weather-image
30°

»Kostenmäßig ist das ein Harakiri-Unternehmen«

3.7
3.7
Bildtext einblenden
Moderator Tobias Trübenbach (Mitte) hatte für die vier Oberbürgermeisterkandidaten Burgi Mörtl-Körner (von links), Christian Kegel, Dr. Christian Hümmer und Simon Steiner Fragen aus vier Themenbereichen. (Foto: Albrecht)

Traunstein – Bei einer Podiumsdiskussion unter dem Motto »OB-Check«, veranstaltet vom Katholischen Kreisbildungswerk und der Kolpingfamilie Traunstein, standen die vier Oberbürgermeisterkandidaten im Vereinshaus fast drei Stunden Rede und Antwort. In vielen Punkten waren sich Oberbürgermeister Christian Kegel (SPD) und seine Herausforderer Dr. Christian Hümmer (CSU und UW), Burgi Mörtl-Körner (Grüne) und Simon Steiner (Traunsteiner Liste) einig, in etlichen Punkten gab es aber auch deutliche Meinungsunterschiede.


»Wollen, dass Leute sicher Rad fahren«

Moderator Tobias Trübenbach hatte sich vier Themenfelder ausgesucht, zu denen die vier Kandidaten ausgiebig ihre Meinung äußern durften. Los ging es mit dem Thema »Verkehr und Mobilität« und dabei vor allem um das Radfahren in Traunstein wie auch um die Parkplatzsituation. Für Simon Steiner kommt beispielsweise eine Untertunnelung des Karl-Theodor-Platzes nicht in Frage. »Kostenmäßig ist das ein Harakiri-Unternehmen.« Er befürchtet, dass die Baukosten in eine ähnliche Höhe schießen könnten, wie bei der Klosterkirche. Bevorzugen würde er ein Shuttle-Bus-System im Stadtgebiet.

Anzeige

Ein solches befürwortet auch Burgi Mörtl-Körner. Den derzeitigen Parksuchverkehr in der Stadt möchte die Grünen-Stadträtin mit einem Parkleitsystem verbessern. Außerdem ist es ihr ein Anliegen, die Fahrradstadt Traunstein auszubauen. »Wir wollen, dass die Leute sicher mit dem Rad fahren können.«

Dr. Christian Hümmer möchte die Parkplätze an den Rand der Innenstadt verlagern. »Egal, was ich am Karl-Theodor-Platz mache, es wird eine jahrelange Baustelle sein.« Erst müsse man Ersatzparkplätze schaffen, bevor man dieses Projekt angehen sollte.

Oberbürgermeister Christian Kegel ist ein »klarer Befürworter, Parkraum aus den Einkaufsstraßen herauszunehmen«. Auch er sagte, dass dafür aber zuerst an anderer Stelle zentrumsnah Ersatz geschaffen werden müsse.

Unterschiedliche Ansichten gab es auch beim Punkt »Wohnen und Gewerbe«. Moderator Trübenbach brachte eine Städtische Wohnungsbaugesellschaft ins Gespräch. Für Christian Hümmer würde diese Sinn machen, da man schneller auf dem Wohnungs- und Grundstücksmarkt reagieren, schneller bauen und die Verfahren schneller durchführen könnte. Auch an sozialen Wohnraum müsse man denken. Dieser Meinung war auch Oberbürgermeister Kegel. Nicht vergessen dürfe man laut Hümmer auch viele Traunsteiner, die eine neue oder größere Wohnung suchen und nichts finden. »Wir müssen dafür sorgen, dass die, die in Traunstein Zuhause sind, auch bleiben.«

Laut Burgi Mörtl-Körner wurde zwar schon viel gebaut, aber für Leute mit einem besseren Einkommen. »Wir brauchen Wohnungen für Familien.« Für sie sind Mehrgenerationenhäuser eine gute Lösung.

Eine klare Meinung dazu hatte Simon Steiner. »Rund um Traunstein wurde in den letzten Jahren viel gebaut. Aber irgendwann muss Schluss sein.« Er möchte das großflächige Verbauen von Flächen – für Wohnungen und Gewerbe – stoppen. Es gebe in der Stadt viel Leerstand. Sein Vorschlag: Auf die Besitzer zugehen und schauen, was dort möglich ist.

Einen breiten Rahmen nahm auch das Thema »Kultur und Freizeit« ein. Burgi Mörtl-Körner sprach an, dass für sie ein Jugendzentrum ein Schwerpunkt sein wird. »Wir müssen die Jugendkultur fördern, die Jugendlichen müssen einen Raum haben. Es gibt in Traunstein ein Problem für alle ab 16. Wo sollen sie hingehen? Es gibt kaum Kneipen.« Man müsse sich ernsthaft daran machen, einen konkreten Standort zu finden.

Neues Grundstück für Jugendzentrum?

Einen möglichen Standort nannte dann auch schließlich Dr. Christian Hümmer. Die Stadt habe ein Grundstück gegenüber des Gasthauses Sailer-Keller gekauft. »Schauen wir doch mal, was da möglich ist.« Oberbürgermeister Kegel sagte: »Konkrete Vorschläge sind immer gut.« Er versprach zu prüfen, ob sich dort etwas realisieren lässt. Den Vorschlag nahmen auch Burgi Mörtl-Körner und Simon Steiner positiv auf. »Das wäre kein schlechter Standort«, so die Grünen-Stadträtin. »Wenn auch die Freiflächen und Kosten passen, warum nicht«, meinte Simon Steiner.

Hümmer und Steiner möchten sich auch für ein schönes Stadtfest einsetzen. Mörtl-Körner stellt sich vor, Familien mit Kindern zu unterstützen, damit auch diese Kulturveranstaltungen besuchen können. Und OB Kegel informierte, dass es jährlich rund 2000 angemeldete Veranstaltungen in Traunstein gibt. »Wir haben eine lebendige kulturelle Szene. Die müssen wir weiter ausbauen.«

Der letzte Themenpunkt war »Bildung und Soziales«. In den Beiträgen ging es um den geplanten Campus Chiemgau am Bahnhofsgelände, die Schulen, Kindergärten und -krippen. Burgi Mörtl-Körner sagte: »Wir brauchen mindestens einen Kindergarten mit frühen und langen Öffnungszeiten.« Auch die Betreuung in den Ferien müsse man verbessern. Für Christian Hümmer ist die Betreuungssituation derzeit gut, man müsse aber weiterhin stark investieren. »An dieser Stelle darf nicht gespart werden.«

Nach der Diskussionsrunde hatten alle vier Kandidaten drei Minuten Zeit, um weitere Punkte aus ihrem Wahlprogramm vorzustellen. Anschließend gab es einige Fragen aus dem Publikum. Rosi Berger sprach zum Beispiel eine Erweiterung der Gewerbeflächen im Haidforst an und fragte nach dem aktuellen Sachstand. Mörtl-Körner und Steiner sind strikt dagegen, weiteren Wald zu fällen. »Dann steht da bald gar nichts mehr«, befürchtet Steiner. Kegel befürwortet eine zweite Zufahrt zur Industriestraße. »Wir können Gewerbegrund maßvoll ausweisen. Das haben wir den Betrieben per Stadtratsbeschluss zugesichert.« Und Christian Hümmer sprach an, dass Betrieben, die sich in Traunstein nicht vergrößern können, dann in die umliegenden Gemeinden ausweichen.

Auch das Parkhaus an der Scheibenstraße wurde von zwei Traunsteinern angesprochen. Kegel betonte, dass die Standfestigkeit nicht mehr gegeben war. Für Simon Steiner ist es unverständlich, dass das Gebäude nach 20 Jahren schon so marode ist. Er würde eine Firma beauftragen, noch einmal zu überprüfen, was eine Sanierung kosten würde.

Günter Fembacher interessierte, was mit der Salzmanninsel passiert und warum dort Gutachten notwendig seien. Kegel sprach von einem wertvollen Grundstück, das eigentlich für die Landesgartenschau gekauft worden war. Bis Ende des Jahres sei dort noch eine Firma ansässig gewesen. Gutachten seien ein normaler Vorgang, um zu prüfen, dass es keine Altlasten gibt.

Susanne Deckert von der Initiative Traunstein fragte Dr. Christian Hümmer, was er als Oberbürgermeister tun würde, um die Aufenthaltsqualität auf Stadt- und Maxplatz zu verbessern. »Ich finde die Aufenthaltsqualität dort schon sehr gut. Es ist schön, wenn sich was rührt«, so Hümmer. »Was stört, ist der Parksuchverkehr.« Da müsse man eine Lösung finden. Auf dem Maxplatz könne er sich vorstellen, die Straße von drei auf zwei Fahrspuren zu verkleinern. »Dann haben wir auch dort mehr Platz.« jal