weather-image

»Krystal«: Dramatische Liebeskomödie von William H. Macy

0.0
0.0
"Krystal"
Bildtext einblenden
Taylor Ogburn (Nick Robinson) verliebt sich in die rund 20 Jahre ältere Krystal (Rosario Dawson) Foto: Kinostar Foto: dpa

Drogen, Prostitution, Alkohol und Gewalt sind Schlagworte, die man eher mit einem Actionfilm als mit einer Liebeskomödie in Verbindung bringen würde. »Krystal« versucht jedoch, diese Elemente mit einer Liebesgeschichte zu verbinden. Ob das klappt?


Berlin (dpa) - In der echten Welt würde der Teenager Taylor Ogburn wahrscheinlich sehr schief angeguckt werden. Doch im Film »Krystal« wird eher belächelt, dass er eine rund 20 Jahre ältere Frau stalkt.

Anzeige

Bereits nach kurzer Zeit findet er über sie intimste Details heraus, indem er ihr heimlich zum Treffen einer Selbsthilfegruppe für Suchtkranke folgt. Dass er anschließend seine Persönlichkeit ändert, wie besessen auf eine Beziehung mit ihr hinarbeitet und regelmäßig von Teufelshalluzinationen heimgesucht wird, ist da schon fast ein Randaspekt.

Um dem Liebesdrama noch einen weiteren Dreh zu geben, leidet der 18-jährige Taylor (Nick Robinson, »Love, Simon«) außerdem an einer Herzkrankheit, die es ihm de facto unmöglich macht, sich zu verlieben. Bis er seine vermeintliche Traumfrau Krystal (Rosario Dawson) kennenlernt, hatte er keinen Sex, keine Liebesbeziehungen und keinen Tropfen Alkohol zu sich genommen, denn immer wenn er Stress ausgesetzt ist, droht ein Herzstillstand.

Doch damit nicht genug: Während Taylor versucht, Krystals Herz zu gewinnen, lernt er ihren Sohn kennen, der nur zwei Jahre jünger als er selbst ist und findet heraus, dass die Frau seiner Träume eine ehemalige Prostituierte und trockene Alkoholikerin ist.

Der eher als Schauspieler bekannte Regisseur William H. Macy (»Fargo«) schafft es jedoch, diesen ordentlichen Griff in die Klischeekiste recht amüsant umzusetzen. Wer den Trailer kennt, wartet zwar vergeblich auf überraschende Wendungen, doch der Film kann mit süßen, zwischenmenschlichen Szenen überzeugen.

Der Komödie abseits jeglicher Realität kann man ihre Slapstick-Elemente verzeihen, da es die Geschichte schon von Beginn an mit Ernsthaftigkeit nicht so genau nimmt. Wer etwa als 18-Jähriger im wahren Leben dem erwachsenen Ex-Freund noch droht, nachdem er von diesem ein Messer an den Hals gehalten bekommen hat, wünscht sich entweder den Tod oder hat den Unterschied zwischen Mut und Leichtsinn nicht verstanden. Eine gewisse (Selbst-)Ironie, die über der Geschichte schwebt, wird auch durch die Schauspieler verkörpert, so dass ein rundes Gesamtbild entsteht.

Macy serviert mit »Krystal« leichte Kost, obwohl es immer wieder zu Gewalt kommt. Denn der Film wirft den Blick auf all diese Dramen durch eine knall-rosarote Brille. Selbst ein abgetrennter Zeh wird als Missgeschick dargestellt, das mal passieren und schnell behoben werden kann. Wer also ein großes Liebesdrama erwartet, das eindrucksvoll die Abgründe von Prostitution, des Heroinkonsums und gewalttätiger Ex-Freunde aufzeigt, wird das Kino höchstwahrscheinlich enttäuscht verlassen.

Doch ähnlich wie Taylor, der seine lebensgefährliche Krankheit nicht ganz so ernst nimmt, sollten auch die Zuschauer besser nicht mit all zu ernsten Erwartungen in diesen Film gehen. Denn wer das macht, kann sich rund eineinhalb Stunden gut unterhalten lassen.

Krystal