Konzept von Landrat Walch »grundsätzlich interessant« für Staatsregierung

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Im Landratsamt in Traunstein geht der Blick voraus: Ein Konzept für Lockerungen, die sich am Impffortschritt orientieren, hat Landrat Siegfried Walch aufgestellt. Mit seinen »Fünf Schritten auf dem Weg aus der Pandemie« hat er weit über den Landkreis hinaus für Diskussionen gesorgt. (Foto: Pültz)

Traunstein – Mit seinem Konzept für am Impffortschritt orientierte Lockerungen der Corona-Maßnahmen ist Traunsteins Landrat Siegfried Walch bei der Staatsregierung in München auf Interesse gestoßen. »Das ist ein grundsätzlich interessanter Vorschlag«, sagte Dr. Eva-Maria Unger, Pressesprecherin in der Staatskanzlei, auf Anfrage des Traunsteiner Tagblatts. Angesichts einer noch zu niedrigen Impfquote sei eine Diskussion über das von Walch vorgelegte Konzept zum jetzigen Zeitpunkt aber noch verfrüht. 


Mit seinen »Fünf Schritten auf dem Weg aus der Pandemie« hat der Landrat weit über den Landkreis Traunstein hinaus für Diskussionen gesorgt. Er hat eine neue Vorgehensweise vorgeschlagen: Lockerungen der Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie sollten nicht mehr länger am Sinken der Inzidenz festgemacht werden, sondern sollten stattdessen dann erfolgen, wenn Fortschritten bei der Impfkampagne erzielt werden. Unterbreitet hat er seinen Plan dem Bundesgesundheitsminister in Berlin und der Staatskanzlei in München.

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Die Öffnungsstrategie, die Walch vorschlägt, orientiert sich am Impfen. Der erste Schritt aus der Pandemie könnte laut dem Landrat so aussehen: Wenn etwa 70 Prozent der Menschen in der Priorisierungsgruppe 1 geimpft sind – was laut Walch bis 15. April erreicht werden könnte – , dann könnte man alle Schulen und Kindertageseinrichtungen wie auch die Geschäfte des Einzelhandels, wenn auch mit Einschränkungen, öffnen. Im fünften und letzten Schritt könnte man dann, wenn alle Bürger eine Impfung erfahren haben – dieses Ziel könnte bis 1. September erreicht werden – auch noch die letzten Beschränkungen fallen lassen.

Auf Anfrage nicht geäußert hat sich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Auch Ministerpräsident Markus Söder gab selbst keinen Kommentar, stattdessen jedoch meldete sich die Pressestelle der Staatskanzlei. Der Vorschlag von Landrat Siegfried Walch sei, so Dr. Eva-Maria Unger, »grundsätzlich interessant.« Die Pressesprecherin fügte jedoch an: »Allerdings ist es noch zu früh dafür. Dazu müssen deutlich mehr Menschen als bisher geimpft sein. Erst ab einer Impfquote von mindestens 50 Prozent macht das Sinn. Das wird noch dauern.«

Von Zustimmung bis Ablehnung reichten die Meinungen, die Bürger in Leserbriefen an das Traunsteiner Tagblatt äußerten. Anna Stephl aus Traunstein etwa lobte Landrat Walch – und Traunsteins Oberbürgermeister Dr. Christian Hümmer –, dass sie die »Inkompetenz der Landes- und Bundesregierung«, wie sie schrieb, »nicht mehr länger hinnehmen wollen«. Rainer Georg Zehentner aus Kirchanschöring meinte hingegen, dass der Landrat vorschnell Erwartungen auf Lockerungen wecke, die er nicht einhalten könne. Letztlich leiste er damit »Vorschub für wachsenden Frust«.

Walch: Rückmeldungen »durch die Bank positiv«

Landrat Siegfried Walch hat – wie er berichtet – überaus viel Zustimmung erfahren. Die Rückmeldungen auf die Vorstellung seines Konzepts seien »durch die Bank positiv« ausgefallen. Nur vereinzelt habe er kritische Äußerungen von Bürgern wahrgenommen.

Besonders freut sich der Landrat, wie er weiter mitteilte, dass die Staatsregierung in München »sehr positiv« reagiert habe. Sie habe seine »Grundidee übernommen«, Lockerungen nicht mehr ans Sinken der Inzidenz, sondern vielmehr an Fortschritten beim Impfen zu knüpfen. Nach seinem Vorstoß seien nun erstmals Äußerungen aus der Staatskanzlei in diese Richtung gegangen. Walch meinte, dass er mit seinem Konzept ein Umdenken angestoßen habe.

Dass die Regierung in München an dem Konzept, das er aufgestellt und zur Übernahme angeboten hat, auch etwas auszusetzen und zu kritisieren hat – und zwar, dass er seine »Fünf Schritte auf dem Weg aus der Pandemie« zu früh in die Diskussion geworfen habe – ist seinen Angaben zufolge in dieser Situation nicht weiter überraschend. Eigenartig wäre vielmehr der umgekehrte Fall gewesen – wenn also sein Konzept unbeachtet und unkommentiert geblieben wäre.

Im Austausch mit der Staatsregierung – wie auch mit den Bürgern – hält Landrat Walch an seinem Konzept ungeschmälert fest. So ist er etwa auch überzeugt, dass der Zeitplan, den er für den Weg aus der Pandemie aufgestellt hat, nach wie vor realistisch ist. Und so geht er letztlich weiter davon aus, dass bis zum 1. September allen Bürgern jeweils ein Impfangebot unterbreitet werden kann – vorausgesetzt, der Landkreis bekommt genügend Impfdosen.

Walch will, wie er sagt, alle Möglichkeiten nutzen, für sein Konzept weiter zu werben. Gerade jetzt, da die Zahlen der Neuinfektionen wieder steigen, brauchen die Menschen laut dem Landrat eine Perspektive auf die Rückkehr zur Normalität. Schließlich sei die Pandemie vor allem auch eine »psychologische Krise«. pü

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