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Kompromiss »mit etwas Bauchweh«

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Jeder musste beim Jennerbahn-Projekt etwas nachgeben. Immerhin erzielten Rita Poser, Kreisvorsitzende des Bund Naturschutz, und Bürgermeister Hannes Rasp aus Schönau am Königssee einen akzeptablen Kompromiss. (Foto: Kastner)

Schönau am Königssee – Balzende Birkhühner, nahrungssuchende Apollofalter und wichtige Lawinenschutzwälder – der Naturschutz macht es den Verantwortlichen beim geplanten Neubau der Jennerbahn nicht leicht. Mit der Planungsreduzierung bei der Mittelstation hatten die Naturschutzverbände, allen voran der Bund Naturschutz, bereits einen Erfolg erzielt. Jetzt gibt es auch bei den restlichen Streitpunkten, vor allem in Punkto Baustraße, einen Kompromiss. Den erläuterten jetzt auf Anfrage des »Berchtesgadener Anzeigers« Bürgermeister Hannes Rasp aus Schönau am Königssee und Rita Poser, Kreisvorsitzende des Bund Naturschutz, gemeinsam.


Aktueller Streitpunkt war in erster Linie die geplante Baustraße zur Bergstation. Die halten die Berchtesgadener Bergbahn AG (BBAG), aber auch Bürgermeister Hannes Rasp, für unabdingbar. Vorgesehen ist, die bisherige Straße um rund einen Meter zu verbreitern. Aufgrund des steilen Geländes unterhalb der Bergstation ist der Bau einer Kehre notwendig, die allerdings bereits im Nationalpark liegt. War der Bund Naturschutz ursprünglich noch strikt gegen die Baumaßnahme im Nationalpark, so findet sich der Naturschutzverband jetzt damit ab. »Nach einer Umplanung sind nun keine Sprengungen mehr notwendig, es handelt sich lediglich um eine Auffüllung. Und die Kurve muss später rückgebaut werden«, erläutert Rita Poser. Zur Sicherheit gibt es eine Bankbürgschaft, damit notfalls der Freistaat Bayern die Kurve rückbauen lassen kann.

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Sorge um die Birkhühner

Ein Dorn im Auge waren dem Bund Naturschutz auch die umfangreichen Auffüllungen zwischen Jennerbahn-Bergstation und Bergstation der Jennerwiesenbahn unterhalb des Grates. Aus dem Aushubmaterial der Bergstation sollte hier teilweise eine neue Piste geschaffen werden. Dieses Vorhaben lässt man bei der BBAG fallen. Ohnehin muss nun nicht mehr so viel Aushubmaterial untergebracht werden, weil man bei der Bergstation deutlich abgespeckt hat. Für den Bund Naturschutz ist das ein beachtlicher Erfolg, weil sich in diesem Bereich Balzplätze für Birkhühner befinden.

Nicht abrücken will die BBAG aber von dem geplanten Auffüllbereich unterhalb der Jennerwiesen-Bergstation. »Wir brauchen das Gelände, um das anfallende Aushubmaterial unterzubringen«, sagt Hannes Rasp. Der betont aber auch, dass sich die Aushubmenge deutlich reduziert habe. Der Bund Naturschutz will dies in Kauf nehmen. »Aber mit Bauchschmerzen«, wie Rita Poser betont. Denn auch hier befinden sich Balzplätze für Birkhühner. »Man muss sehen, wie sich das entwickelt. Aber wenn die Tiere einmal weg sind, dann kommen sie nicht wieder«, weiß Rita Poser.

Hannes Rasp und Rita Poser betonen unisono, dass offene und ehrliche Gespräche zu dieser Kompromisslösung geführt hätten. Dennoch bedauert die BN-Kreisvorsitzende, dass bei solchen Projekten oft zu wenig auf den Naturschutz geachtet werde. Sie nennt als Beispiel die Sorge um den streng geschützten Apollofalter. Der findet im Bereich zwischen Tal- und Mittelstation im Felsgelände oberhalb der Querung Nahrung im sogenannten Weißen Mauerpfeffer. Ausgerechnet dort muss aber eine Stütze gebaut werden. Rita Poser bedauert, dass sich bei den Projektverantwortlichen bislang niemand darum gekümmert habe.

»Wir mussten ja zuerst sehen, ob unser Bauvorhaben überhaupt genehmigungsfähig ist«, verteidigt sich Bürgermeister Hannes Rasp. Nachdem es jetzt sehr gut aussehe, werde man sich darum kümmern. Geplant ist, den Weißen Mauerpfeffer auszugraben und um rund 150 Meter zu versetzen. Man hofft, dass sich der Apollofalter damit zufrieden geben wird.

Rasp: »Ich verstehe die Argumente«

Und Bürgermeister Rasp erinnert daran, dass man das Vorhaben, die Mittelstation inklusive Gastronomie und Kinderland am neuen Beschneiungsteich zu bauen, aufgrund der Einwendungen der Naturschutzverbände aufgegeben habe. »Ich verstehe die vom Naturschutz vorgebrachten Argumente, mir leuchtet das ein«, betont Rasp. Wenngleich er die Gastronomie sehr gerne am Beschneiungsteich angesiedelt hätte, hält der Rathauschef auch die jetzige Lösung mit der Beibehaltung des bisherigen Standorts für gut. Für die Naturschutzverbände ist vor allem von Bedeutung, dass der Lawinenschutzwald in diesem Bereich unangetastet bleibt.

»Wir werden aufgrund des Kompromisses auf eine Klage verzichten«, sagt Rita Poser, die durchaus Verständnis für die Neubaupläne hat. »Kein Verständnis« hat sie aber für die Größe der Objekte, vor allem der Tal- und Bergstation – trotz der bereits erfolgten Reduzierung. Das Wort »Zustimmung« will Rita Poser deshalb für ihren Verband nicht in den Mund nehmen.

Die neue Bahn fährt ab der Sommersaison 2018

»Alle Unterlagen sind jetzt so, dass es eigentlich passen müsste«, sagt Bürgermeister Rasp. Der geht davon aus, dass die Regierung von Oberbayern und das Landratsamt noch heuer die Genehmigung ausstellen werden. Dann könnten im Winter bereits erste Rodungsmaßnahmen durchgeführt werden, um »im frühesten Frühjahr« mit den Bauarbeiten zu beginnen. Allerdings stellt Hannes Rasp klar, dass die Sommersaison alleine für die Fertigstellung nicht mehr, wie eigentlich geplant, ausreichen wird. »Dafür hätten wir diesen Herbst noch die Baustraße errichten müssen«, erklärt der Rathauschef. Die Bauarbeiten werden deshalb ein ganzes Jahr dauern und auch noch den Winter 2017/2018 in Anspruch nehmen. Skibetrieb wird dann wohl nur am Krautkaser möglich sein. Zum Beginn der Sommersaison 2018 soll dann die neue Bahn in Betrieb gehen. Ulli Kastner

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