»Junge Sinfonie Berchtesgadener Land« überrascht mit spannungsvollem Konzert zum Saisonauftakt

Konzentration bis in die Fingerkuppen

Berchtesgaden – Wer am Sonntagabend Lust auf bildende Musik hatte, der wurde im Gymnasium am Anzenbachfeld fündig.

Dirigent Sebastian Pointner und das Orchester. (Fotos: Tessnow)

»Gemeinsam musizieren – gemeinsam zuhören«, hieß dort das umfassende Motto der »Jungen Sinfonie BGL«. Musiker aus vier Musikschulen boten rund 150 Orchesterliebhabern mit einer multi-epochalen Kompositionsauswahl ein umfangreiches Klassik-Konzert.

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55 junge Künstler stimmten ihre Instrumente, warfen sich mit ihren vier Dirigenten in Schale und freuten sich, ihr breites musikalisches Spektrum der Öffentlichkeit präsentieren zu können. Instrumentalisten mit 16 Violinen, sechs Violoncelli, fünf Flöten, vier Klarinetten, fünf Trompeten, vier Schlaginstrumenten, vier Kontrabässen, drei Baritonen, zwei Hörnern und jeweils einem Tenorsaxofon, E-Piano, E-Bass sowie einer Harfe, E-Gitarre und Viola positionierten sich gemeinsam auf einer Bühne.

Eine Person konnte der Veranstaltung leider nicht mehr beiwohnen: Hans Stanggassinger. Mit seinem Tod im vergangenen Dezember verlor die Musikschule nicht nur ihren ersten Vorsitzenden, sondern auch einen engagierten Förderer und charismatischen Sympathieträger. »Letztes Jahr stand der Hans noch hier an meiner Stelle«, sagte Andrea Höllering-Sühnel in ihrer Laudatio. »Sein Ableben ist für uns alle ein schmerzlicher Verlust. So möchte ich mich hier auch kurzfassen und die Musik sprechen lassen«, übermittelte die Vorsitzende und leitete somit das eineinhalbstündige Programm ein.

Alle vier Musikschulen des Landkreises Berchtesgadener Land bilden das Gemeinschaftsprojekt »Junge Sinfonie BGL«. Die jungen Musiker des Orchesters im Alter von zehn bis 17 Jahren hatten in den Wintermonaten eifrig ihr neues Repertoire einstudiert. Das aktuelle Programm reicht von Klassik über Filmmusik bis zum Symphonic Rock und Jazz. Die Urheberidee stammte vom ehemaligen Musikschulleiter Igor Oder, der 2015 erstmals mit sechzig Schülern das Projekt ins Leben rief. In allen Orchestern können aber auch Musiker mitwirken, die nicht an einer Schule in Berchtesgaden, Bad Reichenhall, Freilassing oder Teisendorf eingeschrieben sind.

Neben Musikschulleiter David Gruber aus Berchtesgaden dirigierten noch Sebastian Pointner aus Teisendorf, Werner Hartner aus Freilassing und Kristian Aleksic aus Bad Reichenhall ihre jungen Talente. Den Auftakt des Konzertabends übernahm Sebastian Pointner mit Marc-Antoine Charpentiers »Te Deum«. Das Hauptthema des Komponisten zur Zeit Ludwigs des XIV. ist bekannt aus vielen Fernsehübertragungen im Rahmen der Eurovision. Anschließend konnte sich die »Junge Sinfonie BGL« mit der Ouvertüre zu »Der Barbier von Sevilla« auszeichnen. Werner Hartner dirigierte Gioachino Rossinis Komposition mit ausgezeichneter Routine.

Danach stieg David Gruber auf die Bühne und demonstrierte, wie konzentriert ein Orchester spielen und harmonieren muss. Bei José Pablo Moncayos »Huapango« kamen schon einige Musiker ins Schwitzen. Hier war der Perfektionsanspruch hoch und absolute Konzentration gefordert. Die Noten sollten exakt auf den Punkt umgesetzt werden. Kleinste Misstöne oder Tempoungenauigkeiten konnten schon Auswirkungen auf das kollektive Klangbild bewirken. Disziplin und Körperspannung waren angesagt. Die Augen fixierten das Notenblatt und den Händen wurde blind das spielerische Vertrauen überlassen. Das alles galt es für die ambitionierten Künstler zu koordinieren. Etwas lässiger, aber nicht weniger dynamisch, konnte das Orchester danach mit »Gonna fly now« aus »Rocky« ein weiteres Musikgenre belegen. Für Bill Contis Filmmusik nahm Kristian Aleksic den Taktstock in die Dirigentenhand und erntete mit der Umsetzung viel Applaus.

Als Schlusspunkt ließ sich die »Junge Sinfonie BGL« noch etwas Besonderes einfallen. Zum sinfonischen Rock-Arrangement »Stairway to Heaven«, von Jimmy Page (Led Zeppelin), stand Gesangssolistin Elisabeth Birnbacher im finalen Rampenlicht. Birnbacher überzeugte nicht zum ersten Mal ein Publikum mit ihrer Stimme. Sie durfte die Bühne samt Orchester erst nach der geforderten Zugabe mit »Feeling good« von Michael Bublé verlassen.

»Wenn wir alle zusammenhalten, können wir große Stücke spielen«, resümierte Kristian Aleksic das Konzert und dankte zusammen mit David Gruber allen Orchestermitgliedern für die niveauvolle Umsetzung des Programms. Für das leibliche Wohl sorgte der Elternbeirat und der Vorstand der Musikschule Berchtesgadener Land. Jörg Tessnow