Kriminalstatistik 2020: Corona-Pandemie sorgt für deutlich verändertes Einsatzgeschehen

Bildtext einblenden
Frank Hellwig, leitender Polizeidirektor, und Robert Kopp, Präsident des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd. Foto: Polizeipräsidium Oberbayern Süd/Montage

Südliches Oberbayern – Weniger Einbrüche, Gewalt und Diebstahlsdelikte: Die Kriminalitätsraten sind im vergangenen Jahr deutlich gesunken. Robert Kopp, Präsident des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, und Frank Hellwig, leitender Polizeidirektor, gaben am Dienstagvormittag umfassend Auskunft über die Entwicklung der Kriminalstatistik 2020 in Rosenheim, Miesbach, Berchtesgadener Land, Traunstein, Altötting, Mühldorf, Weilheim-Schongau, Bad Tölz-Wolfratshausen und Garmisch-Partenkirchen. Die Bilanz kann sich sehen lassen: „Viele Menschen leben im südlichen Oberbayern sicherer als in den meisten Regionen Deutschlands“, so Kopp. Durch die Corona-Pandemie wurde die Polizeiarbeit teilweise jedoch deutlich erschwert.


Im Einklang mit der 2020 gesunkenen Kriminalitätsbelastung in ganz Bayern – laut Innenminister Joachim Herrmann (CSU) auf dem niedrigsten Stand seit 41 Jahren – zeigt auch die Statistik im Bereich Oberbayern Süd sinkende Kriminalitätsraten und hohe Aufklärungsquoten: „Wir haben eine sehr gute Sicherheitslage. Die Zahl der registrierten Straftaten im vergangenen Jahr ist die niedrigste seit Bestehen des Präsidiums Oberbayern Süd“, betont der Polizeipräsident. Daran ist auch Corona maßgeblich beteiligt: „Die Pandemie und mit ihr verbundene Einschränkungen führen nicht nur zu Veränderungen im polizeilichen Einsatzgeschehen, sondern auch zu Verschiebungen bei der statistischen Entwicklung.“

Anzeige

Im Jahr 2020 gab es insgesamt 160.703 Polizeieinsätze. 8057 davon hatten Bezug zur Corona-Pandemie, wie etwa Hinweise auf Partys trotz Kontaktverbot, Missachtung der Ausgangssperre oder Öffnungen von Geschäften oder Dienstleistungsbetrieben, obwohl diese geschlossen sein mussten. Über 335 Kontrollen zur Überwachung der Infektionsschutzmaßnahmen wurden durchgeführt, bei denen 17.943 Verstöße festgestellt und davon wiederum 11.436 zur Anzeige gebracht wurden.

Polizistinnen und Polizisten im südlichen Oberbayern hatten vergangenes Jahr insgesamt 1063 Veranstaltungen zu schützen; 2019 waren es noch fast 1900. „Es haben ja faktisch keine Sportveranstaltungen, Volksfeste oder ähnliches stattgefunden“, erläutert Kopp. Dagegen hat die Zahl der Versammlungen deutlich zugenommen. 2020 gab es 571 Versammlungen, 2019 waren es 209 – die Anzahl hat sich also fast verdreifacht. Fast 500 dieser Versammlungen waren solche, bei denen sich, so Kopp, „Corona-Leugner, Querdenker oder Impfgegner in der Öffentlichkeit artikulieren“. Der Polizeipräsident betonte außerdem die spezielle polizeiliche Herausforderung, die solche Versammlungen mit sich brächten und die nach wie vor anhalte: Im Jahr 2021 waren es bis 1. März erneut 152 Versammlungen dieser Art. Insgesamt werde es für Polizistinnen und Polizisten von Tag zu Tag schwieriger, Corona-Maßnahmen ausreichend zu erläutern und für Akzeptanz zu sorgen, betont Kopp.

Die Gesamtkriminalität im Zuständigkeitsbereich ist mit 54.141 erfassten Straftaten (-1,1% im Vergleich zum Vorjahr) erneut rückläufig. Ohne ausländerrechtliche Straftaten wurden 47.043 Delikte – deutlich weniger als noch vor zehn Jahren – registriert. Die Pandemie spielt bei dieser Entwicklung eine Rolle: „Durch das Herunterfahren des öffentlichen Lebens, durch Ausgangssperren und vor allem durch Alkoholverbote haben sich Tatgelegenheiten reduziert.“ Mit 78% war die überwiegende Mehrheit der straffällig gewordenen Personen männlich.

Erfreulicherweise um knapp 3% auf 75,6% angestiegen ist die Gesamt-Aufklärungsquote. Der Polizeipräsident ist stolz: „Drei von vier Straftaten im südlichen Oberbayern werden aufgeklärt.“ Auch die niedrige Häufigkeitszahl von Straftaten kann sich sehen lassen: Diese liegt bei 3654 Delikten pro 100.000 Einwohnern und ist damit nochmals geringer als der sehr gute bayerische Durchschnitt von 4291 Straftaten. Bayern ist damit das sicherste Bundesland.

Im Bereich der Gewaltkriminalität, die schwere Straftaten wie Mord, Totschlag, Vergewaltigung, Raub oder schwere Körperverletzung umfasst, ist mit 1486 Delikten ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen. 2019 waren es mit 1676 noch 190 Straftaten beziehungsweise 11,3% mehr. Auch hier spielen die Lockdowns und das Schließen von Lokalen laut Polizeipräsident Kopp eine Rolle: „Tatgelegenheiten haben sich verändert.“ Die Aufklärungsquote ist in diesem Bereich mit 90,6% sehr hoch, da es sich oftmals um Gewaltdelikte handelt, bei denen sich Täter und Opfer kannten.

Im Jahr 2020 wurden im Bereich des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd 1723 Fälle häuslicher Gewalt verzeichnet. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies einen Anstieg von 111 Straftaten beziehungsweise 6,9 %. „Hier folgen wir nicht dem bayerischen Trend“, erklärt Kopp, da bayernweit statistisch ein Rückgang verzeichnet wurde. Die Opfer waren mit 78,9% überwiegend weiblich. In 41,2% der Fälle waren Kinder bei der Tat anwesend.

Sexualdelikte wie Vergewaltigung, Nötigung, Belästigung oder Verbreitung, Erwerb und Besitz pornografischen Materials sind um 16,3% auf 947 Delikte gestiegen. Die Aufklärungsquote lag hier bei 90,2%.

Der leitende Polizeidirektor Frank Hellwig teilte mit, dass Diebstahlsdelikte um 18,2% oder knapp 2000 Straftaten zurückgegangen seien. Hier wirke sich vor allem der Rückgang an Ladendiebstählen aus, die durch die Lockdowns nicht möglich waren. Wohnungseinbrüche seien das sechste Jahr in Folge rückläufig: „Täter hatten es schwerer, da die Menschen mehr zu Hause waren.“

Sogenannte Callcenter- oder Legendenbetrügereien, die sich zumeist gezielt gegen ältere Menschen richten, haben 2020 deutlich zugenommen. Hier gibt es vielfältige Maschen wie den Enkeltrick, falsche Gewinnversprechen, falsche Handwerker oder Polizeibeamte. Die Täter gehen dabei extrem geschickt vor und bringen ihre Opfer oft um hohe Geldsummen. Im vergangen Jahr wurden in Oberbayern Süd 1449 solcher Straftaten registriert, was eine Steigerung von 34% zum Vorjahr darstellt. Zwar bleibt es in 90% der Fälle bei einem Versuch, doch die 14 Fälle, die erfolgreich waren, sorgten bereits für einen Gesamtschaden von über einer halben Millionen Euro (Vorjahr: 1,5 Millionen Euro). Die Dunkelziffer sei hier jedoch sehr hoch, da viele Betroffene den Betrug aus Scham nicht anzeigen.

Auch die Internetkriminalität ist gestiegen: „Mit dem Online-Handel boomt die Kriminalität im Netz“, betont Polizeipräsident Kopp. Der erlittene Schaden im südlichen Oberbayern lag 2020 bei 2,2 Millionen Euro, 2019 waren es 1,78 Millionen. Kopp erinnert nochmals an die Gefahr sogenannter Fake-Shops und warnt: „Immer mehr Kriminelle merken, dass man hier auf relativ einfache Weise viel Geld verdienen kann.“

Fälle politisch motivierter Kriminalität haben sich im Vergleich zum Vorjahr mit 645 zu 313 Delikten mehr als verdoppelt. Im Bereich der Kommunalpolitik aber auch im Zusammenhang mit Corona ist eine starke Zunahme an Beleidigungen von Politikern zu verzeichnen. In Oberbayern Süd gab es im vergangenen Jahr 239 politisch rechte Straftaten (davon 198 rechtsextremistisch) sowie 72 politisch linke Delikte (davon 43 linksextremistisch).

Polizeipräsident Kopp ist insgesamt zufrieden: „Die Sicherheitslage im südlichen Oberbayern ist sehr gut. Den Beamtinnen und Beamten ist es gelungen und wird es auch in Zukunft gelingen, die Messlatte in Sachen Sicherheit sehr hoch zu legen.“

JuC


Einstellungen