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Kritischer Geist verlässt die Pfarrei Heilig Kreuz

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Beim »Suppensonntag« der Pfarrei Heilig Kreuz wurde Pfarrvikar Christoph Nobs (links) verabschiedet. Unser Foto zeigt ihn mit Stadtpfarrer Georg Lindl (rechts) und dem stellvertretenden Pfarrgemeinderatsvorsitzenden Gerhard Lechner.

Traunstein – Freud’ und Leid lagen beim »Suppensonntag« der Pfarrgemeinde Heilig Kreuz eng beisammen. Zum einen konnten die Gäste die von Brigitte Huber und Manfred Mittermeier gekochten Suppen genießen und mit einer Spende etwas Gutes tun.


Zusammengekommen sind 510 Euro für das Schulspeisungsprogramm der Comboni-Missionare in Nairobi. Zum anderen mussten sie nach dreieinhalb Jahren Tätigkeit Abschied von Pfarrvikar Christoph Nobs nehmen, der eine Pfarrstelle im Schwarzwald übernimmt.

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Kirchenpfleger Manfred Thurner sagte, man habe vor dreieinhalb Jahren nicht davon ausgehen können, dass man sich personell auf einen besonderen Gotteshüter habe umstellen müssen. Als Berührungspunkt nannte er den Schöpfungsgarten. Für Nobs sei es dabei nicht immer leicht gewesen, sich an die Vorgaben der Kirchenstiftung zu halten. Aus persönlichen Gründen wechsele er nun in seine Heimat. Vor allem seine ökumenischen Reisen werde er in guter Erinnerung behalten, so Thurner.

Stadtpfarrer Georg Lindl nannte den Nachfolger von Pater Ferdinand »einen Glücksfall für Heilig Kreuz«. Mit seiner Lebendigkeit habe er die Pfarrei aufgerüttelt. Er habe auch viele Menschen angesprochen, die am Rande der Pfarrgemeinde angesiedelt seien. Als Beispiel nannte er diejenigen, die im Gefängnis sitzen. Er habe die Leute begeistern können, weil er ihre Sprache gesprochen habe. Er hätte sich gewünscht, dass Nobs in Traunstein Wurzeln schlagen würde, wie die Pflanzen in seinem Schöpfungsgarten, so Lindl weiter. Mit ihm hinterlasse er etwas Bleibendes, an dem die Menschen Freude hätten. Nobs habe in der Pfarrei viel ausgesät.

Der evangelische Pfarrer Barthel Pichlmeier hob vor allem die Verdienste von Nobs um die Ökumene hervor. Er nannte als Beispiele die Feiern, die Hoffnung für die Ökumene geweckt hätten und die ökumenischen Reisen. Es sei schade, dass er nicht mehr in Traunstein sei.

Der stellvertretende Pfarrgemeinderatsvorsitzende Gerhard Lechner schilderte Nobs als Kirchenmann ohne Eitelkeiten und Allüren. Er sei sehr kritisch und politisch praktisch gewesen und habe als Freund Gottes die Gegenwart Gottes in den Mittelpunkt gestellt und sich für die Ökumene eingesetzt.

In seinen Predigten habe er mit seinen sehr harten Aussagen so manchen viel abverlangt. So mancher habe auch die Pfarrgemeinde verlassen, verhehlte Lechner nicht. Er habe den schwierigen Spagat zwischen der eucharistischen Feier und dem christlichen Auftrag, sich in die Gesellschaft einzubringen und sie auch zu verändern, geschafft. Sein Anliegen sei es ebenso gewesen, kirchenfremde Menschen anzusprechen. Ferner habe er vorgemacht und gezeigt, wie Mission im 21. Jahrhundert in einer pluralistischen Gesellschaft durchgeführt werden könne, zum Beispiel durch die Bewahrung der Schöpfung. Ein großer Schatz sei die Ökumene, bei der er sehr viele gute Samen gesät habe. Sie seien zum Teil bereits aufgegangen.

Auf die besonders ausgeprägte zwischenmenschliche, offene und kritische Art von Nobs wies auch Horst Trüdinger vom Sozialausschuss der Pfarrgemeinde hin. Er habe viele tolle Ideen und eine nach vorn gerichtete Denkweise gehabt. Trüdinger bedauerte, dass dies leider nicht so erkannt und anerkannt worden sei, wie er es verdient gehabt hätte.

Nach Heilig Kreuz müssen man zum Gottesdienst hinauf pilgern, sagte Josef Häusler, Vorsitzender von »Alt und Jung«. Wer dies geschafft habe, der möge auch den Pfarrer. Mit seinem Weggang werde Heilig Kreuz nicht aus der Bahn geworfen, denn sonst gäbe es Heilig Kreuz nicht mehr. Zu Nobs' kritischen Einstellung meinte Häusler, man müsse sich reiben, denn durch Reibung entstehe Wärme und durch Wärme wiederum Glaube, Hoffnung und Liebe.

Er fühle sich einigermaßen verstanden, erklärte Pfarrvikar Nobs in seiner Dankesrede. Am schönsten sei es, wenn die Dinge offen und ehrlich angesprochen würden, denn sogar im Neuen Testament seien die Fetzen nur so geflogen. Es sei ein Kompliment an die Pfarrei, wenn vieles so offen ausgesprochen werden konnte. Er wünschte zum Abschied jedem Einzelnen und der Pfarrei viel Freude. Bjr