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Kreise, Linien und Akte

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Kreise und Linien dominieren  in vielen Werken des Traunsteiner Künstlers Heinrich Stichter. (Foto: Morgenroth)

Eine kleine, spannende und kontrastreiche Werkstatt-Schau zeigt der Traunsteiner Künstler Heinrich Stichter in seinem Atelier in der Oswaldstraße 7 (Rückgebäude) in Traunstein. Zu sehen sind neben seinen großformatigen, abstrahierten Arbeiten, die durch ihre »farbliche Strukturierung« bestechen, auch kraftvolle realistische Aktzeichnungen aus den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts.


Die Atmosphäre im Atelier ist beeindruckend und außergewöhnlich. Stichter braucht viel Platz, wo er Leinwände oder Zeichenkartons, Farben und jegliches andere Malgerät griffbereit anordnen kann, um zu arbeiten. Seine ausgestellten Werke zeigen, dass er im Malprozess selbst »ein Höchstmaß an Wachheit und Konzentration« erreicht, das ihn jedoch nicht an einer gleichzeitig bestehenden, kontemplativen Ruhe und Übersicht hindert. Dabei gerät ihm beim Malen nichts außer Kontrolle.

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Heinrich Stichters Arbeiten leben bei aller Vielschichtigkeit von einigen immer wiederkehrenden Charakteristika in Bildaufbau und Bildgeschehen. Diese machen sie neben der besonderen Malweise unverwechselbar. Typisch für eine große Zahl seiner Werke sind die Motive des Kreises und unterschiedlich angeordnete Balkensysteme, häufig mit dunkelbrauner und dunkelblauer, in den jüngeren Arbeiten auch mit kräftiger Farbgebung voll Archaik und dramatischer Kraft. Aber auch angesichts der bildnerischen »Neugier«, seiner Experimentierfreude gewinnen die Arbeiten besonderes Gewicht.

Einen zweiten Aspekt in der Kunst des Traunsteiner Künstlers zeigen neben seiner Malerei die präsentierten Zeichnungen. Es sind Arbeiten auf unterschiedlichen Papieren, etwa Aktzeichnungen, ausgeführt mit Bleistift, Kohle, Rötel, Tusche und in Mischtechniken. In diesen ausgestellten Blättern sind die äußersten Möglichkeiten und Reize differenziertester Behandlung sichtbar, sei es in der Lockerheit und Präzision, sei es im weichen Fluss oder in der herben Gestaltung der schwarzen und farbigen Bleistift- oder Pinselzeichnung.

Über die Jahrzehnte hinweg haben sich im Medium Papier und in der Zeichnung in Stichters Kunstschaffen überraschende Beziehungen ergeben. Einen besonderen Blickfang in der Atelier-Ausstellung bildet ein liegender Akt, der an die Kunstströmung des Kubismus erinnert. Wie Ausstellungen des Künstlers in den letzten Jahren zeigten, so ist auch in dieser kleinen Kunstschau zu erkennen, dass Heinrich Stichters künstlerisches Schaffen stets geprägt ist durch einen Wechsel von höchster persönlicher Offenheit und äußerster künstlerischer Konsequenz. Die sehr ansprechende Werkschau ist täglich nach vorheriger telefonischer Anmeldung (Telefon 0861/2590) bis 23. Dezember zu besichtigen. Gabriele Morgenroth

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