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»Krebs ist der Sensenmann der heutigen Gesellschaft«

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Tee, Kartoffeln, Eiweißshake-Pulver und Basenbad: Diese Dinge sind voraussichtlich im Starterpaket enthalten, wie Dr. Caren Lagler ankündigt. Mit dabei ist auf jeden Fall das Theraband, das die Ärztin hochhält. (Foto: Voss)

Berchtesgaden – Wie kann ich durch Ernährung, Bewegung und Entspannung Krankheiten vorbeugen? Das erfahren die Teilnehmer des Programms »Fit durch unser Gmoa« in Schönau am Königssee Anfang 2019 am eigenen Leib. Dr. Caren Lagler organisiert das Programm gemeinsam mit dem Team der Tourist-Information Schönau am Königssee. Bei einem Gespräch in der »Anzeiger«-Redaktion erklärt Dr. Lagler, warum das Motto dieses Mal »Lieber vorbeugen als heilen« heißt, was die Teilnehmer Neues erwartet und welche Auswirkungen die Ernährung auf den Körper hat.


Das Programm »Fit durch unser Gmoa« beginnt zwar erst am 7. Januar, die Voranmeldung für die Starterpakete läuft aber schon. Die Frist endet am 21. Dezember. »Ein Starterpaket kostet 15 Euro«, so Dr. Caren Lagler. Die Ärztin hat gemeinsam mit Bürgermeister Hannes Rasp und der Tourist-Info ein umfangreiches Programm ausgearbeitet. An die 30 Referenten konnten sie dafür gewinnen. Mitmachen darf jeder.

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Durch die Kombination aus einer Ernährungskur, Fitnessangeboten und Entspannungstechniken soll so zum Beispiel Diabetes, Übergewicht, chronischen Rückenschmerzen und sogar Krebs vorgebeugt werden. »Das Programm ist aber auch gut für Menschen, die schon einmal Krebs hatten und einem erneuten Ausbruch vorbeugen wollen«, fügt Lagler hinzu. Die Ärztin betont: »Alle drei Säulen des Programms sind gleich wichtig.«

Im Starterpaket, das man sich bei der Tourist-Info unter der Telefonnummer 08652/1760 reservieren kann und das es dann am 7. Januar beim Eröffnungsabend gibt, sind allerlei tolle Dinge enthalten: Tee, Kartoffeln, Leinsamen, ein Basenbad und ein Theraband zum Beispiel. Wichtig ist unter anderem das Rezeptheft. »Eine Kochgruppe rund um Kathi Beer hat dieses Heft zusammengestellt«, erzählt die Organisatorin. »Die Gruppe ist derzeit fleißig am Kochen und probiert immer noch Rezepte für das Heft aus.«

»Am Anfang ist der Speiseplan monoton«

Die Ernährungskur besteht aus drei Phasen. In den ersten, sogenannten »Entlastungstagen«, ist der Speiseplan laut Dr. Lagler eher monoton: Es gibt Gerichte, die vorwiegend aus Haferflocken bestehen. »Also zum Beispiel gibt es zum Frühstück Haferbrei und mittags dann eine Gemüsesuppe mit Haferflocken.« Haferflocken können laut der Schönauerin der Entwicklung eines Diabetes mellitus entgegenwirken: »Grund dafür ist das enthaltene Betaglucan.«

Nicht nur Diabetes, auch anderen schlimmen Krankheiten kann man vorbeugen. Es sei erwiesen, dass es verschiedene Grundsätze gibt, die man dafür bei der Ernährung beachten sollte. »Krebs ist der Sensenmann der heutigen Gesellschaft. Aber es gibt Lebensmittel, die krebsprotektive Eigenschaften haben. Sojabohnen gehören etwa dazu.« Mit auf die Liste gehört grüner Tee. Leinsamen sind dank ihrer Omega-3-Fettsäuren ebenfalls sehr gesund und darum auch im Starterpaket. Die zweite Phase besteht aus einer Basenwoche. Sie soll »entgiftend und entschlackend« wirken. »Es ist eine vegetarische Woche, in der großteils Gemüse auf dem Speiseplan steht.« Gemüse wird nämlich basisch verstoffwechselt, erklärt die Ärztin.

Gemüse soll Hauptteil der Mahlzeit sein

Heilerde, die die Teilnehmer auch anfangs bekommen, entzieht dem Körper Giftstoffe und Säuren. Dazu gibt es zur Entsäuerung Basenpulver und Basenbad. »Hülsenfrüchte stehen vermehrt auf dem Speiseplan, denn diese enthalten wertvolles Eiweiß und viele gute Ballaststoffe«, kündigt die Ärztin noch an. Generell sollte bei jeder Mahlzeit Gemüse den Hauptanteil des Gerichts auf dem Teller ausmachen. Wer sich vor Krebs schützen will – oder sich ohnehin gesund ernähren – dürfte nicht zu viel rotes Fleisch essen und »eher wenig Kohlenhydrate«.

Die letzte Phase der Ernährungskur trägt den Oberbegriff »Gewichtsreduktion«. Dr. Caren Lagler sagt dazu mit Nachhall: »Das Erreichen eines normalen Körpergewichts ist das zentrale Element, um sich vor Krankheiten, wie zum Beispiel Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs zu schützen.« Die Teilnehmer essen dann sehr kohlehydratarm, es gibt nur wenig Nudeln, Kartoffeln und Brot. Stattdessen soll wertvolles Eiweiß auf den Tisch kommen. »Gutes Rindfleisch vom heimischen Metzger«, nennt Lagler hier. Aber wie war das: Ist rotes Fleisch nicht ungesund? Hier spielt die Regionalität eine Rolle: »Geflügelfleisch wäre besser, aber das gibt es hier ja nicht direkt in der Nähe. Darum ist mir dann Rindfleisch lieber.«

Fisch-Esser dürfen sich freuen, diesen gibt es nämlich oft, aufgrund seines Gehalts an Omega-3-Fettsäuren. Diese letzte Phase dauert zehn bis zwölf Tage, »sie kann aber beliebig ausgedehnt werden«, ergänzt die Schönauerin. »Auf jeden Fall sollte man nicht sofort wieder Schweinsbraten mit Knödel und fetter Soße essen«, so Lagler grinsend. Der »Schlendrian« schleiche sich sowieso früher oder später wieder ein, was die Ernährung betreffe.

Überhaupt müssten viele Menschen die richtige Ernährungsweise erst lernen, weiß Dr. Caren Lagler. Daher ist einer der Höhepunkte des Programms eine Veranstaltung im Kindergarten namens »Frühstücken wie ein Kaiser«. Denn den Kindern müsste man schon beibringen, wie man sich richtig ernährt. »Da gibt es dann ein tolles, gesundes Frühstück für die Kleinen«, freut sich die Ärztin. Das große Problem: Es hapert schon bei den Eltern. Daher gibt es bereits zwei Tage vorher einen »Elternabend«, eine Infoveranstaltung zum Thema richtiges Frühstück und Pause. Zentral steht die Frage: »Was hilft Kindern, damit sie Energie für die Schule haben und mit genügend Nährstoffen versorgt sind?« Hierzu seien auch Großeltern und andere Verwandte willkommen. Sie selbst habe schon mitbekommen, dass ein Kind etwa einen Schokoriegel zum Frühstück hatte, erzählt Lagler.

Zuckerbomben Spezi, Eistee und Fruchtschorlen

Ein Rat der Ärztin und Mutter: »Gute Ernährung fängt schon beim Einkaufen an.« Hierzu nennt sie ein Beispiel. Wenn ihre kleine Tochter beim Einkauf etwas Süßes will und sagt: »Alle anderen haben das auch immer in der Brotzeitbox«, dann antwortet sie: »Das mag bei anderen so sein. Wir Laglers machen das aber anders.« Konsequenz und Kompromissbereitschaft seien die Zauberworte. Als Ersatz gibt es dann etwa ein kleines Buch. Natürlich gibt es trotzdem ab und an etwas Süßes, fügt sie noch hinzu. Beim »Elternabend« wird auch Thema sein, dass man seinem Kind keine Zuckerbomben wie Spezi, Eistee oder Fruchtschorlen mit in die Schule gibt.

Neben der Ernährung spielen auch Entspannung und Bewegung wichtige Rollen. Über 30 Referenten haben sich für das Programm »Fit durch unser Gmoa« Angebote überlegt, die sie ehrenamtlich leiten. So gibt es etwa Gymnastik, Yoga, Life Kinetik – »wie man durch Bewegung das Gehirn trainiert« – oder auch Shin rin Yoku. Letzteres ist vergleichbar mit »Waldbaden«, also sich länger im Wald aufhalten und dabei entspannen.

Neu ist der Fitnessparcours an der Ache, eine Art Trimm-dich-Pfad, so die Ärztin. »Den kann jeder absolvieren.« Das Ziel sollte für die Teilnehmer sein, jeden Tag 10 000 Schritte zu schaffen. Dabei hilft der Fitnessparcours. Das Programm wird vervollständigt durch viele weitere Termine, wie etwa Vorträge zum Thema »Ruten und Pendeln«, Kochkurse, einen Erste-Hilfe-Kurs und auch einen Kräuterkunde-Nachmittag, um nur einige zu nennen. Alle Informationen gibt es auf der Internetseite www.fitdurchunsergmoa.de. Annabelle Voss

 

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