese Heimat so natürlich erhalten ist. Das ist ein Kleinod, eine fantastische Kulisse der Steinformationen«, schwärmte der Gärtner.

Das Gemeinschaftserlebnis steht für andere im Mittelpunkt, so auch für die Musikanten wie Christina Breitfuß (21), als Flötistin schon zum neunten Mal dabei. Auch die Natur und das Weisenblasen gefallen ihr. Nachdem sie schon einige Jahre als einfache Wallfahrerin dabei war, ging Vanessa Klausner (16) erstmals als Musikantin mit. »Das ist noch schöner«, erzählte sie strahlend. »Man ist live dabei, mittendrin und lernt die Leut’ ein bisserl kennen.«

An eine Anekdote kann sich der erfahrene Bariton-Spieler Richard Arnold erinnern: Vor Jahren habe es einmal ein solches Regenwetter gehabt, dass die Musikanten die Krempen ihrer Hüte nach unten klappten und ihre langen Mäntel fest zuzogen. »Wir müssen schon lustig ausgeschaut haben. Da hat eine Reporterin gefragt, ob wir Mönche sind.« Der rüstige 84-jährige Klaus Morocutti, der vor Georg Imlauer von 1980 bis 2002 als »Vorgeher« mit dem Pilgerstab mit Blumenbuschen die Wallfahrer anführte, hatte schon öfter mit dem Gedanken gespielt, nicht mehr mitzugehen. »Kimmt dann die Zeit, geh’ i doch wieder mit.«

Das Begrüßungskomitee am See bildeten unter anderem die drei Schönauer Bürgermeister, Gemeinderäte, Schifffahrts-Chef Walter Stürzl, der später im Ruhestand ebenfalls wallfahrten will, der Nationalpark- und der Polizeichef, Königssee-Fischer Thomas Amort und der Untersteiner Pfarrer Pater Benno. Dessen Mitbruder Pater Kajetan war in Kutte tapfer mit marschiert. Beim feierlichen Einzug zur Abendandacht besprengte Pater Benno die Wallfahrer mit Weihwasser. Mit Dankgebeten und Liedern klang der erlebnisreiche Tag aus. vm