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Kostbarkeiten im Bild und unvergleichliche Erinnerungsstücke

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Barbara Kopf, die Enkelin von Anton Müller-Wischin, vor dem Porträt von ihr als junges Mädchen, das ihr Großvater um 1940 von ihr malte. (Foto: Giesen)

Mit einer Gedenkausstellung aus Anlass des 150. Geburtstages von Professor Anton Müller-Wischin (1865 bis 1949) erinnert die Gemeinde Marquartstein noch bis Sonntag an den bekannten Maler. Die Ausstellung im Rathaus zeigt einen kleinen Querschnitt des Gesamtwerks von Müller-Wischin von den Anfängen, als er noch Lehrer in Staudach-Egerndach war, bis zu seinem Tod 1949 in Marquartstein. Hier lebte er fast 50 Jahre lang, die meiste Zeit davon in seiner Villa am Oberen Mühlfeldweg, die er 1907 mit seiner Frau Sitta ge-baut hatte. Ihren Mädchennamen Wischin nahm er an, sodass der Doppelname Müller- Wischin entstand.


Viele Bilder wurden noch nie öffentlich gezeigt

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Die ausgestellten Bilder im Rathaus sind sämtlich aus Privatbesitz und unverkäuflich – viele davon wurden noch nie vorher öffentlich gezeigt. Ein besonderer Glanzpunkt ist das berühmte Porträt Müller-Wischins von seinem Marquartsteiner Nachbarn Richard Strauss aus dem Münchner Lenbachhaus, das der Gemeinde kürzlich nach lange andauernden Verhandlungen als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt wurde (wir berichteten).

Bei der liebevoll zusammengestellten Präsentation sind auch vier Vitrinen zu sehen, in denen zum Beispiele die Korrespondenz des Malers mit bekannten Persönlichkeiten zu sehen ist, so zum Beispiel mit Richard Strauss oder Kaiserin Hermine, deren Mann, Wilhelm II., ihr ein großes Landschaftsbild des Künstlers schenkte.

In einer weiteren Vitrine sind die originalen Malutensilien von Müller-Wischin ausgestellt sowie seine typische kreisrunde Brille mit dünnem Metallrahmen, mit der er auf vielen Fotos abgebildet ist. Neben Fotos im Kreis seiner Familie mit Frau und zwei Töchtern sowie Enkelin Barbara sind in einer weiteren Vitrine auch Müller-Wischins Aktivitäten für das renommierte Marquartsteiner Bauerntheater dokumentiert, zu deren Gründern er 1909 zählte. Der Künstler malte nicht nur viele Kulissen, sondern zog durch seine Korrespondenz, zum Beispiel mit dem Literatur- und Theaterwissenschaftler Artur Kutscher, auch interessierte Besucher in den aufstrebenden Ort, wo langsam der Fremdenverkehr erwachte.

Um den Künstlerhaushalt finanziell zu unterstützen, richtete Müller-Wischins Frau eine Vollpension im Haus mit einigen Gästezimmern ein, die sie bis 1939 betrieb. Gegessen wurde immer gemeinsam an einer großen Tafel. Viele illustre Gäste, wie die Familie Soenneken oder die Tochter des Malers Franz von Stuck mit ihren Kindern waren mehrmals hier, wie die begeisterten Einträge in zwei Gästebüchern bekunden.

Bei der sehr gut besuchten Vernissage im Rathaus gab die Enkelin des Malers, Barbara Kopf, eine aufschlussreiche Einführung in das Werk ihres Großvaters und seine Malweise, gespickt mit kurzweiligen Anekdoten. Begann er ein neues Gemälde, skizzierte Müller-Wischin mit wenigen Strichen die Aufteilung des Motivs und trug dann die Ölfarbe mit dickem Pinsel auf. Am nächsten Tag kratzte er die Farbe mit einem Spachtel ab und brachte sie an anderer Stelle an. So mischte er die Farben nicht nur auf der Palette, sondern auch auf der Leinwand. So sei sein Spitzname bei den Einheimischen, »Wischhin – Wischher«, gar nicht mal so weit hergeholt gewesen, so die Enkelin.

Seine Motive holte Müller-Wischin sich meistens bei Wanderungen im Chiemgau, manchmal auch in Südtirol. Bei Gelegenheit ließ er sich auch ins Gebirge fahren, da er kein Auto besaß. Mit einem »Fotoapparat mit schwarzem Tuch und fauchendem Blitzlicht«, wie sich die Enkelin erinnerte, arrangierte er sich seine Stillleben und nahm die Abzüge von Glasplatten mit in sein Atelier, wobei er bis zur Zerstörung durch Bomben 1942 auch noch eines in München hatte.

Deutschlandweit in Ausstellungen zu sehen

Müller-Wischins Bilder waren in vielen Ausstellungen in ganz Deutschland zu sehen, beim Berliner Kunstverein genauso wie im Glaspalast oder im Haus der Deutschen Kunst in München.

Eine kurze Einführung in Leben und Werdegang von Anton Müller-Wischin gab auch Marquartsteins Bürgermeister Andreas Scheck. Er freute sich bei der Einführung über die gelungene Ausstellung, für deren Zustandekommen auch einige ehrenamtliche Helfer sowie der Bauhof der Gemeinde und die Touristinformation aktiv waren. Der Hauptorganisatorin, Barbara Kopf, die durch ihre Leihgaben die Präsentation erst ermöglicht hatte, überreichte er einen Blumenstrauß zum Dank, ebenso wie den freiwilligen Helferinnen.

Die sehenswerte Ausstellung ist noch bis Sonntag, 30. August, zu sehen, heute von 7.30 bis 12 Uhr, sowie am Samstag und Sonntag von 11 bis 15 Uhr. Christiane Giesen