Kultur mit Konzept bei der Kunstmeile Trostberg ’21

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Aus Triest in Italien stammt die Künstlerin Elena Sanchini, die ihre Cortenstahl-Skulptur »Surfing in Stahl« (0,2 x 0,5 x 0,25 m) bei der Kunstmeile präsentiert.
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Der »Ikarus« aus Eichenholz (1,45 x 0,51 x 0,45 m) des Unterwössener Künstlers Andreas Kuhnlein schwebt derzeit im Trostberger Postsaal. (Fotos: Falkinger)

Das Coronavirus macht der Kultur seit Monaten einen dicken Strich durch die Rechnung. Nicht so in Trostberg: Die Kunstmeile Trostberg ’21 findet statt. Selbstverständlich in anderer Form als von den vorhergegangenen acht Ausgaben gewohnt, aber sie findet statt. Und zwar von Freitag, 7., bis Pfingstmontag, 24. Mai.

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Organisiert wird Südostbayerns größte Schau zeitgenössischer Kunst von den Ehrenamtlichen um Kunstmeilen-Initiator und Künstler Werner Pink, nämlich Dr. Rainer Lihotzky, Anton Zeitlmayr und Andreas Falkinger sowie von Seiten der Stadt Trostberg Kulturamtsleiterin Dr. Johanna Steiner und ihrer Mitarbeiterin Monika Wiedl. Das Team hatte sich bereits Ende vergangenen Jahres darauf geeinigt, die Großveranstaltung durchzuziehen: »Ein ,jetzt nicht‘ kam gar nicht auf, ,jetzt erst recht‘ war immer die Devise«, schilderte Teamsprecher Lihotzky im Gespräch mit der Redaktion.

Kunst hinter Glas

Seither haben die Organisationen alle erdenklichen Corona-Szenarien durchgespielt und intensiv vorbereitet, um für den 7. Mai auf alle Fälle gewappnet zu sein. Das Konzept steht. Publikumsverkehr in den Ausstellungsräumen ist nicht möglich, dennoch werden alle Werke der Kunstmeile Trostberg ’21 zu sehen sein. Das Gros der Arbeiten der 79 teilnehmenden Kunstschaffenden wird in den Glasfronten des Postsaals, des Atriums am Stadtmuseum, in den Schaukästen des Stadtkinos Trostberg und in Schaufenstern der Altstadt-Geschäfte ausgestellt. Was aus Platzgründen nicht gezeigt werden kann, wird in einer virtuellen Galerie unter www.kunstmeile-trostberg.de präsentiert.

Somit bekommen fast alle Werke ihren Platz direkt an der 1,6 Kilometer langen Strecke, die durch Trostbergs Altstadt, den Rosengarten, das Schulzentrum und den Begegnungsplatz führt. »Damit betonen wir noch stärker den Meilen-Charakter unserer Kunstmeile«, sagte Lihotzky. Die Teilnehmer kommen aus ganz Bayern, aus Hessen, Schleswig-Holstein, Österreich, Italien, China und Japan und präsentieren in den zweieinhalb Kunstmeilen-Wochen rund 200 Arbeiten. Aus dem Landkreis Traunstein sind unter anderem die Künstler Andreas Kuhnlein aus Unterwössen, Walter Angerer d. J. aus Siegsdorf und Wolfgang Hübner aus Waging am See vertreten.

Schaffenskraft der Künstler ungebrochen

Die Stadt Trostberg, die die Hauptlast der Finanzierung trägt, trägt die Entscheidung, die Kunstmeile Trostberg ’21 stattfinden zu lassen, hundertprozentig mit: »Zweifel daran, dass wir die Kunstmeile durchführen können, gab es eigentlich nie«, sagte Trostbergs Erster Bürgermeister Karl Schleid. Da sich zahlreiche Skulpturen im Freien befinden, könne ein Teil der Kunstmeile unabhängig vom Infektionsgeschehen immer beim Spaziergang an der frischen Luft besucht werden.

Selbstverständlich sei mit steigenden Inzidenzwerten die Frage in den Mittelpunkt gerückt, was im Innenbereich geschehe. »Aber auch hier war schnell klar, dass wir nicht absagen werden.« Gerade jetzt erfülle die Kunstmeile eine wichtige Aufgabe: »In Zeiten, in denen die Verunsicherung groß ist und die gewohnte Stabilität brüchig wird, braucht es ein Zeichen, dass Kunst und Kultur lebendig sind und dass die Schaffenskraft unserer hier so zahlreichen Künstler ungebrochen ist.«

Vernissage Donnerstag im Regionalfernsehen

Auf Vernissage und Finissage müssen Künstler und Kunstinteressierte diesmal verzichten. Stattdessen wird das Regionalfernsehen rfo die Eröffnungsrede des Bürgermeisters und einen Rundgang von Lihotzky und Pink durch die Ausstellungsräume, bei dem sie Wissenswertes zu Kunstmeile und Künstlern erzählen, aufzeichnen. Ausgestrahlt wird die Sendung zum Zeitpunkt der ursprünglich geplanten Vernissage: am Donnerstag, 6. Mai, um 18.30 Uhr.

Für die Fernsehaufnahmen werden die Arbeiten ganz regulär gehängt und gestellt. Zumindest für die Sendung versuchen die Macher der Ausstellung, die Atmosphäre einer »normalen« Kunstmeile herzustellen. Auch im Internet werden die Werke in gewohnter Kunstmeilen-Umgebung zu sehen sein. Hier sind zudem zahlreiche weiterführende Informationen zu finden, die die Kunstschaffenden zu ihren Arbeiten selbst verfasst haben.

Als Schulstadt und als Kunstmeilen-Veranstalter sieht sich Trostberg erneut in der erfreulichen Pflicht, Kunst und Jugend zusammenzubringen. Deshalb wurde auch heuer wieder ein Schülerwettbewerb ausgelobt – diesmal mit dem Thema »(Selbst)Inszenierung gestern und heute«. Teilgenommen haben die Trostberger Schulen und die Malschule Nessling aus St. Pantaleon (Oberösterreich); zu sehen sind die Arbeiten durch die Fenster des Foyers der Heinrich-Braun-Mittelschule Trostberg.

Nachdem Kameraleute und Fotografen aus dem Postsaal abgezogen sind, geht das Team erneut an die Arbeit, hängt die Werke wieder ab und verteilt Gemälde, Grafiken und Kleinskulpturen in den Glasfronten, Schaukästen und Schaufenstern an der Kunstmeilen-Strecke. »Wir wollen erreichen, dass Trostberg für Kunstinteressierte trotz Corona einen Ausflug wert ist.« Und Lihotzky ist überzeugt: »Das wird uns mit unserem Konzept auch gelingen.« fal

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