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Almmesse auf der Königstalalm – Tierischer Besuch beim Gottesdienst – »Oimheisei« und »Drogzapfnbuam« spielen zünftig auf

Kräuterhex' und »kuhle« Kirche

Schönau am Königssee – Mensch und Tier haben am Samstag auf der Königstalalm auf einer Höhe von 1 525 Meter die traditionelle Almmesse gefeiert.

»Was wäre eine Almmesse ohne Kühe«, sagte Pater Kajetan lachend, als er am Altar einen besonders neugierigen Besuch bekam.

Die Königstalalm liegt am Fuße von Windschartenkopf und Rotspielscheibe. Es ist die Hochalm der Familie Brandner vom Oberwembachlehen in Berchtesgaden. Das Almkreuz wurde zu diesem Anlass festlich mit Latschen, Almrosen und Papierröschen verziert. Vor dem Kreuz stand der Altar, das Altartuch trug die Aufschrift »O Herr, ich bin nicht würdig zu deinem Tische zu gehen«.

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An dem wolkenlosen Tag, besuchten überwiegend Einheimische die Alm. Die einen kamen vom Parkplatz Hinterbrand in circa eineinhalb Stunden, die anderen etwas bequemer vom Jennergipfel hinunter ins Königstal.

Die 27-jährige Anita Hohenwarter aus St. Martin bei Lofer ist derzeit die Sennerin vom Stockerkaser. Sie hat in den vergangenen zehn Jahren auf verschiedenen Almen Erfahrung als Sennerin gesammelt. 19 Rinder versorgt sie, davon sieben Milchkühe. Pater Kajetan zelebrierte den Gottesdienst. Er begrüßte Sennerin Anita, Almbauern und die zahlreichen Besucher, darunter Altbürgermeister Stefan Kurz. »Es gibt viel Arbeit auf der Alm, dazu gehört aber auch das Gebet«, sagte der Geistliche. Die Drogzapfnbuam begleiteten die Almmesse musikalisch mit Blechblasinstrumenten. Adi Hölzl hatte Fürbitten für die Almmesse geschrieben und selbst vorgetragen. Darin waren Bitten für die Kirche, für die Almen, gegen Unwetter auf der Alm, Bitten um Gesundheit und für Frieden auf der Welt.

Die Besucher schmunzelten, als eine Kuh zu Pater Kajetan kam und die Blumen auf dem Altar fressen wollte. »Was wäre eine Alm ohne Kühe«, lachte der Geistliche und erteilte anschließend den Segen Gottes.

Käsbrot, »Schüsselkas«, Butterbrot, Buttermilch und Speckbrot waren nach dem Gottesdienst schnell vergriffen. Die »Drogzapfnbuam« spielten schneidig auf. Weitere Musikanten gesellten sich dazu und spielten mit. So auch der »Almhäusl« Hermann mit seiner Okarina und dem »Votzhobel«.

Die 75-jährige Lore Hölzl aus Maria Gern zeigte stolz, was sie an Kräutern gesammelt hatte. »Das Weidenröschen, das ist gut für die Blase. Der Frauenmantel, der ist spitze für den Unterleib, Braunellen sind gut zur Stärkung des Immunsystems. Hornklee hilft bei schwachen Nerven. Skabiosen sind für alles gut. Ich pflücke keine Pflanze, auf der eine Biene sitzt«, sagte sie, das sei wichtig. »Als ich 36 Jahre alt war, wurde mir Brustkrebs diagnostiziert und eine sofortige Operation empfohlen. Dann wurde ich aktiv und hab mir zur Selbstheilung was einfallen lassen. Seit 20 Jahren war ich bei keinem Arzt mehr.« Vorsorge bedeutet in ihren Augen »vor Sorge sterben«. »Ich bin die Kräuterhex' aus der Gern«, sagte sie zum Abschluss und strahlte über das ganze Gesicht. Bernhard Stanggassinger