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Kragen hoch: Vettel bereit für Attacken

Nürburgring (dpa) - Mit weit hoch geklapptem Kragen vernahm Sebastian Vettel die erste Kampfansage in der rauen Eifel. Ausgerechnet Landsmann Nico Rosberg will dem deutschen Formel-1-Dominator auch das gemeinsame Heimspiel verderben.

Geburtstagskind
Sebastian Vettel bekam in der Box nachträglich eine Geburtstagstorte. Foto: Jens Büttner Foto: dpa

«Kurzfristig möchte ich Sebastian und Red Bull Rennen für Rennen ärgern und vor ihm sein», sagte der Mercedes-Pilot und schaute mit einem Lächeln zu seinem Widersacher. Vettel bekam einen Tag nach seinem 26. Geburtstag zwar kein Ständchen seiner Rivalen auf dem Podium, dafür aber nachträglich in der Red-Bull-Garage neben seinem aufgebockten Dienstwagen eine Torte.

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Bevor er gut gelaunt das Backwerk anschnitt und verteilte, hatte Vettel einen Vorgeschmack auf das mögliche deutsche Duell erhalten. Auf der Pressekonferenz zum Großen Preis von Deutschland saßen der Heppenheimer und der Wiesbadener auf Augenhöhe in Reihe eins. Rosberg zierte sich aber (noch), die erstarkten Silberpfeile als ernsthaften WM-Kandidaten zu bezeichnen. «Nein, das ist zu früh, um das zu sagen. Wir müssen das Momentum aber weiter mitnehmen», sagte der Gewinner von zwei der vergangenen drei Rennen. «Das ist eine sehr schöne Zeit gerade in meiner Karriere.» Den Rückstand auf Vettel verkürzte er in dieser schönen Zeit auf 50 Punkte.

Sorgen, dass er wegen eines Defekts wie beim Reifenskandal-Rennen von England erneut Punkte liegen lassen muss, braucht sich der von allen gejagte Vettel zumindest nicht machen. «Wir haben das Problem verstanden und behoben», sagte er. Vettel war in Silverstone zehn Runden vor Schluss und in Führung liegend von einem Getriebedefekt am Red Bull gestoppt worden. «Das war unser Problem Nummer Eins, das mussten wir lösen, damit es sich hier nicht wiederholt», betonte Vettel - fernab der Diskussion um die Auswirkungen der in der Eifel eingesetzten neuen Reifen. Und auch fernab des besonderen Fokus, der auf Vettel gerichtet ist.

Immer wieder muss er die Fragen über sich ergehen lassen, warum er bloß im Juli noch nie gewinnen konnte, warum er noch nie auf einer deutschen Formel-1-Strecke siegreich war. «Es ist um einiges wichtiger, was wir in den vergangenen drei Jahren erreicht haben», betonte Vettel - sprich, dreimal den Weltmeistertitel geholt.

«Was die Punkte in der WM betrifft, gibt es hier genauso viel wie bei jedem anderen Rennen. Es ist eher ein Privileg als Extra-Druck», meinte Vettel. Sollte einer der beiden - Vettel oder Rosberg - das Rennen am Sonntag gewinnen, wäre es der erste deutsche Sieg beim Heimrennen seit den beiden Erfolgen von Rekordweltmeister Michael Schumacher vor sieben Jahren auf dem Nürburg- und dem Hockenheimring.

Für ein erfreuliches Ergebnis vor erwarteten 50 000 Zuschauern könnte auch Adrian Sutil gut sein. Der Force-India-Fahrer giert nach seinem ersten Podiumsplatz in der Königsklasse des Motorsports. Erst recht, nachdem er in Silverstone lange Zeit sogar auf Rang drei gelegen hatte. Der Vierte im deutschen Bunde macht unterdessen schwerere Zeiten durch: Nico Hülkenbergs Sauber-Team braucht dringend Sponsorengeld. «Es ist eine schwierige Situation», so wie es Teamchefin Monisha Kaltenborn schon beteuert habe, sagte er.

Solche Sorgen treiben Ferrari-Star Fernando Alonso wahrlich nicht um. Sorgenlos ist aber auch er nicht. «Ich bin neugierig zu sehen, ob es nur ein Rennen war oder ob wir womöglich an Leistung verloren haben», sagte er in einem Interview mit der Nachrichtenagentur dpa mit Blick auf den England-Auftritt seines Teams. Er hatte dort - begünstigt durch die Ausfälle von Vettel und auch Rosbergs Teamkollegen Lewis Hamilton - Platz drei belegt.

In der WM-Wertung kam er auf 21 Punkte an Vettel heran. Mit einem Sieg kann der Spanier, für den Deutschland bislang ein ausgezeichnetes Pflaster war, womöglich die WM-Führung erobern. Allerdings hat auch er Rosberg auf der Rechnung. «Definitiv. Sie sind sehr stark», sagte er. «Ich habe keine Zweifel, dass sie, Nico und auch Lewis bis zum Ende der Saison harte Konkurrenten sein werden.»