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Kongresshaus-Umbau nicht vor 2014

Berchtesgaden - Was sich bereits abgezeichnet hatte, ist jetzt amtlich: Mit dem Umbau des Kongresshauses Berchtesgaden wird es heuer nichts mehr. Weil eine Ausschreibung so spät im Jahr um 10 bis 15 Prozent höhere Kosten bringen würde, legte der Ausschuss des Zweckverbands Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee den Baubeginn am Donnerstag auf frühestens Mai 2014 fest.

Beim Kongresshaus Berchtesgaden wird vorerst nicht gebaut. Startschuss für das 6-Millionen-Euro-Projekt ist nach dem jüngsten Beschluss des Verbandsausschusses frühestens im Mai 2014. Anzeiger-Foto

Verbandsvorsitzender Stefan Kurz rief in der öffentlichen Sitzung noch einmal die ursprünglich ins Auge gefasste Umbauvariante nach den Vorschlägen von Architekt Duffner in Erinnerung, die 16 Millionen Euro verschlungen hätte. Zwar habe man bei der Regierung von Oberbayern und im Wirtschaftsministerium diese Pläne begrüßt, doch hätte es maximal 3 Millionen Euro Zuschuss dafür gegeben. Daraufhin habe Architektin Eva Wimmer das Projekt auf das Notwendige gekürzt. Nun stünden noch rund 6 Millionen Euro im Raum.

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Nicht richtig angetan von den neuen Plänen waren laut Stefan Kurz zunächst die Verantwortlichen bei der Regierung von Oberbayern. Ihre Sorge war es, dass nach Umsetzung einer kleinen Umbauvariante in einigen Jahren ein erneuter Zuschussantrag kommen werde. Bei einem Gespräch am 21. Februar konnten die Berchtesgadener Verbandsvertreter die Zuschussgeber allerdings davon überzeugen, dass das umgeplante Projekt durchaus sinnvoll sei. »Der Energiebedarf soll deutlich geringer werden, weil wir die Gebäudeteile künftig abgetrennt voneinander nutzen können«, sagte Stefan Kurz. Nun geht man davon aus, dass im Mai der Förderbescheid eintrifft. Man rechnet mit etwa 2,5 Millionen Euro an Zuschüssen.

Den ursprünglich geplanten Baubeginn Anfang Mai wird man freilich nicht einhalten können. Zwar wäre nach Eingang des Förderbescheids eine Ausschreibung und ein späterer Baubeginn möglich. Doch dann würde sich das Projekt wohl verteuern. »Unsere Architektin rechnet so spät im Jahr mit um rund 10 bis 15 Prozent höheren Ausschreibungsergebnissen, weil die Auftragsbücher der Firmen bereits voll sind«, sagte Kurz. Bei reinen Baukosten in Höhe von geschätzt 5 Millionen Euro wären das mindestens 500  000 Euro an Mehrkosten. »Das sollten wir vermeiden und den Baubeginn um ein Jahr auf frühestens im Frühjahr 2014 festsetzen«, so der Verbandsvorsitzende, der dabei den Mai nächsten Jahres im Visier hat.

Weil es zum Baubeginn im Beschlussvorschlag »frühestens« heißt, hatte Hans Kortenacker (Berchtesgaden) nach eigenen Worten kein Problem, hier zuzustimmen. Allerdings pochte der Verbandsrat darauf, bis zur nächsten Sitzung die seit Längerem geforderte Rentabilitätsrechnung zum Kongresshaus vorzulegen. »Erst wenn diese Zahlen vorliegen, können wir entscheiden, was wir uns leisten können«, so Kortenacker. So eine Berechnung könne man auch ohne den Förderbescheid schon aufstellen.

Nach Ansicht von Bischofswiesens Bürgermeister Toni Altkofer müsse bei dieser Berechnung aber auch berücksichtigt werden, dass das Kongresshaus für touristische und kulturelle Nutzung gedacht sei. »Man darf dieses Haus nicht nur rein monetär betrachten. Aber wir müssen darüber reden, inwieweit wir bereit sind, die Kosten mitzutragen«, so Altkofer. Das sah auch Verbandsvorsitzender Kurz so. Die kulturellen Angebote wären ja eigentlich Aufgabe der Gemeinden. »Deshalb werden wir auch künftig kein Null-Ergebnis erzielen. Aber wir wollen mit dem Umbau zumindest die Kosten senken«, sagte Kurz. Nach Ansicht von Richard Lenz (Schönau am Königssee) müsse man im Ausschuss schon darüber reden, ob man sich in den nächsten Jahren ein jährliches Kongresshaus-Defizit von mehreren Hunderttausend Euro noch leisten könne.

Von »Optimierungspotenzial« sprach Hans Kortenacker auch hinsichtlich der Personalkosten. Immerhin seien die derzeit so hoch wie der gesamte Kongresshaus-Umsatz. Allerdings, darauf verwies Tourismusdirektor Michael Grießer, gehören dazu auch die Ausgaben für die Touristinfo-Beschäftigten, die vom Markt Berchtesgaden teilweise rückerstattet werden.

Mit dem einstimmigen Beschluss steht nun fest, dass die Bagger heuer beim Kongresshaus nicht mehr anrollen werden. Ulli Kastner