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Kommunalwahl bringt deutliche Veränderungen: Parlamente im Talkessel werden grüner

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Traunsteiner Stadtrat wird größer: Sieben Parteien und Gruppierungen ziehen ein
Die neue Sitzverteilung im Marktschellenberger Gemeinderat.

Berchtesgadener Land – Bis auf eine Ausnahme blieben am Sonntag bei den Bürgermeister- und Gemeinderatswahlen im Berchtesgadener Talkessel die großen Überraschungen aus. Nur die Marktschellenberger haben beim Urnengang ihr Kommunalparlament völlig über den Haufen geworfen. Sie wählten den seit zehn Jahren amtierenden Bürgermeister Franz Halmich ab und hievten den bisherigen Marktschellenberger Geschäftsleiter Michael Ernst mit seiner neu gegründeten Bürgerliste auf den Chefsessel im Rathaus.


Überblick über künftige Gemeinderäte:

Die Bürgerliste holte auch auf Anhieb vier Gemeinderatssitze, während die FWG von vier auf nur noch zwei Sitze geradezu abstürzte. Wenig Freude wird man auch bei der Berchtesgadener CSU verspüren, die zwei Sitze auf künftig nur noch sieben verlor, während die Grünen nun mit vier Mandatsträgern (bisher drei) im Kommunalparlament sitzen. Auch Schönau am Königssee und Bischofswiesen werden grüner.

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Dass die CSU in Berchtesgaden nicht mehr ganz so stark ist wie noch vor sechs Jahren, zeigte sich schon bei der Bürgermeisterwahl. Franz Rasp gewann zwar deutlich mit 57,1 Prozent, büßte aber gegenüber dem Ergebnis von 2014 (65,71 Prozent) doch deutlich ein.

Das spiegelt sich nun auch in der Zahl der CSU-Gemeinderäte wider, die von neun auf sieben gesunken ist. Noch schlimmer traf es die SPD, die künftig nur noch mit einem Mandatsträger (bisher zwei) im Marktgemeinderat Berchtesgaden vertreten ist. Profitiert haben davon die anderen Parteien und Gruppierungen. Erstmals stellt beispielsweise Bündnis 90/Die Grünen in Berchtesgaden vier Mandatsträger, bisher waren es drei.
Die Anzahl der Gemeinderäte von den Freien Wählern stieg von fünf auf sechs und die Berchtesgadener Bürgergruppe ist nun mit zwei Lokalpolitikern anstatt bisher einem im Gemeinderat vertreten. Insgesamt tauchen in Berchtesgaden gleich acht neue Gesichter im Gemeinderat auf. 

In Schönau am Königssee war der Wahlsieg von Bürgermeister Hannes Rasp (CSU) ungefährdet. 81,97 Prozent holte er gegen seine Mitbewerberin Sabine Kruis von den Grünen. Dennoch verlor auch seine Partei im Gemeinderat, sodass die CSU in Schönau am Königssee jetzt nur noch acht Mandatsträger (bisher neun) stellt.
Einen Sitz verloren haben auch die Freien Wähler, deren Gruppe um einen Sitz auf sieben geschrumpft ist. Anders bei den Grünen. Die Öko-Partei gewann in Schönau am Königssee gleich zwei Sitze hinzu und stellt künftig ganze drei Gemeinderäte. Auch das gab es in Schönau am Königssee noch nie. Die SPD ist unverändert mit zwei Gemeinderäten vertreten. Insgesamt gibt es in der Gemeinde sieben neue Volksvertreter.

In Bischofswiesen ließen die Wähler keinen Zweifel daran, dass sie mit Bürgermeister Thomas Weber (CSU) in die nächsten sechs Jahre gehen wollen. Weber bekam trotz zweier Gegenkandidaten 66,91 Prozent der Stimmen und setzte sich damit klar gegen Michael Sturm (Grüne) und Josef Angerer (SPD) durch.
Gleichzeitig muss Thomas Weber im Gemeinderat aber den Verlust eines CSU-Sitzes verkraften, die Partei stellt jetzt nur noch acht Mandatsträger. Der Sitz ging an die Grünen, die jetzt mit drei Gemeinderäten im Gremium sitzen. Unverändert ist die Situation bei den anderen Parteien und Gruppierungen: Freie Wähler 4, SPD 3 und UBB 2. Sieben neue Gesichter tauchen insgesamt im Bischofswieser Kommunalparlament auf. 

Die größte Veränderung bei den Gemeinderäten im Berchtesgadener Talkessel wird es ab dem 1. Mai im Marktgemeinderat Marktschellenberg geben. Gleich im ersten Wahlgang setzte sich Michael Ernst mit seiner neu gegründeten Bürgerliste gegen den amtierenden Bürgermeister Franz Halmich von den Freien Wählern durch. 59,36 Prozent der Stimmen entfielen auf den Noch-Geschäftsleiter der Marktgemeinde Marktschellenberg, der damit seinen bisherigen Chef aus dem Amt wirft.
Dass das Vertrauen der Wähler in die Freie Wählergemeinschaft stark gesunken ist, zeigt sich auch an der künftigen Besetzung des Marktgemeinderats. Die Zahl der FW-Sitze sank von vier auf nur noch zwei, während die neue Bürgerliste auf Anhieb mit vier Sitzen im Kommunalparlament vertreten ist. Die Ländliche Wählergemeinschaft verlor ein Mandat auf künftig zwei.
Unverändert blieben die CSU mit drei Sitzen und die Grünen mit einem Sitz. Und die SPD wird mindestens sechs Jahre lang keine politische Mitgestaltungsmöglichkeit mehr in Marktschellenberg haben, denn die Partei verlor nun auch ihr einziges Mandat. Neben Bürgermeister Michael Ernst wird es in Marktschellenberg sechs neue Gesichter im Gremium geben. 

Der Fels in der Brandung war bei den diesjährigen Kommunalwahlen die Gemeinde Ramsau. In der Nationalparkgemeinde gab es die größte Konstanz aller Talkessel-Kommunen. Den einzigen Bürgermeisterkandidaten Herbert Gschoßmann wählten 86,34 Prozent und auch die Gemeinderatsbesetzung bleibt im Wesentlichen unverändert.
Neu ist nur, dass die Freien Wähler diesmal eine Listenverbindung mit den Grünen eingingen. Die holte insgesamt fünf Sitze. Vor sechs Jahren waren es für die Listenverbindung Freie Wähler/Ramsauer Wahlblock genauso viele. Und die CSU kam wie im Jahr 2014 wieder auf sieben Sitze. Doch immerhin gibt es auch aus der Ramsau ein paar Veränderungen zu vermelden: Fünf Gemeinderäte sind neu im Gremium und außerdem sind künftig auch zwei Frauen vertreten. Bislang war das Ramsauer Kommunalparlament nämlich rein männlich. Weiblicher werden aber auch die anderen Gremien. Der Frauenanteil im südlichen Landkreis verdoppelte sich von bislang neun auf künftig 18. 

Die Wahlbeteiligung war in Schönau am Königssee mit 70,0 Prozent am höchsten. Dahinter folgen Marktschellenberg mit 69,65 Prozent, Ramsau mit 68,7 Prozent, Berchtesgaden mit 57,76 und Bischofswiesen mit 55,92 Prozent.

Ulli Kastner