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Raritäten der Bläserkunst bereichern traditionelle Weihnachtsmusik auf der Fraueninsel

Kontrastreiches Adventskonzert in Frauenwörth

Zwischen dem bunten Treiben des stimmungsvollen Christkindlmarktes auf der Fraueninsel, fanden zahlreiche Besucher im Münster Frauenwörth eine ruhige Insel des Musikgenusses. Das inzwischen zur beliebten Gewohnheit gewordene festliche Adventskonzert der Chorgemeinschaft Seeon unter der Leitung von Andrea Wittmann bietet alle Jahre wieder ein attraktives und abwechslungsreiches Programm für Liebhaber klassischer Weihnachtsmusik.

Chorleiterin Andrea Wittmann mit der Seeoner Chorgemeinschaft. (Foto: Benekam)

Die wunderschöne Kirchenmalerei des historienträchtigen Münsters und die gute Akustik, könnten dieser Musik keinen passenderen Rahmen bieten. Nach einer Chorintrada »Verkündigung auf Weihnachten« führte Andrea Wittmann die Konzertbesucher mit spirituellen Gedanken auf den Kraftort eines der ältesten Frauenklöster Deutschlands ein.

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Bezugnehmend auf die Herreninsel, wo einmal im Jahr die Szenerie Barocker Jagdkultur nachgespielt wird, bei der in Deutschland selten gespielte Jagdhörner zu hören sind, leitete sie auf eine Besonderheit im diesjährigen Konzertprogramm hin: Vera und Wolf-Dieter Fischer und Thomas Wagner stellten die spezielle Spielweise des französischen ventillosen Jagdhorns, der »Trompe de Chasse«, aus der Zeit König Ludwig XIV. im Zusammenwirken mit der Orgel vor. Die »Trompe de Chasse« war ursprunglich ein reines Kommunikationsinstrument, das auf Jagden dazu eingesetzt wurde, um über große Distanz hinweg Signale zu übermitteln. Diese Naturhörner, ein wertvolles Kulturgut dieser Zeit, kommen bis heute in Frankreich bei besonders feierlichen kirchlichen Anlässen zum Einsatz.

Das Stück »Invocation«, von dem zeitgemäßen Komponisten Tyndare Gruyer riss die interessierten Zuhörer dann mit imposant-fremdartigem Klang aus der Vertäumtheit. Schräg und sonderbar hörte sich das an und stand im krassen Gegensatz zu den zuvor gehörten lieblichen Chorstimmen. Was sich für den Laien als nicht gekonnt anhörte, ist aber höchste Perfektion der nur in Frankreich dargebotenen Vortragsweise.

Zur Beruhigung der leicht strapazierten Ohren der Konzertbesucher sang anschließend mit angenehm ruhigem Bariton Daniel Hinterberger, bei zarter Zitherbegleitung von Gertrud Huber, das Lied »Tauet Himmel den Gerechten«. Ebenso wohltuend im Klang verwöhnten dann die wunderbaren Chorstimmen der Seeoner Chorgemeinschaft bei dem Lied »Maria durch ein Dornwald ging«. Anrührend weihnachtlich wurde es mit Orgelmusik (Wittmann) und Gesang (Hinterberger) bei »Es kommt ein Schiff geladen«.

Gertrud Hubers Harfenspiel im »Adventsmenuett« ließ ausatmen und brachte die Zuhörer zum Träumen. Anschließend kamen zwei Werke von Johann Sebastian Bach zu Gehör: »Großer Gott, o starker König«, welches Hinterberger in harmonischem Zusammenwirken mit der Orgel von der Empore vortrug und »Ehre und Preis sei Gott in der Höhe«, mit sauberen Einsätzen der Chorstimmen, gesungen. Dem folgenden Zitherstück (Huber), »Fantasie X«, aus der Feder des Komponisten Alonso Mudarra hörte man seinen spanischen Chakter an. Spätestens bei Guilio Caccinis »Ave Maria«, im Duett gesungen von Wittmann und Hinterberger, wurde es den Zuhörern warm ums Herz.

Leider ein wenig zu kontrastreich erfüllten im Anschluss die Trompes de Chasses mit der »Symphonie de Chasse« von Jean-Joseph Mouret das Münster mit imposanten Bläserklängen und boten so dem Zuhörer ein Wechselbad der Gefühle. In dazu passender Tracht, der Tenue, werden die Bläser mit ihren seltenen und kunstvollen Trompes de Chasses in Erinnerung bleiben. Wieder zurück zu gewohnteren Hörerlebnissen näherte sich das kurzweilige Adventskonzert mit »Er weidet seine Herde« von Georg Friedrich Händel (Hinterberger mit Orgelbegleitung) langsam dem Ende zu. Auch der Chor zeigte mit »Jauchzet dem Herren« einmal mehr sein großes Können und weckte im Zuhörer die Lust mit einzustimmen.

Und genau dazu lud zum Schluss auch charmant die Chorleiterin ein: »Macht hoch die Tür, die Tor macht weit«. Inbrünstig stimmten die Konzertbesucher in den Chorgesang ein und durften sich so selbst als Teil des feierlichen Adventskonzerts fühlen. Weit wurde dann auch, nach begeistertem Applaus für die besinnlich-musikalische Stunde, die große Tür des Münsters, vor der sich ein anderes Kontrastprogramm bot. Weihnachtsdüfte und Lichterketten geleiteten die noch von der schönen Musik erfüllten Besucher zurück zum Schiff. Kirsten Benekam