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Kraftvolles und homogenes Musizieren

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Das Ensemble Viva Musica von Daniela Beer bei Mozarts Streichquartett KV 157. (Foto: Kaiser)

Strahlendes, mildes Frühsommerwetter krönte den Abschluss der Mozartwoche 2016 in Kloster Seeon. Festlich, »mit Pauken und Trompeten«, verabschiedeten sich im Festsaal das Schwanthaler Trompetenconsort, gegründet im Jahr 2000, und das famose Ensemble Viva Musica, gegründet von Daniela Beer, die dafür Musiker des Mozarteumorchesters und der Camerata Salzburg gewinnen konnte und das Ensemble als Konzertmeisterin leitet.


Mit zwei festlichen Trompetenaufzügen des Benediktinerpaters Placidus Fixlmiller aus dem Kloster Kremsmünster, der bei Johann Ernst Eberlin in Salzburg Orgel und Kontrapunkt gelernt hatte, begann das nachmittägliche Konzert. Zwei Naturtrompeten und Barockpauken sorgten für opulenten Glanz. Auch die Kirchensonate (»Epistelsonate«) Nr. 14 C-Dur KV 278 von W. A. Mozart, gewissermaßen einem akustischen »Lückenfüller« zwischen Lesung und Evangelium, machten sie mit Oboen und Streichern zusammen zu einer kleinen, selbstbewussten Persönlichkeit.

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Johann Christian Bach (1735 bis 1782), der jüngste Sohn von J. S. Bach, hatte durch seine Kompositionen großen Einfluss auf den jungen Mozart. Die Sinfonie g-Moll op. 6, Nr. 6 des »Londoner Bach« klang, um zwei Waldhörner ergänzt, im Anfangsallegro, der Dramatik der Tonart gemäß, sehr ernst, aber doch kraftvoll. Noch mehr innere Dramatik sprach aus dem »Andante più tosto Adagio«, von den Musikern in bezwingender Homogenität und sicherem Stilgefühl ausgeführt. Ein Feuerwerk motivischer und melodischer Einfälle war das abschließende Allegro di molto, ganz dem Wohlklang verpflichtet.

1764 wurde W. A. Mozart von Johann Christian Bach in die Feinheiten des »galanten Stils« eingewiesen, ein Jahr danach schrieb er in London seine Sinfonie Nr. 1 Es-Dur KV 16 in drei Sätzen. Daraus machte das Ensemble Viva Musica durch sein gestalterisches Engagement eine kleine Kostbarkeit mit einer Dreiklangsfanfare als Molto-allegro-Einleitung, mit weitgespannten, triolenumspielten Hornmelodien im Andante. Der Schalk aber steckte im Schlusspresto mit seinen reichen Einfällen.

»Der Wolfg. befindet sich auch sehr wohl; er schreibt eben für die lange Weile ein quatro« meldete Vater Mozart 1773 bei der zweiten Italienreise aus Südtirol nach Hause. Gemeint war das als KV 157 notierte Streichquartett C-Dur, das »Mailänder Quartett«. Unbeschwert, schelmisch und in sich vergnügt kam das Allegro daher und weckte den Musikern überschäumende Spiellust. Vorsichtig tastend führte sich im Andante das Thema ein, behutsam wurde es entwickelt und in blühender Schönheit ausgekostet. Ein feuriges Presto voller Überraschungen fand einen köstlichen Stretta-Schluss.

Selten hört man im Konzertsaal Mozarts Sinfonie Nr. 28 C-Dur KAVA 200 aus dem Jahr 1774. Sie vereinte in Seeon wieder das gesamte Ensemble zu einem geistvollen 1. Satz – Allegro spirituos – , der sich aus einem fallenden Dreiklangmotiv entwickelte. In gemäßigtem, beherrschtem Schritt – Andante – ging es durch den getragenen 2. Satz. Ein einfallsreiches Menuette mit einem kurzen, eigenwilligen Trio leitete über zu einem Presto mit sehr virtuosen Streicherpassagen – die Musiker meisterten die rasenden Läufe lächelnd und wie selbstverständlich in vollkommener Einheit.

Eine kurze Zugabe, die Coda des 4. Satzes aus KV 200 – aber schon prestissimo! – entließ glückliche Zuhörer in den frühen Abend. Engelbert Kaiser