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Kritik am geplanten Weggang von Osram

Traunreut. »Gute Arbeit, sichere Rente, soziales Europa« lautete das Motto der DGB-Maikundgebung mit Christian Naß, dem stellvertretenden Bevollmächtigten der IG Metall Rosenheim.

Schon Bürgermeister Franz Parzinger hatte kritisiert, vom geplanten Weggang von Osram aus Traunreut erst aus der Presse erfahren zu haben. Er bedauerte sehr, dass die Arbeitsplätze nach Garching bei München verlegt werden sollen. »Wir als IG Metall werden zusammen mit den Betriebsräten alles dafür tun, dass die Arbeitsplätze in Traunreut erhalten bleiben«, sagte Naß dazu. Bereits vor einigen Jahren seien 250 Arbeitsplätze bei Osram verloren gegangen. »Die Arbeit kann auch hier in Traunreut gemacht werden, hier sitzen die Leute, die das können.«

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Ziel sei »eine neue Ordnung der Arbeit.« Die Rechte der Arbeitnehmer und Gewerkschaften müssten gestärkt werden, »Normal-Arbeitsverhältnisse« besser geschützt und dem Niedriglohnsektor entgegengetreten werden. Die Gewerkschaften hatten zuletzt großen Zulauf, täglich seien im letzten Jahr über 900 Menschen Mitglied in einer Gewerkschaft geworden. Zum Schutz der Arbeitnehmer, die immer mehr Stress auszuhalten hätten, müsste Arbeit wieder humaner gestaltet werden.

Zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf forderten die Gewerkschaften entsprechende Betreuungsmöglichkeiten für Kinder. In Bayern liege die Betreuungsquote von Kindern unter drei Jahren erst bei 23 Prozent, während bundesweit eine Zielmarke von 35 Prozent gelte. Wichtig sei ein ausreichendes Betreuungsangebot, das allen Eltern kostenlos zur Verfügung steht.

Ein wichtiges Thema der Gewerkschaften sei die Verbesserung der Ausbildungssituation junger Menschen. »Nur noch gut jedes fünfte Unternehmen bildet überhaupt aus. 300 000 junge Menschen wurden im letzten Jahr in Warteschleifen geparkt und 2,2 Millionen Menschen zwischen 20 und 24 Jahren haben keine abgeschlossene Ausbildung. Die Arbeitgeber müssen endlich aufwachen: Fachleutesicherung gibt es nicht zum Nulltarif!« Als Erfolg der IG Metall wertete Naß die Zusage der unbefristeten Übernahme nach der Ausbildung. Dies sei inzwischen ein wichtiges Argument für junge Leute, wo sie sich um eine Ausbildung bewerben.

Naß prangerte auch die »Auslese« an bayerischen Schulen an: »In keinem anderen Bundesland ist die soziale Herkunft derart entscheidend für den schulischen Werdegang und damit für den späteren beruflichen Erfolg wie in Bayern.« Hier würden 71 von 100 Kindern aus Akademikerfamilien studieren, während nur 24 von 100 Kindern aus Nichtakademikerfamilien ein Studium aufnähmen. »Bayern ist Weltmeister im Auslesen. Wir brauchen aber eine Schule, in der alle Kinder gemeinsam lernen können.«

Ein Dauerthema sei der Niedriglohnsektor. »Knapp 100 000 Menschen im Freistaat müssen am Ende des Monats zum Arbeitsamt gehen und ihren Lohn aufstocken lassen«, so Naß. Der Anteil an befristeten Beschäftigungsverhältnissen sei in den letzten zehn Jahren um 70 Prozent gestiegen, viele Jugendliche hätten noch nie einen unbefristeten Arbeitsvertrag gesehen, die Zahl der Minijobs steige.

Die Gewerkschaften forderten eine Rückkehr zu unbefristeten Arbeitsverhältnissen und einen Mindestlohn in Höhe von 8,50 Euro pro Stunde. Nur per Gesetz könnten Armutslöhne bekämpft und Altersarmut eingeschränkt werden. Auch die Leiharbeit müsse reduziert werden, da sie nicht wie geplant ein Sprungbrett in den regulären Arbeitsmarkt sei. »Leiharbeit ist in erster Linie eines: miserabel bezahlt«, betonte der Redner.

Die Rente mit 67 sei ein »gigantisches Rentenkürzungsprogramm« und ein sozialer Rückschritt. Altersarmut greife immer mehr um sich. Viele müssten zusätzlich putzen oder Zeitungen austragen, weil die Rente nicht reiche. Zudem seien nach einer Befragung der IG Metall bundesweit gerade mal noch 2,6 Prozent der Beschäftigten in den Betrieben über 63 Jahre alt, in Bayern nur 0,9 Prozent.

Deutliche Worte fand Naß auch zur Krise in Europa: »Das Kürzen und Sparen trifft nicht diejenigen, die die Krise verursacht haben. Die Staatsschuldenkrise ist nämlich eine Folge der Bankenkrise, der hemmungslosen Zockerei auf den Finanzmärkten.«

Derzeit sei die Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie in der heißen Phase. Der Forderung der Gewerkschaft auf 5,5 Prozent Entgelterhöhung setzte der Verband eine Erhöhung um 2,3 Prozent ab Juli entgegen, eine reine »Provokation«. Die nächste Verhandlungsrunde steht am Mittwoch in Nürnberg an. Sollte es keine Einigung geben, würden Warnstreiks an Industriestandorten wie in Traunreut ausgerufen. mix