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»Kommunalpolitik darf kein Parteiengezänk sein«

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Das Zugpferd der Marktschellenberger SPD: Thomas Jander kandidiert für das Amt des Bürgermeisters. Foto: privat

Marktschellenberg – Er hat Erfahrung, Fachkompetenz und den nötigen Ehrgeiz. Deshalb kandidiert Thomas Jander (SPD) nach 2008 erneut für das Bürgermeisteramt in Marktschellenberg. Und das mit erst 37 Jahren. »Das ist doch ein ausgezeichnetes kommunalpolitisches Alter«, findet der Sozialdemokrat. Und lacht lauthals los. Der Mann hat ein ansteckendes Lachen. Bei einigen Themen in seiner Heimatgemeinde vergeht es ihm allerdings.


Thomas Jander ist riesig. Ein Hüne, ein Heavy-Metal-Fan, tätowiert, mit einem Faible für betont legere Kleidung. Metallica-Shirt statt Armani-Hemd. Ein Kumpel-Typ mit kräftigem Händedruck. Aber berufsbedingt auch ein profunder Kenner des kommunalen Verwaltungsrechts, gelernter Journalist und liebevoller Familienvater. Seine Hobbys sind Konzerte, Kochen, amerikanische Kultkarren und: Kommunalpolitik. Als Sozialdemokrat hält er einsam die Stellung im Marktschellenberger Gemeinderat.

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Bereits 2008 hat Jander für das Bürgermeisteramt in Marktschellenberg kandidiert. Nach langen Überlegungen und Diskussionen in der Familie stellt er sich diesmal erneut zur Wahl. »Warum auch nicht«, sagt der 37-Jährige selbstbewusst. »Ich bringe Erfahrung mit und erfülle die nötigen Voraussetzungen.« Er will sich den Herausforderungen in seiner Heimatgemeinde stellen. Und davon gibt es laut Jander genug. »Wir brauchen einen Dorfladen, ein Wirtshaus im Markt und einen bewirteten Veranstaltungssaal«, so der SPD-Kandidat. Es müsse dringend etwas weitergehen. Da ärgert es ihn schon, dass das Ortsentwicklungskonzept seit eineinhalb Jahren in einer Schublade im Rathaus liegt. Immerhin wäre es die ideale Vorlage für den neuen Flächennutzungsplan.

Wenn Thomas Jander über Marktschellenberg spricht, gerät er ins Schwärmen. »Es ist einfach super. Man kennt sich untereinander«, sagt er. »Es ist eigentlich alles da, was man braucht. Und das, was fehlt, muss her.« Zum Beispiel Wohnraum. Da gelte es, Leerstände zu beseitigen und Bauland zu finden. Toll findet Jander beispielsweise auch das Schwimmbad. Das sei »bekannt und beliebt«. Allerdings müsse man sich hier Gedanken über eine energetische Sanierung machen. Auch in die Schule müsse investiert werden. Vielleicht auch in eine neue Turnhalle.

Doch Thomas Jander hält es für falsch, sich auf einzelne Maßnahmen zu versteifen. Man müsse das Ganze im Blick behalten. »Wir fahren viel zu sehr auf Sicht«, ärgert sich der SPD-Kandidat. Zum Beispiel würde ein Dorfladen langfristig der ganzen Gemeinde helfen. Er würde den Ort attraktiver machen. Das würde mehr Einwohner bringen. Und die wiederum würden mehr Steuern in die Kasse spülen.

Denn das Geld sei das große Problem in Marktschellenberg. »Unser Haushalt ist nicht so toll«, weiß Jander. Nur kleinteiliger Tourismus, kaum Gewerbe, kaum Einnahmen. Ideen müssen her und dann umgesetzt werden.

Und die Weichen richtig stellen kann nach Janders Ansicht nur der Gemeinderat. Das ganze Gremium müsse zusammenarbeiten, um das Beste für den Ort zu erreichen. Debatten solle es nur über Sachthemen geben. »Für Parteiengezänk ist in der Kommunalpolitik kein Platz«, stellt der SPD-Kandidat klar. »Im Gemeinderat sitzen 13 Leute, die sich Gedanken um den Ort machen sollen. Gewählte Personen aus dem Ort für den Ort.« Sie seien in gewisser Weise Dienstleister. Genauso wie der Bürgermeister ein Dienstleister für die Gemeindebürger sei.

Das schlechte politische Klima in seiner Heimatgemeinde mache Thomas Jander schon zu schaffen. Wobei er nicht den Gemeinderat dafür verantwortlich macht. »Diese Stimmungsmache kommt von außen«, ist er sich sicher. Doch müsse es jedem demokratisch denkenden Menschen klar sein, dass jeder das Recht habe, anderer Meinung zu sein. »Wobei es dann natürlich mühsamer ist, eine Lösung zu finden«, lacht der SPD-Mann.

Um optimale Lösungen zu finden, wünscht sich Thomas Jander einen höchstmöglichen Informationsfluss im Gemeinderat. Und ehrliche, parteiübergreifende Zusammenarbeit genauso wie regelmäßige Treffen der Fraktionssprecher und deren Stellvertreter. »Das ist wichtig für eine gute Zusammenarbeit«, sagt Jander. Schön würde er es auch finden, wenn die Gemeinderäte gedruckte Sitzungsvorlagen mit der Einladung erhalten würden. Um sich besser vorbereiten zu können.

Der SPD-Mann fände es ebenfalls gut, wenn die Schellenberger Belange deutlicher und offensiver nach außen vertreten werden würden. »Zum Beispiel beim Kongresshaus-Neubau«, findet Jander.

Dass die Ermittlungen gegen Bürgermeister Franz Halmich die Zusammenarbeit nicht gerade verbessert haben, will Jander nicht leugnen. Aber: »Ich maße mir nicht an, einen Vorgang zu bewerten, für den Juristen fast ein Jahr gebraucht haben.« Den großen Skandal in Marktschellenberg könne Thomas Jander allerdings nicht feststellen. »Wenn es wirklich so mies wäre, würden mehr Zuschauer zu den Gemeinderatssitzungen kommen«, so der SPD-Kandidat.

Sollte Thomas Jander zum Bürgermeister gewählt werden, würde er sich beruflich drastisch einschränken. Denn er weiß: Dieses Amt ist sehr arbeitsintensiv. Gespräche mit seinem Arbeitgeber, dem Landratsamt Berchtesgadener Land, habe er bereits geführt. Er wolle dann dort in Teilzeit mit deutlichem Schwerpunkt auf seine Aufgaben im Schellenberger Rathaus arbeiten. »Ich würde meine Arbeitszeit im Landratsamt so weit wie möglich reduzieren«, verspricht der SPD-Kandidat.

Im Wahlkampf habe Thomas Jander bewusst auf Sachthemen gesetzt. Und bewusst auf Werbegeschenke verzichtet. »Bei mir gibt es keine Schokolade, keine Feuerzeuge und auch keinen Frauenfrühschoppen«, lacht der Hüne mit den Tattoos. »Ich hatte als Gemeinderat schließlich sechs Jahre lang Zeit, die Wählerinnen und Wähler mit meiner Arbeit zu überzeugen.« Christian Fischer